2. Selmer "Late-Night-Shopping" mit wenig Andrang

Auf der Kreisstraße

Zum zweiten "Late-Night-Shopping" hatte die Werbegemeinschaft Selm für Samstag auf die Kreisstraße eingeladen. Der späte Bummel war aber vielfach früher zu Ende als geplant. Denn wegen des geringen Andrangs hatten mehrere Geschäfte gar nicht bis 21 Uhr geöffnet. Andere hatten gar nicht erst mitgemacht.

SELM

, 01.10.2017 / Lesedauer: 3 min

Eigentlich sollten die Ladentüren bis 21 Uhr geöffnet bleiben. So hatte es die Werbegemeinschaft angekündigt. Wer aber nach 20 Uhr über die Kreisstraße schlenderte, stand oft vor verschlossenen Türen: weil es sich wie beim Juwelier Hieke nicht mehr lohnte, noch länger zu bleiben, oder weil die Läden erst gar nicht mitgemacht hatten wie im Fall der Bären-Apotheke.

Die Passantin, die am Samstagabend kurz vor 20 Uhr durch den Sprühregen in Richtung Edeka-Markt eilt, der jeden Samstag bis 21 Uhr geöffnet hat, weiß gar nichts vom Late-Night-Shopping, obwohl sie selbst an der Kreisstraße wohnt. „Ich bin zwar unterwegs, um noch eine Kleinigkeit einzukaufen, die ich vergessen habe“, sagt die Frau.

Zur Aktion der Werbegemeinschaft meint sie: "Es fällt auch nicht wirklich auf“. Rechts und links vor der langen Baustelle mitten auf der Fahrbahn spiegeln sich nur spärlich Lichter in den Pfützen. Keine Fackeln, keine Werbebanner, weder Musik noch Imbiss.

Vorschlag: Freitagabend die bessere Alternative?

Etwas Programm hätte sich auch Claudia Eickhoff gewünscht von Ernsting’s Family. Sie komme selbst aus Werne. Dass in Selm etwas los ist, hätte sie nicht mitbekommen, wenn sie als Mitarbeiterin nicht davon betroffen gewesen sei.

Family hat ohnehin samstags bis 17 Uhr geöffnet, die dm-Filiale auf der anderen Straßenseite bis 20 Uhr. Für die Einzelhändler, die nicht zu Ketten gehören, ist in der Regel aber samstagmittags Schluss.

„Wir haben um 16 Uhr extra wieder geöffnet“, sagt Gabi Feldkamp vom Juweliergeschäft Hieke. Gelohnt habe sich das nicht unbedingt. „Vielleicht“, meint sie, „sollten wir es mal mit einem Late-Night-Shopping am Freitagabend probieren“: ein Bummel nach Feierabend. Die Leute könnten dann in der Stadt bleiben und bräuchten nicht extra zurückkommen. Außerdem würde eine stimmungsvolle Beleuchtung mehr Atmosphäre zaubern, die zum Bummeln einlädt – allerdings nur bis 20 Uhr. „Danach lohnt sich das einfach nicht mehr.“

"Es wäre besser, wenn mehr mitmachten"

Den Eindruck hatte auch Sandra Horstmann vom erst vor vier Wochen eröffneten Geschäft OK-Schuhe. Grundsätzlich begrüßt sie aber die zusätzliche Gelegenheit, sich den Kunden zu präsentieren. „Nach der ersten halben Stunde war es richtig voll.“ Allerdings: „Es wäre besser, wenn mehr mitmachten.“

Bei der Takko-Filiale nebenan waren etwa die Lichter aus. Für Heike Kügler vom Kaufhaus Berken gibt es zwei Gründe, warum die Resonanz beim zweiten Late-Night-Shopping schlechter war als bei der Premiere im März: „Das Wetter und natürlich die Baustelle.“ Dennoch: Betrieb herrschte im Laden. „Ich freue mich über das Angebot, abends hier mit meiner Freundin zu bummeln“, meint Michaela Otte aus Selm. „Das dürfte es ruhig öfter geben.“

Ersatz für verkaufsoffene Sonntage

Dorothee Sperl von der Modeinsel wären verkaufsoffene Sonntage liebe. Die würden besser angenommen. Wegen der strengeren Rechtsprechung seien offene Sonntage schwierig geworden, sagt Manfred Breyer, Sprecher der Werbegemeinschaft. Daher habe man es mit dem Late-Night-Shopping probiert. Bei der Gestaltung eines Begleitprogramms müsse die Initiative von den Geschäftsleuten selbst ausgehen. „Das ist immer schwierig, wenn Filialisten dazwischen sind, die nicht mitmachen.“

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