Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Abtreibungs-Tee verabreicht? Angeklagter aus Selm steht vor Gericht

rnAmtsgericht

Ein Selmer wird beschuldigt seiner Freundin Abtreibungs-Tee verabreicht zu haben. Er musste sich am Freitag, 17. Mai, vor Gericht verantworten – trotz Gutachten gibt es offene Fragen.

von Heinrich Höckmann

Selm

, 17.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein 34-jähriger Selmer soll seiner Freundin einen Tee verabreicht haben, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. So steht es jedenfalls in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Dortmund. Am Freitag, 17. Mai, musste sich der Selmer vor dem Schöffengericht im Amtsgericht Lünen verantworten. Ein Urteil konnte allerdings noch nicht gesprochen werden - die Staatsanwaltschaft möchte zunächst weitere Zeugen befragen.

Nach einer kurzen Beziehung war die 29-jährige Freundin des Angeklagten schwanger geworden. Für sie kam eine Abtreibung nicht in Frage, schon zweimal hatte sie Fehlgeburten. Er habe das akzeptiert, sagte der Angeklagte vor Gericht. Er habe sich um die psychisch labile Freundin gekümmert. Zur angeblichen Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden gab er ihr Tee.

In einem Chat im Internet will der 34-Jährige den Hinweis auf den Tee gefunden haben, sagte er am Freitag aus. Gegen Übelkeit sollte das Gebräu helfen. In der achten Schwangerschaftswoche der 29-Jährigen kommt es schließlich es zu Komplikationen. Ihre Frauenärztin findet keinen plausiblen Grund für die Beschwerden und rät, den Tee in der Apotheke untersuchen zu lassen. Ergebnis der Untersuchung: der Tee kann Wehen auslösen. Die Freundin erstattet Anzeige gegen den Freund.

Fragen bleiben offen, Fortsetzung der Verhandlung

Vor Gericht: Ein pharmazeutisches Institut stellt in seinem Gutachten fest, dass der Tee das Kraut Beifuß enthält. Es ist krampflösend und beruhigend – aber auch Wehen fördernd. Das Gutachten stellt zwar so geringe Mengen an Beifuß fest, dass eine Wirkung ausgeschlossen wird, dennoch bleiben Fragen offen. Auch wenn der Angeklagte beteuerte, im guten Glauben gehandelt zu haben, geht es genau um diesen Punkt: Hat der Angeklagte den Tee hergestellt, um die Abtreibung herbeizuführen oder nicht?

Um der Antwort näher zu kommen, sollen in einem neuerlichen Gerichtstermin folgende Fragen geklärt werden: Warum gibt es keine Verpackung des Tees? Warum findet man den Chat im Internet nicht mehr und warum gibt es keinen Beleg für den Kauf? Die Frauenärztin, die Apothekerin und die Gutachterin sollen befragt werden.

Lesen Sie jetzt