6 Gründe für den Selmer Kriegsdokumentarfilm

Report über den IS

Nach den „Tagesthemen“ am Montagabend, 1. Februar, sollten Sie unbedingt noch eine Dreiviertelstunde dran bleiben. In der ARD läuft ein neuer Dokumentarfilm des mehrfach preisgekrönten Kriegsreporters Ashwin Raman (69) aus Selm. Sechs Gründe, warum sich sein Film über den Krieg gegen den IS lohnt.

SELM

, 30.01.2016, 05:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Journalist Ashwin Raman die Folgen des Krieges der Kämpfer des sogenannten „Islamischen Staates“ – vor Ort in Syrien, Iran und dem Irak. Sechs Gründe, warum Sie sich die Zeit nehmen sollten.

1. Weil der IS-Krieg und die Flüchtlingssituation zusammenhängen

Der Film geht an die Quelle der Flüchtlingssituation, die sich auch vor Ihrer Haustüre abspielt: Warum kommen so viele Menschen nach Europa, um dort Zuflucht zu suchen? Weil Soldaten unter der Flagge des „Islamischen Staates“ Angst und Schrecken verbreiten, ganze Städte und Dörfer auslöschen, Menschen quälen und töten – Kinder, Frauen, Männer. 

2. Weil der Film nicht die Grausamkeiten zeigt, aber deren Auswirkungen

Der Film zeigt all diese Grausamkeiten nicht, aber er zeigt, wie die Menschen damit umgehen. Und zwar viele Alltagsmenschen. Ashwin Raman, der abgesehen von Fahrern, Dolmetschern oder zentralen Kontaktleuten allein mit der Kamera unterwegs ist, spricht mit den Leuten, die unter diesem Krieg leiden. Er spricht mit einem Mann, der davon berichtet, dass ISIS-Kämpfer Teile seiner Familie töteten und ihm dann sagten: „Dich lassen wir am Leben – damit du weiter leidest.“ Er zeigt einen kurdischen Peschmerga-Soldaten an einer Frontlinie, der 15 Minuten nach der Aufnahme von einem IS-Scharfschützen erschossen wird.

3. Weil Ashwin Raman im Film sehr kuriose Menschen trifft

Der Film zeigt auch Surreales: Seine beste „Geschichte“ ist die Begegnung mit dem britischen Schauspieler Michael Anwright (51). Ein Mann, der sagt, er sei nach einer dreiwöchigen Ausbildung zum Kämpfer in der Heimat in den Krieg gezogen, um Islamisten der ISIS zu töten. Mit einer Action-Cam auf dem Helm und einem MG in der Hand. „Ein ganz zufälliges Treffen war das“, sagt Ashwin Raman. Sie war ein Glück für die Story. Oder ein Training von Bundeswehrsoldaten, die kurdischen Jugendlichen beibringen, wie ein Maschinengewehr funktioniert und wie man sich umdreht und dann auf „Hans“ schießt.

4. Weil der Film Unglaubliches zeigt

Der Film zeigt Unglaubliches: „Den Wunsch zu sterben für die Heimat, für die Freiheit – wie oft habe ich ihn auf dieser Reise gehört“, sagt der Sprecher/Erzähler Bernt Hahn, der den Haupt-Kommentar eingesprochen hat, an einer Stelle im Film. Man sieht sehr hübsche junge Frauen, vielleicht gerade 20 Jahre alt, jesidische Kurdinnen, in Militär-Uniform. Zehntausend dieser Frauen, so Ashwin Ramans Recherche, ziehen so in den Krieg gegen die IS-Kämpfer.

5. Weil der Film zeigt, wie kompliziert das alles ist

Der Film ist vielfältig: Neben all diesem kommt ein deutscher Bundeswehr-General zu Wort, der den Einsatz der Bodenrakete Milan erklärt – sie ist laut Recherche die erste Fernkampfwaffe, die Deutschland aus den eigenen Händen gibt, um sie den Kurden zur Verfügung zu stellen, damit sie damit den „Islamischen Staat“ bekämpfen können. Auch ein irakischer Politiker kommt zu Wort, der sagt, was der Kampf gegen den IS bedeutet und wie er erfolgreich bestritten werden kann. Er ist ein Abbild einer Situation, in der Sunniten und Schiiten, Kurden und Syrer, Iraker und Iraner, einem schier unlösbaren politischen Konflikt gegenüberstehen, dessen Opfer der Frieden und damit die Menschen in der Region sind. Aber der auch weltweit seine Auswüchse im Terror und der dramatischen Flüchtlingssituation findet.

6. Weil er Film ein "Happy End" hat, wenn es so etwas überhaupt gibt

Der Film hat ein „Happy End“ – wenn man das bei diesem Sujet sagen kann. Ashwin Ramans letzte Station ist Kobane, die syrische Stadt an der türkischen Grenze. Eine einst stolze Stadt mit 50.000 Einwohnern, die aufgrund des Krieges zwischen Assad-Regierungstruppen und syrischen Rebellen durch Flüchtlinge auf 100.000 Einwohner angewachsen. IS-Truppen griffen sie im Herbst 2014 erstmals an und verursachten einen Häuserkampf, der sich im Frühsommer 2015 fortsetzte und die Menschen über die Grenze in türkische Flüchtlingslager trieb. Sie erzählt von einer Familie, die im Herbst 2015 aus dem Lager zurückkehrte in ihr Haus und daran arbeitet, den Garten wieder schön zu machen. Der Vater sagt, es sei schon komisch – früher habe er so viele nette Nachbarn gehabt, heute sei er irgendwie allein. Aber zurück in der Heimat.

 

Ashwin Raman beantwortet die Fragen unserer Leser

Daniel Graf aus Selm fragt: "Wie kommt man dazu so einen Job zu machen?"

 

Lutz Linder fragt: "Wie schätzen Sie den Kampf gegen den IS ein? Wird es gelingen, mit dieser Form des Kampfes, den Terrorismus einzudämmen?"

 

Georg Sehrbrock fragt: "Welche Rolle spielen die westliche Welt/USA und Russland? Würden Sie sie als destabilisierend einschätzen?"

Zur Person
Ashwin Raman (69) lebt seit 20 Jahren mit seiner Frau in einem Fachwerkhaus in der Altstadt von Selm. Einmal im Jahr reist er in Kriegsregionen dieser Welt, um die Situation dort zu dokumentieren. Er arbeitet als Reporter allein, trägt die Kamera selbst und wird nur begleitet von Dolmetschern, Kontaktleuten oder Fahrern. Er spricht neun Sprachen und gewann zwei bedeutende Preise: den Deutschen Fernsehpreis und erst im vergangenen Jahr den Journalistenpreis der Otto-Brenner-Stiftung für einen Dokumentarfilm über den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, der eindrücklich schildert, dass der zehn Jahre währende Einsatz die Situation dort nicht befrieden konnte. 

 

 

 

 

 

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