Abrisskalender statt Abreißkalender: Motive zeigen die Veränderung des Stadtbildes von Selm

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So viel gebaut wie zurzeit wurde selten in Selm. So viel abgerissen auch. Die Stadt ist im Wandel - nicht immer zum Besseren, wie Heinz Cymontkowski meint, der Schöpfer des Abrisskalenders.

Selm

, 17.12.2019, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Greifarm des Baggers reckt sich gierig von links ins Bild hinein. Der Baum am rechten Bildrand scheint sich ängstlich wegzuducken. Dazwischen: Berge an Schutt und Steinen - ein Bild der Zerstörung, wo heute der neue Parkplatz Kreisstraße/Landsbergstraße liegt. Für Heinz Cymontkowski ein Foto mit Symbolkraft für Selm.

Der 65-jährige Selmer Künstler ist ein kritischer Zeitzeuge. Er dokumentiert die Veränderungen in seiner Heimatstadt. Und dabei hat er viel zu tun. Denn Selm verändert sich rasant. Dabei gehe, meint der Künstler, nicht selten das Typische des Stadtbildes verloren.

Stadtansichten gehen verloren

Ob Campus, Auenpark oder Lutherquartier: Die Fotos, die Cymontkowski erst vor wenigen Jahren von seiner Heimatstadt gemacht hat - manchmal auch nur vor ein paar Monaten - , wirken mitunter wie Aufnahmen aus einer komplett anderen Zeit: allesamt Stadtansichten, die es heute so nicht mehr gibt. Und an die auch bislang nichts mehr erinnert.

Das will der Abrisskalender jetzt ändern: Zwölf Kalenderblätter plus das Titelmotiv zeigen Gebäude, die inzwischen abgerissen sind. Cymontkowskis Bilder zeigen sie meistens bereits versehrt: mit eingerissenen Wänden und abgedeckten Dächern.

Manchmal ist auch der Augenblick kurz vorm Eintreffen der Abbruchbagger festgehalten: wie bei dem mehr als 100 Jahre alten Gasthof zum Jägerhof Scharmann-Albers an der Ludgeristraße, der 2016 abgerissen wurde. Oder bei der vor wenigen Wochen abgerissenen ehemaligen Hermannschule.

Zahl der Motive hätte noch größer sein können

Er habe keine Schwierigkeiten gehabt, ausreichend Motive für den Kalender zu finden, sagt der Künstler. Im Gegenteil: „Es war schwierig, eine Auswahl zu treffen“ - unter all den Abrissbildern.

Den Abriss der Josefskirche 2016, von der nur noch der Turm übrig geblieben ist, haben viele noch vor Augen. Den der Lutherschule 2018 auch. Immerhin hatten mehr als 2000 Selmerinnen und Selmer ihn mit ihrer Unterschrift verhindern wollen. An das einstige Thalia-Kino an der Ludgeristraße, das 2017 abgerissen wurde, schon deutlich weniger. Und daran, dass „Selm und Bork einmal vier Kinos hatten“, wie Cymontkowski weiß, so gut wie niemand.

Warum es kein Abreißkalender ist

Der Abrisskalender ist kein Abreißkalender. Er kann damit getrost über 2020 hinaus an der Wand hängen bleiben. Cymontkowski sagt, er habe ganz bewusst auf ein Wochentagskalendarium verzichtet. So haben die Bilder die Chance, länger das Andenken an ein vergangenes Selm zu bewahren.

Bilder von Cappenberg und Bork sucht der Betrachter im Kalender vergebens. In den beiden Ortsteilen gebe es zwar auch markante Gebäude, die abgerissen worden seien. Aber das sei ein eigenes Projekt. Der Kalender ist für 10 Euro in der Marktbuchhandlung, Willy-Brandt-Platz 3, zu erhalten.

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