Joel Grodowski steht am Samstag mit Preußen Münster im Finale des Westfalenpokals. © Nico Ebmeier
Fußball

Joel Grodowski steht vor Karriere-Höhepunkt – mit einem weinenden Auge

Am Samstag spielt Joel Grodowski mit Preußen Münster im Finale des Westfalenpokals. Es ist sicher eines der größten Spiele in der Karriere des Borkers – auch wenn kurz danach ein Abschied folgt.

Es hätte eigentlich das perfekte Spiel sein können. Damals, am Mittwoch, vor knapp anderthalb Wochen. Im Halbfinale des Fußball-Westfalenpokals traf Preußen Münster mit dem Borker Joel Grodowski auf den SC Verl. Das Team, bei dem der Stürmer erst wenige Tage zuvor einen Vertrag für die neue Saison unterschrieben hatte. Aber die Wade zwickte – wie so oft in letzter Zeit. Der perfekte Abschied blieb aus.

Am Samstag hat Grodowski nun aber noch einmal die Chance auf einen vernünftigen Ausklang seiner zwei äußerst ereignisreichen Jahren bei den Adlerträgern. Denn seine Mannschaftskollegen haben sich durch ein überraschendes 3:0 gegen die Verler das Finalticket für den Westfalenpokal gesichert und das findet – wie sollte es auch anders sein – in Verl, Grodowskis baldiger Heimat, statt.

Es ist eine Verkettung von glücklichen Zufällen, die auch irgendwie perfekt zur Ausnahmekarriere des pfeilschnellen Außen passen. Hatte dieser doch schon mit 18 Jahren eigentlich eine Profi-Karriere an den Nagel gehängt und wurde dann nach fast 100 Toren in zwei Jahren beim PSV Bork doch von einem englischen Drittligisten in den bezahlten Sport gehievt.

„Das werde ich nie vergessen“

Das werde er nie vergessen, sagte Grodowski vor wenigen Tagen in einem Interview auf dem YouTube-Kanal der Preußen. „Ich war nach der Meisterschaft mit Bork auf dem Weg nach Holland zum Trainingslager für die Aufstiegsrunde und plötzlich sehe ich da diese englische Nummer in meinem Display.“ Dann ging alles ganz schnell und innerhalb weniger Tage wurde Joel Grodowski vom Ausnahme-Kreisliga-Talent zum Fußball-Profi.

Im Trikot des PSV Bork schoss Joel Grodowski in zwei Spielzeiten fast 100 Tore.
Im Trikot des PSV Bork schoss Joel Grodowski in zwei Spielzeiten fast 100 Tore. © Reith © Reith

Wirklich erfolgreich war diese Zeit bei Bradford City zwar nicht, wegen einer schier ewigen Verletzung machte der Ex-PSV-Stürmer nur ein einziges Spiel, von einem falschen Schritt will er aber ganz sicher nicht reden. „Es war eine großartige Zeit, die aber natürlich auch sehr schwierig war. Ich konnte kaum die Sprache und musste ja auch von jetzt auf gleich alles umstellen. Aber letztendlich hat mich das richtig zu einem erwachsenen Fußballer gemacht“, schaut der immer noch erst 23-Jährige gerne zurück.

Trotzdem machte Grodowski danach erstmal wieder einen Schritt nach hinten, wechselte aus England in die nicht-professionelle deutsche Oberliga und holte sich da Spielpraxis und vor allem das Selbstvertrauen der Kreisliga-Jahre zurück. Weit mehr als 20 Scorerpunkte sammelte er in einem Jahr für die Hammer SpVg und machte schnell Scouts aus der 3. Liga auf sich aufmerksam. 2019 folgte dann endgültig der Sprung in den deutschen Profi-Fußball mit dem Wechsel zu Preußen Münster.

Pokalfinale ist für Joel Grodowski der Höhepunkt

Doch Joel Grodowski wäre irgendwie nicht er selbst, wenn beim Traditionsklub alles perfekt laufen würde. Eine Schulterverletzung ließ ihn die komplette Vorbereitung und die ersten Spieltage in Münster ausfallen, er wird teilweise zur zweiten Mannschaft durchgereicht und startet in der gesamten Saison nur ein einziges Spiel von Beginn an. Weil auch die Mannschaft des damaligen Drittligisten nie so wirklich in Fahrt kommt, folgt für die Preußen der bittere Abstieg in die Viertklassigkeit – und genau da geht der Stern des Borkers endlich wieder auf.

In einem rundum erneuerten Team ist Grodowski Stammspieler, übernimmt trotz seines Alters von Beginn an Führungsaufgaben und sorgt mit acht Toren für Platz 3 in der Regionalliga West und der damit verbundenen Qualifikation für den DFB-Pokal. Ein Gewinn des Westfalenpokals am Samstag gegen die Sportfreunde Lotte wäre dabei die berühmte Kirsche auf der Torte, auch wenn ihm selbst das vielleicht gar nicht mehr so viel bringt.

Denn während der Borker die Preußen mit seinen Toren in den DFB-Pokal geschossen hat, hat sein neuer Arbeitgeber, der SC Verl, dieses Ziel verfehlt. Wenigstens kann Grodowski im Finale nun schon mal schauen, wie es sich anfühlt, in der Sportclub-Arena Tore zu schießen. Immerhin sollen da im nächsten Jahr ja dann ein paar hinzukommen.

Während es für den Stürmer übrigens das erste große Finale ist (mal ausgenommen die Aufstiegsspiele mit dem PSV), das er in seiner Fußball-Karriere vor sich hat, geht es für die Adlerträger darum, einen echten Fluch zu besiegen. Seit dem letzten Triumph 2014 scheiterten die Münsteraner immer wieder teils kläglich im Westfalenpokal an unterklassigen Teams. Und auch gegen die Sportfreunde aus Lotte gehen die Preußen am Samstag um 13.50 Uhr als Favorit ins Spiel. Die Vorzeichen sprechen also eher gegen Grodowski und seine Teamkollegen.

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Freier Mitarbeiter
Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier