Im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen gibt es mit Miriam Austrup (v.l.), Kathrin Vieth und Pierre Nobbe drei neue Helfer für die Amateurvereine. © FLVW
Amateurfußball

Fußballverrückter arbeitet jetzt offiziell als Klub-Berater: Was macht er da überhaupt?

Vor zehn Monaten ist im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen mit drei Klub-Beratern ein neues Projekt gestartet. Ein Recklinghäuser ist mit von der Partie und hat viel zu bieten.

Über 1000 Fußballspiele in mehr als 40 Ländern hat Pierre Nobbe in den vergangenen Jahren als „Groundhopper“ auf den Sitzen verschiedenster Stadien verfolgt. In seinem neuen Job sind es aber nicht die ganz großen Klubs mit ihren berühmtem Fußballern, die eine bedeutende Rolle spielen, sondern die Amateurvereine im Kreis Recklinghausen und Ahaus/Coesfeld.

Denn der 30-Jährige ist Teil des neu installierten DFB-Projektes „Club24“, bei dem deutschlandweit Assistenten für Vereinsentwicklung eingestellt wurden. Als sogenannter Klub-Berater ist Nobbe als Bindeglied zwischen den Fußballvereinen, dem Kreis sowie dem Landesverband zuständig und fungiert somit als direkter Ansprechpartner. Im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) agiert er aber nicht allein, sondern bildet mit Miriam Austrup (Kreis Dortmund) und Kathrin Vieth (Kreis Gelsenkirchen) ein Trio. In Kontakt treten mit jedem einzelnen Fußballklub ist das Ziel des Trios.

Aufgabenbereich ist breit gefächert

Dabei geht es vor allem um einen engeren Austausch. „Der FLVW hat unheimlich viele Qualifizierungsangebote und Möglichkeiten, die aber in den Vereinen oftmals nicht bekannt sind. Wir wollen genau das transportieren“, erklärt Nobbe. Durch Besuche bei den Klubs lernt er nicht nur die Verantwortlichen kennen, sondern kann auch Kritik sammeln und an den Verband weitergeben.

Auch Verbesserungsvorschläge für die jeweiligen Fußballvereine spielen eine wichtige Rolle. „Wir wollen dabei aber niemanden belehren“, betont Nobbe. Und die Klubs nehmen den neuen Posten gut an. In den vergangenen Monaten bekommt der 30-Jährige immer wieder Rückmeldungen und Anfragen, mal sind es nur einzelne Fragestellungen, mal Gespräche mit Vereinen, bei denen von A bis Z alles durchgegangen wird.

Besuch bei 75 Fußballvereinen in zwei Kreisen

Für den neu ernannten Assistenten für Vereinsentwicklung hat alles im August vergangenen Jahres begonnen. Nach einer Auftaktveranstaltung und Seminaren standen Termine mit insgesamt 135 Vereinen im Kreis Recklinghausen und Ahaus/Coesfeld auf Nobbes Plan. Durch den Lockdown und die Einschränkungen im November sind diese klassischen Besuche aber schnell wieder weggefallen und man hat auf die virtuelle Version mit einer „digitalen Sprechstunde“ umgestellt.

Doch auch hier blieb man nicht untätig. Der „Westmünsterland Cup“, ein spontanes E-Sport-Turnier mit 15 Teams, wurde beispielsweise im Kreis Coesfeld in Kooperation mit den Kreissportbünden Coesfeld und Borken sowie der Sparkasse auf die Beine gestellt. Durch den Einwurf von einem Verein hat man zudem die gemeinnützige Funktion von Office365 entdeckt und somit eine kostenlose Möglichkeit, sich als Klub zu digitalisieren.

Großes Interesse am Thema Fußball

Dass Nobbe prädestiniert ist für den Job als Klub-Berater, wird mit Blick auf seine Fußball-Vergangenheit schnell klar. Ganz klassisch hat er alle Jugendmannschaften durchlaufen, stand für den PSV Recklinghausen und die SG Hillen auf dem Platz. Wenn es um die ganz großen Teams geht, gibt es für Nobbe nur den FC Schalke 04. Im Lauf der vergangenen Jahre hat er sich aber wieder vermehrt dem Amateurfußball zugewandt.

Heute beschäftigt sich der 30-Jährige sieben Tage die Woche mit Fußball, nennt sein dauerhaftes Interesse für die Sportart liebevoll „positiv fußballverrückt“. Für Nobbe sind dabei nicht nur die Ergebnisse interessant, sondern auch die Abläufe dahinter in den Vereinen. Er sieht in den Sportklubs einen wichtigen gesellschaftlichen Treffpunkt für Kinder und Erwachsenen. „Die Vereine haben eine unheimliche Kraft zu verbinden. Da werden Werte wie Teamgeist vermittelt und auch Integration ist ein wichtiger Punkt“, erklärt er.

Heimspiel im Kreis Recklinghausen

Mit dem Kreis Recklinghausen als eines von zwei Einzugsgebieten hat Nobbe ein ganz klares Heimspiel erwischt. Als gebürtiger Recklinghäuser kennt er die meisten Sportplätze in der Umgebung. Natürlich gebe es immer wieder neue Stadien, aber für die Fahrten zu den Vereinen brauche er nur selten ein Navi.

Der Reiz in seiner neuen Aufgabe liegt unter anderem auch in dem Stadt-Land-Konflikt. Der Kreis Ahaus/Coesfeld sei eher ländlich geprägt, Recklinghausen eher städtisch. Bereits jetzt merkt Nobbe, dass die Interessen und Probleme ganz andere sind und man jeden Kreis für sich betrachten muss.

Endlich wieder persönliche Gespräche

Für die kommenden Monate hofft der Recklinghäuser auf eine baldige Rückkehr zu den klassischen Vereinsbesuchen vor Ort. Persönliche Gespräche im Vereinsheim, dort wo sich die Leute wohlfühlen und seit Jahren zuhause sind, seien einfach etwas ganz anderes als eine Videokonferenz. Auf seiner To-Do-Liste steht zudem das Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt bei Kindern und Jugendlichen“. Nach Online-Seminaren im Frühjahr will Nobbe auch in Präsenz weitere Informationen folgen lassen.

Grundsätzlich sei aber aktuell auch Fingerspitzengefühl gefragt bei der Arbeit mit den Vereinen. „Viele wollen erstmal raus auf den Platz und kicken und sind damit beschäftigt, den Fußballalltag zu gestalten.“ Man dürfe in solchen Phasen nicht mit zu vielen Themen und Ideen um die Ecke kommen. Die Einberufung der Assistenten für Vereinsentwicklung ist für Pierre Nobbe am Ende ein guter Ansatz, um individuell zu helfen. „Wir können so die Basis stärken und das Spektakel auf den Fußballplätzen der Amateurvereine bewahren.“

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