29-jähriger Selmer biss seinen dreijährigen Sohn: Mutter erstattete Anzeige

rnGerichtsprozess

Weil sein dreijähriger Sohn so oft biss, hat ein Selmer Vater zurückgebissen. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte die Richterin, vor der sich der Selmer jetzt verantworten musste.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 17.08.2020, 22:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein kleiner Sohn (3) befand sich in der Beiß-Phase. Um ihn davon abzubringen, biss ein Selmer zurück. Das brachte den 29-Jährigen nun im Amtsgericht Lünen auf die Anklagebank. Der Vorwurf: vorsätzliche Körperverletzung.

Am 2. Februar war der kleine Junge, der bei der früheren Lebensgefährtin des Selmers lebt, zu Besuch bei dem 29-Jährigen. Der damals Dreijährige biss seinen Vater und der hielt es daraufhin für eine pädagogisch wertvolle Maßnahme, sich auf gleiche Weise zu revanchieren. Er biss das Kind in den Arm. Und das hinterließ Spuren, die der Mutter auffielen. Auch deutete das Kind darauf und sagte dabei „Papa“. Die Mutter erstattete letztlich Strafanzeige gegen den Vater.

„Nicht die richtige Erziehungsmethode“

Durchaus schuldbewusst erschien der Mann aus Selm nun zu seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Lünen. Die Tat räumte er ein, wobei er betonte, nur ein einziges Mal zugebissen zu haben und nicht, wie es in der Anklageschrift stand, an zwei Stellen am Arm zugebissen zu haben. Die Erklärung für sein Vorgehen schickte er direkt hinterher: Zu der Zeit habe der Kleine ständig gebissen. Also habe er so reagiert, wie es ihm jemand kurz zuvor geraten habe. „Er sollte merken, dass das ein No-Go ist.“ Nun wisse er, dass das natürlich falsch gewesen sei. „Ich habe mittlerweile eingesehen, dass das nicht die richtige Erziehungsmethode ist“, versicherte er. Derzeit habe er ausschließlich per Telefon Kontakt zu dem Jungen, dürfe ihn nicht sehen. Aber er wolle all seine Probleme aufarbeiten – auch um den Kleinen wieder regelmäßig sehen zu dürfen.

Die Richterin brachte es nach der Einlassung des 29-Jährigen auf den Punkt: „Das ist schon ein starkes Stück. Sie haben Ihr eigenes Kind gebissen.“ Der Selmer habe dem Sohn einmal zeigen wollen, wie das sei, wenn man jemandem wehtue. Aber: „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. So kann man Kinder nicht erziehen.“

Mann hat zwei Vorstrafen

Der Umstand, dass sich der Angeklagte gleich zu Beginn der Ermittlungen geständig zeigte und die Tatsache, dass er das begangene Unrecht zwischenzeitlich auch einsah, wirkten sich zu Gunsten des 29-Jährigen aus. Deutlich gegen ihn sprachen zwei Vorstrafen, auch wenn sich die auf ganz anderen Gebieten bewegten. Er wurde schließlich zu drei Monaten Haft auf Bewährung und zur Ableistung von 60 Sozialstunden verurteilt. Die Bewährungszeit dauert zwei Jahre, auch wird dem Selmer in dieser Zeitspanne ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Er akzeptierte die Entscheidung des Gerichts postwendend und auch der Vertreter der Anklage verzichtete auf Rechtsmittel. Damit wurde das Urteil quasi direkt nach der Verkündung rechtskräftig.

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