"Zum scharfen Eck" war die Kneipe für Hoeschianer

Schwerter Kneipenserie

Auf welche Kundschaft die Kneipe „Zum scharfen Eck“ an der Ecke Becke- und Wilhelmstraße setzte, zeigt die Doppelmotiv-Postkarte aus der Sammlung von Rudolf Kassel. Als sie im März 1910 abgeschickt wurde, führte für viele der damals zwischen 1000 und 1100 Hoeschianer der Weg von der Schicht direkt an den Tresen.

SCHWERTE

, 07.08.2017, 05:37 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vor allem samstags, wenn die Arbeiter ihren Lohn für die Sechs-Tage-Woche in bar in die Hand gedrückt bekamen, war die Kneipe gut besucht. „Die Löhnung wurde sofort umgesetzt“, berichtet der Historiker Dr. Andreas Acktun, der sich eingehend mit der Geschichte des Hoesch-Werks beschäftigt hat. 

In die Gläser kam Hochprozentiges: „Schnapstrinken war ein Riesenproblem und sehr verbreitet unter Arbeitern.“ Es habe sogar zu tödlichen Arbeitsunfällen geführt. Schnaps in der Fabrik – so weiß Dr. Acktun – war deshalb laut Werksordnung streng verboten und ein Kündigungsgrund: „Bier durften die Jungs aber mit aufs Gelände bringen.“ Das hätten sie für die Kalorienzufuhr bei der Schufterei in Zwölf-Stunden-Schichten (mit langen Pausen) auch gebraucht.

Türkischer Kulturverein nutzt die Räume heute

Bier wurde sogar in einem eigenen Verkaufsladen des Stahlwerks in eine Art Henkelmann für Getränke abgefüllt.

Wenn die Familien verschuldet waren, sicherten die Ehefrauen oft die Löhnung, indem sie sie selbst abholten. Das war nach Absprache mit dem Personalbüro möglich. „Als in den 1960er-Jahren auf bargeldlose Zahlung umgestellt wurde, war es vorbei mit den Kneipen“, erklärt Dr. Acktun. Das „Scharfe Eck“ verschwand. Heute nutzt ein türkischer Kulturverein die Räume.

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Die Schwerter Kneipenlandschaft

In der Schwerter Kneipenlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Mehrere Traditionsgaststätten mussten schließen, manche wurden wieder eröffnet, andere Kneipen laufen weiterhin gut. Hier eine Bestandsaufnahmen in Bildern - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
13.04.2012
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Haus Maifeld: Heruntergelassen sind die Rollläden der Gaststätte Haus Maifeld schon seit zwei Jahren, berichtet Eigentümer Anton Maifeld.
© Foto: Reinhard Schmitz
"Pappala-Pub": Simone Aring betreibt die Kneipe im City-Centrum seit 2010. Sie verspricht in ihrer Kneipe eine gemütliche Atmosphäre und überträgt zudem alle Spiele der Fußball-Bundesliga© Foto: Bodo Brauer
"Haus Zier": Oliver Hillen hat Spaß an seiner Arbeit: "Der Klügere kippt nach" ist nur einer der Sprüche, den der Wirt von der Reichshofstraße auf das Schild vor der Tür schreibt.© Foto: Bodo Brauer
"Im Reiche des Wassers": Sylvia Schülke stand hier zwölf Jahre hinter der Theke, wechselte im April 2012 zur Waage. Ihre Nachfolgerin ist Ulrike Engelmann-Surkamp.© Foto: Bernd Paulitschke
Zum Brauhaus: Meike Bresser möchte die Gaststätte wieder beleben. Sie sucht eine Pächterin für das Objekt, das sie von der zu Jahresbeginn verstorbenen Wirtin Margret Kamphausen geerbt hat.© Foto: Reinhard Schmitz
Seit einem Jahr hat Peter Piwek in Villigst schon mit mehreren Interessenten verhandelt: "Aber es ist nicht so leicht, jemanden zu finden." Er vermieten seine Räume nur gelegentlich für Partys oder Familienfeiern.© Foto: Reinhard Schmitz
"denk-mal": Überraschend hat die Gaststätte vor einigen Wochen geschlossen - die Zukunft ist offen. Vor allem die Stammgäste bedauern den Verlust.© Foto: Bodo Brauer
"Feuerteich-Schänke": Seit über 40 Jahren gibt es die Kneipe an der Mährstraße. Wirt Bernd Bay begrüßt regelmäßig Sportfans, die bei den Live-Übertragungen der aktuellen Fußballspiele dabei sind.© Foto: Bodo Brauer
"Die Keule": Rustikal und gemütlich - so beschreiben Rainer und Jochen Melzer die "Keule". Die Brüder haben die Esskneipe mit Wintergarten im Oktober 1984 eröffnet. Auch nachts gibt es hier noch etwas zu essen.© Foto: Bodo Brauer
"Zum Kreuzeck": Die Gaststätte existiert bereits seit 1958, vor 13 Jahren übernahm Albrecht "Bubi" Bubenzer den Betrieb. Stammgast Uwe Keil weiß, warum sich ein Besuch lohnt: "Weil das Bier schmeckt und günstig ist."© Foto: Bodo Brauer
"Haus Kreinberg": Die Gaststätte in Schwerte-Ost gibt es schon seit 1930. An der Lichtendorfer Straße 5 servieren Monika und Bernd Herrmann Getränke und Speisen aus der gutbürgerlichen Küche.© Foto: Bodo Brauer
"Lo Canta": Spanisches Flair verbreitet die Tapas-Bar am Marktplatz. Hassen Er eröffnete den Betrieb vor zehn Jahren. Hier ist immer etwas los: Theater, Musik und andere kulturelle Veranstaltungen lockern den Restaurantbetrieb auf.© Foto: Bodo Brauer
"Dorfschänke Peukmann": Die Dorfschänke in Villigst hat eine lange Geschichte - um 1820 wurde sie gegründet. Heute richten Peter und Ursula Bach vor allem Vereinstreffen und Familienfeiern in den Räumen aus.© Foto: Bodo Brauer
"Rettelmühle": Ein idyllisches Ausflugsziel soll die "Rettelmühle" wieder werden. Die Gräflich von Stosch'sche Renteiverwaltung ist auf der Suche nach einem Pächter.© Foto Bodo Brauer
"Zur Waage": Die Gaststätte, die fast ein halbes Jahrhundert von der Familie Kühne geführt wurde, hatte seit November 2011 geschlossen. Anfang April eröffnete Sylvia Schülke die Kneipe am Postplatz neu.© Foto: Bodo Brauer
Kutscherstube: Familie Fromme hat jahrzehntelange Gastronomie-Erfahrung. Am 27. April 1981 eröffneten die Mitglieder das "Restaurant Kutscherstube" mit Bundeskegelbahnen und Biergarten an der Gotenstraße.© Foto: Bernd Paulitschke
"Restaurant Im Grüntal": "Es wird keine Gaststätte mehr", hat Inhaberin Anne Potthoff die Suche nach einem neuen Pächter für das traditionsreiche Lokal aufgegeben. Künftig werden die Räume am Grüntaler Teich anderen Zwecken dienen. © Foto: Reinhard Schmitz
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