Zwei-Toiletten-Gesellschaft im Schwerter Stadtpark?

Öffentliche WC-Anlagen

Anstatt einer neuen City-Toilette in Schwerte sollen nun gleich zwei angeschafft werden: Eine im Stadtpark und eine an einer anderen Stelle. Die Begründung: Die Stadtpark-Szene - Alkoholiker und Drogenabhängige - soll nicht das gleiche WC benutzen wie die restliche Bevölkerung. Droht eine Zwei-Toiletten-Gesellschaft?

SCHWERTE

, 20.09.2017, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besonders der Standort des geplanten Stadtklosetts wurde am Dienstagabend im Planungsausschuss des Rates heiß diskutiert. Eigentlich sollte, so der Plan von Fachbereichsleiter Adrian Mork, das stille Örtchen im neuen Stadtpark-Konzept vorkommen. Dies traf aber in den Reihen der CDU auf Widerstand.

„Von morgens 9 Uhr bis abends 18 Uhr hängen da die Leute auf unserem ehemaligen Friedhof rum“, sagte Ratsmitglied Hans-Georg Rehage (CDU). Die City-Toilette sollte Schwertern die Möglichkeit zur Erleichterung geben und nicht denen, die „sich da rumtreiben“. „Das sind keine Schwerter“, so Rehage.

Vorschlag: Kamera am Standort

Zudem sei der Stadtpark auch ein Angstraum für ältere Menschen. „Da würde ich im Sommer auch nicht hingehen“, so das CDU-Ratsmitglied. Lieber sei ihm da die Eintrachtstraße in der Nähe des Sparkassen-Parkplatzes. „Da kann man auch die Entsorgung über die Tiefgarage abwickeln“, sagt Rehage. Die Toilette solle außerdem nicht kostenfrei, sondern für einen Betrag von einem Euro zu betreten sein.

„In Holland ist das kein Problem. Da sind die Toiletten sauber“, sagte Thomas Keuthen von der Wählervereinigung für Schwerte (WfS). Das liege einerseits an der Kultur, andererseits an hohen Strafen. „Da zahlt man viel Geld, wenn man daneben pinkelt“, so Keuthen. Er schlug deswegen eine Kamera am Standort vor, damit der Verantwortliche zur Kasse gebeten werden könne.

Keine "Nette Toilette" in Schwerte

Auch das Einbringen von Gastronomien sah Keuthen als Alternative für die City-Toilette vor. Bürger sollten die sanitären Anlagen der Gastro-Betriebe aufsuchen, anstatt ihr Geschäft auf einer städtischen Toilette zu verrichten. Dieser Vorschlag wurde aber schnell fallengelassen. „Da gab es schon mal ein Projekt namens Nette Toilette. Das ist fehlgeschlagen“, so Adrian Mork.

Bei Nette Toilette können Gastronomiebetriebe durch einen Aufkleber sichtbar machen, dass man bei ihnen auch als Nicht-Kunde das WC aufsuchen kann. Im Kreis hat sich bisher kein Geschäft eingetragen, die nächste „Nette Toilette“ befindet sich in Dortmund-Hörde.

50.000 Euro pro Toilette

Schlussendlich einigte sich der Ausschuss auf einen Kompromiss. Statt einer sollen gleich zwei Toiletten angeschafft werden: Eine im Stadtpark und eine an einer anderen Stelle. Insgesamt 100.000 Euro sollen dafür erst einmal in den Doppelhaushalt für die kommenden Jahre eingestellt werden, 50.000 Euro pro Toilette. Ob dies aber nun tatsächlich umgesetzt wird, hänge davon ab, ob das Projekt von der Städtebauförderung des Landes NRW unterstützt wird.

Als Angstraum empfindet Sozialarbeiter Peter Blaschke vom Verein für soziale Integrationshilfen den Stadtpark übrigens nicht. „Der Umgang in der Szene ist etwas rauer. Aggressionen gegenüber szenefremden Menschen gab es bisher nie“, sagte er am Mittwoch auf Anfrage.

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Unser Mitarbeiter Hendrik Schulze Zumhülsen kommentiert die Sachlage:

Ein Örtchen für alle

Mehr Toiletten in der Stadt sind natürlich erst einmal ein positives Zeichen. Den Grund für den Zuwachs von nicht nur einer, sondern gleich zwei stillen Orten kann ich aber weniger nachvollziehen. Es sollte doch möglich sein, einen Ort zu schaffen, wo die Szene im Stadtpark und auch andere Bürger ihre Notdurft verrichten können.

Meistens bleiben ja die Leute im Stadtpark auch unter sich und gehen nicht auf andere zu. Dass man Hemmungen haben kann, an den Szene-Leuten vorbeizugehen, kann ich zwar verstehen. Diesen Ort allerdings als „Angstraum“ zu bezeichnen, finde ich übertrieben. Schließlich ist der Stadtpark für viele Grundschüler auch ein Teil ihres Schulwegs.

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