Absperrung des Selmer Kreuzkamps sorgt für Ärger

"Wie auf einer Insel"

Die Bauarbeiten auf der Kreisstraße in Selm waren sowieso schon eine Zumutung für jeden, der in der Nähe zu tun hat. Jetzt kommt noch die Sperrung der Straße Am Kreuzkamp dazu. Eine Anwohnerin fühlt sich "wie auf einer Insel". Wir haben bei den Selmern nachgefragt, wie sie zur der Baustelle stehen.

Selm

, 10.08.2017, 06:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ich komme mir vor wie auf einer Insel“, sagt Sonja Surek. Dabei denkt sie weder an türkisblaues Meer, noch an weißen Sandstrand, sondern nur an eines: Unerreichbarkeit. Die Rechtsanwältin und Notarin, die ihre Kanzlei an der Kreisstraße 56 hat, ist nicht die einzige, die sich seit Montag von der Außenwelt abgeschnitten fühlt– seitdem die Stadt die Zuwegung zur Straße Am Kreuzkamp mit rotweißen Pollern abgeriegelt hat.

Links nebenan, direkt an der Ecke Kreisstraße/Beifanger Weg im Kaufhaus Berken: „Sie sehen es ja selbst“, sagt Verkäuferin Heike Kügler. „Seit Montag ist die Zahl der Kunden mit einem Schlag spürbar zurückgegangen.“

Ihre Kollegin Nadine Rudolph wundert das nicht. „Ich bin selbst Borkerin“, sagt sie. Daher wisse sie nur zu gut, welche Mühe es mache, von dem benachbarten Ortsteil nach Selm zu fahren, seitdem die Straße Am Kreuzkamp abgeriegelt ist. Viele würden da lieber nach Lünen ausweichen. „Das ist auf jeden Fall unkomplizierter“, findet auch Sonja Surek.

Wolf-Dietrich Krause, der am Beifanger Weg wohnt, fühlt sich ebenfalls „abgeriegelt und ausgegrenzt“. Bevor die Bauarbeiter im Juni die Kreisstraße aufrissen, habe die Zufahrt zur Kreisstraße in Richtung Bork zwei Minuten gedauert. „Bedingt durch die Baustelle waren es bis Montag fünf Minuten“, schreibt er auf der Facebook-Seite der Ruhr Nachrichten. Nachdem die Stadt die Poller aufgestellt hat, sei „nun eine Stadtrundfahrt erforderlich“.

Beschwerden über Lärmbelästigung

Alle – die Rechtsanwältin, die Verkäuferinnen und der Anwohner – machen klar, dass sie den Umbau der Kreisstraße, die Erneuerung der Kanalisation und die Verschönerung des Verkehrsraums, begrüßen und bereit sind, dafür Einschränkungen hinzunehmen. „Aber diese Belastungen sollten gleichmäßig verteilt werden“, meint Sonja Surek.

Dass sich die Anwohner vom Kreuzkamp über die Lärmbelästigung beschwert haben, könne sie zwar gut verstehen. Sie zu entlasten, bedeute aber, andere stärker zu belasten: etwa die Anwohner der Schulstraße und der Buddenbergstraße auf der anderen Seite der Kreisstraße, aber auch die Gewerbetreibenden auf der Kreisstraße. Und bei denen gehe es nicht nur um Lärmbelästigung und längere Wege, sondern um Umsatz und manchmal sogar um die Existenz.

Schleichwege: Zu viel Verkehr im Wohngebiet

Auch in den umgebenden Orten, die nicht unmittelbar an der gesperrten Straße liegen, zeigen sich die Folgen der Sperrng: Adolf Hermann kann nicht mehr gut schlafen. Schon morgens ab halb sechs rollt der Verkehr durch die Hagenstraße, die viele Autofahrer als Schleichweg nutzten, um die Baustelle auf kürzester Strecke zu umfahren, so die Meinung des Anwohners. Sonst seien es nur wenige Wagen gewesen, jetzt seien es ganze Kolonnen, so der 79-Jährige.

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Am Nachmittag sei es nicht besser. „Dann kommt der Rückreiseverkehr von den Arbeitsstellen hier durch“, sagt Hermann. Statt der ausgeschilderten Umleitung nutzten die Autofahrer die Abzweigung von der Buddenbergstraße, um so über Hagen- und Brückenstraße zur Kreisstraße zu kommen.

„Das ist nur Bequemlichkeit“, meint Margret Hermann. Die 79-Jährige sieht das hohe Verkehraufkommen etwas lockerer als ihr Mann, denn sie sei selbst „24 Jahre beruflich mit dem Auto unterwegs“ gewesen. Trotzdem gibt sie zu bedenken, dass Hagenstraße und Umgebung ein reines Wohngebiet sei. Zudem schließt sich direkt an der Straße Hagenplatz, die Hagen- und Buddenbergstraße miteinander verbindet, ein Spielplatz an. „Nicht auszudenken, wenn da was passiert“, sagt Hermann. Eine Lösung sieht das Ehepaar nur darin, ab dem Kreisverkehr an der B 236, von dem aus die Umleitung ausgeschildert ist, die Durchfahrt nur noch für Anlieger freizugeben.

Fertigstellung des ersten Bauabschnitts voraussichtlich Ende des Jahres

Mit dem Aufstellen von Pollern wollte die Stadt eigentlich die seit Beginn der Baumaßnahme im Juni andauernde Diskussion über die Verkehrsführung beenden. Bis vor zwei Wochen hatten sich Autofahrer trotz Verbots durch die Baustelle gemogelt, vorbei an Baugruben und Baggern, und Blechkarawanen schoben sich durch die Wohnviertel. Mit dem Schleichweg durch den Kreuzkamp ist seit Montag tatsächlich Schluss dank der Poller, mit der Diskussion allerdings nicht.

Nur wenige Bürger – „eine Handvoll oder höchsten zwei“ – hätten sich beschwert, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann. Sonja Surek ist eine von ihnen. Ändern wird sich laut Woesmann dadurch nichts bis zum Ende des ersten Bauabschnitts, als voraussichtlich bis Ende des Jahres.

Das Bild der einsamen Insel lässt der Stadtsprecher wohl nicht gelten: „Eine Einfahrt in die Baustelle aus Fahrtrichtung Bork ist zwar nicht mehr möglich. Anwohner oder Lieferverkehr können aber ihre Häuser oder Geschäfte erreichen.“ Und auch der Berken-Parkplatz am Beifanger Weg stehe weiter zur Verfügung.

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