Zwei Schwerterinnen helfen in allen Lebenslagen

Patinnen für Flüchtlinge

Der Raum ist klein, beängstigend klein. Erst recht, wenn Besuch da ist. Heute ist eine Menge Besuch da, denn Mundat Muhammed und ihr Lebensgefährte Taiwo Adewale haben nicht nur einen Termin mit ihren beiden Patinnen vom Arbeitskreis Asyl, sondern auch mit der Lokalzeitung und dem Fotodesigner Kai Hillebrand.

HOLZEN

, 28.11.2016, 05:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Claudia Hübner (l.) und Heike Respondek (r.) haben zu Taiwo und Mundat sowie den Kindern Rose und Roqeeb ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.

Claudia Hübner (l.) und Heike Respondek (r.) haben zu Taiwo und Mundat sowie den Kindern Rose und Roqeeb ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.

Während sich die sieben Erwachsenen in dem nicht einmal 15 Quadratmeter großen Wohn-/Schlaf-/Kinderzimmer der Familie kaum bewegen können, hüpft der dreijährige Roqeeb von einem zum anderen: Die Nachbarn und Mitarbeiter rund um die Flüchtlingsunterkunft an der Straße Zum großen Feld nennen den quirligen kleinen Kerl „Rocky“. 

Mit seinem von Sylvester Stallone verkörperten Namensvetter hat der dunkelhäutige Junge wirklich nicht viel gemeinsam, außer vielleicht, dass er sich manchmal ordentlich austoben muss. Angesichts der Wohnsituation kein Wunder.

Besserung in Sicht

Doch das soll nun besser werden. Die Asylbewerber aus Nigeria können im Dezember in eine richtige Wohnung umziehen. Dort wird das unverheiratete Paar Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Kinderzimmer im Dachgeschoss ganz für sich alleine haben. Roqeeb, der einst im Bauch seiner Mutter aus Nigeria geflüchtet und der in Italien zur Welt gekommen ist, hat seit Juni eine kleine Schwester: Rose ist in Schwerte geboren. Ihren Vater hat die alleinerziehende Mundat im Auffanglager kennen und lieben gelernt.

In der eigenen Wohnung hoffen die beiden nach Jahren im Ausnahmezustand auf ein richtiges Familienleben: Der Elektroingenieur Taiwo bekommt demnächst einen Aushilfsjob in der Rohrmeistereiküche und hofft auf einen Ausbildungsplatz als Koch. Mundat will endlich besser Deutsch lernen, wenn sie die kleine Rose nicht mehr stillt. Roqeeb geht seit August in den Kindergarten Zauberland. Das Asylverfahren des Paares läuft.

Soziale Kontakte geben den Familien Halt

Ob Wohnung, Möbel-Beschaffung, deutsche Bürokratie oder gar die Entbindung: Die kleine Familie ist nicht allein auf sich gestellt. Heike Respondek und Claudia Hübner haben gemeinsam die Patenschaft übernommen und sind der Familie behilflich. Claudia Hübner: „Die Menschen müssen so viel lernen, bis sie sich in der Fremde integrieren können, da können sie jede Hilfe gebrauchen.“ Die Frauen, deren Kinder längst erwachsen sind, begleiten die Familie zu Ämtern und Ärzten und stellen einen wichtigen sozialen Kontakt dar.

Begonnen hat ihr Engagement, als die Turnhalle am Stadtpark mit Flüchtlingen belegt wurde. Heike Respondek erinnert sich: „Als es dort nichts mehr zu tun gab, haben wir uns beim Arbeitskreis Asyl als Paten gemeldet.“ Schon bald durften sie die schwangere Frau aus Nigeria und ihre Familie unter ihre Fittiche nehmen.

Eine Bereicherung fürs Leben

Das Engagement für Flüchtlinge habe ihr Leben bereichert, sind die Frauen sich einig. Sie erklären: „Wer sich als Pate zur Verfügung stellt, kann selbst bestimmen, wie viel Zeit er investieren mag, und worin der Schwerpunkt seiner Arbeit liegen soll. Jeder muss nur so viel tun, wie er kann und mag.“ Sie können und wollen viel: Derzeit sind sie emsig damit beschäftigt, Taiwo und Mundat bei der Einrichtung ihrer ersten gemeinsamen Wohnung zu helfen.

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