5G-Ausbau in Selm: Borker Physiker fordert Dialog mit Kritikern

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Der Borker Swen Tammen will die Einführung des neuen 5G-Mobilfunknetzes in Selm verhindern. Im vergangenen Jahr startete er dazu eine Petition. Nun soll es einen Dialog mit der Stadt geben.

Selm

, 03.06.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Borker Diplom-Physiker Swen Tammen lässt nicht locker. Er will die Einführung des ultraschnellen 5G-Funknetzes in Selm verhindern, weil er darin eine Gefahr für seine Mitmenschen sieht. Jetzt stellte er eine Anfrage an die Stadt und hofft auf einen Dialog.

1200 Unterstützer gegen 5G

Tammen startete im August 2019 eine Petition unter dem Titel „Kein 5G in Selm“ und sammelte dafür mehr als 1200 Unterstützungsunterschriften. Allerdings kamen davon nur 120 von Selmer Bürgern.

„Für die Einwohnerzahl von Selm ist die Zahl der Unterschriften okay“, so der Softwareentwickler. Dennoch finde er es schade, dass sich nur eine Minderheit mit dem seiner Meinung nach wichtigen Thema beschäftigt.

Auf den Marktplätzen in Bork und Selm versuchte er bereits aufzuklären: „Im persönlichen Gespräch hat sich fast immer gezeigt, dass die Menschen dem Thema aufgeschlossen gegenüber stehen.“

Swen Tammen ist überzeugt davon, dass das neue Funknetz negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Aufgrund der geringeren Reichweite der 5G-Funkwellen werden mehr Sendemasten benötigt, die näher zu den Nutzern stehen. Tatsächlich gibt es aber noch keine belastbaren Studien, die eine Unbedenklichkeit von 5G belegen.

Neunseitige Anfrage an die Stadt

Nun wagte Tammen den nächsten Schritt: Er schickte der Stadt eine neunseitige Anfrage. Darin bittet er die Verantwortlichen unter anderem um Stellungnahme, wie sie eine gesundheitliche Gefährdung der Bürger durch 5G ausschließen wollen.

„Ich habe auch darum gebeten, dass die Zuständigkeit geklärt wird, damit klar ist, wer Entscheidungskompetenz hat“, erklärt Tammen.

Er rechnet nicht nur mit einer Antwort der Stadt: „Ich bin optimistisch, dass es zu einem persönlichen Dialog kommt.“ Im vergangenen Jahr teilte die Stadtverwaltung bereits mit, dass vor Einführung des 5G-Netzes „eine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung ausgeschlossen sein muss“.

Tammen bemerkt ein steigendes Bewusstsein der Verantwortlichen: „Es wird registriert, dass es immer mehr Kritiker gibt. Wir sind keine Exoten in Selm, es gibt dutzende Projekte zu 5G in Deutschland. Das kritische Bewusstsein ist da und es wird mehr", weiß Tammen.

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Mobilfunkkonzept soll vor allem Kinder schützen

Aber wie kann das 5G-Problem gelöst werden? Tammen fordert zuallererst ein Mobilfunkkonzept für die Stadt, in der sorgfältig geplant wird, wo neue Antennen aufgestellt werden – und wo nicht. Vor allem im Bereich von Schulen und Kindergärten sollen Funkantennen so geplant werden, dass die Strahlung dort minimiert wird, findet Tammen.

Kritik äußert er beim Glasfaserausbau in Selm: „In Olfen und Nordkirchen sieht die Glasfaserversorgung viel besser aus.“ Ein flächendeckender Ausbau des Glasfasernetzes könnte laut Tammen ein 5G-Netz weitestgehend ersetzen.

Blieben noch Einsatzmöglichkeiten wie das autonome Fahren, das mit 5G kommen soll. „Darüber kann man diskutieren, ob es die Mobilitätsprobleme der Gegenwart überhaupt löst“, stellt Tammen den Nutzen infrage.

Aber auch der hohe Stromverbrauch der neuen Technik sei ein Grund, die Einführung zu verhindern: „Die Vorgaben des Klimaschutzkonzeptes der Stadt werden mit der Einführung von 5G niemals eingehalten“, ist sich der Physiker sicher.

„Das Vorsorgeprinzip wird bewusst missachtet“

Swen Tammen merkt aber auch an: „Das Vorsorgeprinzip des Staates wird bei 5G bewusst missachtet.“ Dieses Prinzip ist in Grundgesetz und Europarecht verankert. Es verpflichtet den Staat, denkbare Schäden für Mensch und Umwelt im Voraus zu vermeiden.

Das könne aber nur garantiert werden, wenn eine Unbedenklichkeitsstudie abgewartet werde, bevor 5G in die Stadt kommt, so Tammen. In seinem Anliegen gehe es schließlich um die Gesundheit aller: „Ich will ja nicht die Politik behindern, sondern ich finde, dass ich berechtigte Fragen stelle.“

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