Unkraut wächst in Garten hinein: Ärger über nicht stattfindende Grünflächenpflege in Selm

rnVerärgerte Anwohnerin

Vor drei Jahren bezog Sabine Besbes mit ihrer Familie ein Haus an der Kurzen Straße in Selm. Seitdem wurde dort laut ihrer Aussage kein einziges Mal etwas gegen wachsendes Unkraut gemacht.

Selm

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehrere Monate lang waren sie ein Ärgernis in den Augen der Anwohner des Neubaugebiets Am Klockenberg: ungepflegte Grünstreifen an Spielplätzen und zwischen den Häusern. Nach mehreren Monaten wurde das Problem nun behoben. Am Dienstag und Mittwoch, 9. und 10. Juli, waren Mitarbeiter der Stadtwerke dort, mähten die Flächen und entfernten das Unkraut.

Doch die Bewohner des Neubaugebiets sind nicht die Einzigen, die sich über die Grünflächenpflege in Selm ärgern. Eine von ihnen ist Sabine Besbes. Erst einmal sei an ihrer Straße etwas gemacht worden. „Als wir das Haus gekauft haben“, erinnert sie sich. Das war 2016. Vor einiger Zeit bekamen sie und ihre Familie Post von der Stadt, mit der Bitte, ihre Hecke an der Kurzen Straße zu schneiden.

Ein neuer Zaun statt einer geschnittenen Hecke

Anstatt die etwa 50 Meter lange Hecke immer wieder schneiden zu müssen, entschied sie sich dann für das komplette Entfernen des Grünzeugs und der Installation eines Zauns. Für die Errichtung eines solches Zauns brauchen Bürger im Normalfall keine Erlaubnis, erklärt Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm.

Nur zwei Voraussetzungen gebe es: der Zaun darf eine Höhe von zwei Metern nicht überschreiten. Und sollte im Bebauungsplan etwas anderes bezüglich des Baus eines Zauns stehen, so müsse das natürlich eingehalten werden, so Malte Woesmann.

Durch den Wechsel von einer Hecke zu einem Zaun entstand aber ein neues Problem für Sabine Besbes. Denn seitdem ist das Unkraut am Straßenrand deutlich sichtbarer und wächst in alle Richtungen - vor allem auch in ihren Garten hinein.

„Das scheint die Stadt nicht zu interessieren“

„Dass die da nichts gemacht haben, verstehe ich“, erklärt sie und zeigt auf die andere Straßenseite. Dort ist noch immer eine große Hecke. Und dort ist auch klar zu erkennen, dass es mit einer solchen Hecke nur sehr mühsam ist, das Unkraut am Boden zu entfernen.

Aber dass auch jetzt nichts an der Straße passiert, obwohl die Pflanzen einfach zu entfernen wären, ärgert die Familienmutter. „Das scheint die Stadt nicht zu interessieren“, sagt sie. Früher, als sie noch eine Hecke statt eines Zaunes besaß, habe sie auch noch an einer Ecke das Unkraut selbst entfernt. „Aber ich habe keine Zeit und keine Lust, die Arbeit von anderen Leuten zu machen.“

Auch eine E-Mail an die Stadtwerke brachte nichts

Vor einiger Zeit hatte Sabine Besbes die Stadtwerke Selm angeschrieben. Der für die Grünpflege zuständige Holger Leidorf antwortete ihr zwar noch, sich die Situation selbst angucken und dann seine Mitarbeiter vorbeischicken zu wollen, doch passiert war nichts.

Unkraut wächst in Garten hinein: Ärger über nicht stattfindende Grünflächenpflege in Selm

Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm, erklärte auf Anfrage, dass noch in dieser Woche das Unkraut entfernt werden soll. © Pascal Albert

Zwei Wochen später versuchte es Sabine Besbes mit einer weiteren Mail, doch eine Antwort erhielt sie nicht mehr. Das ist schon wieder zwei Wochen her. Da Holger Leidorf aktuell einige Tage frei hat, war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch dafür versicherte Malte Woesmann, dass der Grünschnitt noch in dieser Woche nachgeholt werden solle.

Hecken als wertvolle Lebensräume für Tiere und Insekten

Dass immer wieder Bürger ihre Hecken durch Zäune austauschen, sieht Birgit Königs vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisch. „Wir plädieren seit Jahren, Gärten naturnah zu halten“, sagt sie. Denn Hecken seien wichtige Lebensräume für kleine Tiere und Insekten. „Sie sind ökologisch höchst wertvoll“, erklärt sie.

„Tiere brauchen ja nicht nur Nahrung, sie brauchen auch einen Raum, wenn ein Räuber sie verfolgt“, so Birgit Königs. Selbst in kleinen Gärten sei es möglich, Hecken anzupflanzen. Beispielsweise eine Ligusterhecke, schlägt die NABU-Pressesprecherin und Biologin vor. „Selbst kleine Hecken sind ganz wichtig“, sagt sie. „Und schön sind sie auch noch.“

Stellungnahme der Stadt

Grundsätzlich sind für die Reinigung und Winterwartung von Gehwegen laut der gültigen Straßenreinigungs- und Gebührensatzung die Anlieger zuständig. Dies ist an der Kurzen Straße der Fall. Bei dem Streifen hinter dem Zaun der Anlieger handelt es sich gemäß § 1 Abs. 3 der Straßenreinigungs- und Gebührensatzung um ein Straßenteil, das erkennbar abgesetzt und für die Benutzung durch Fußgänger vorgesehen ist. Die wassergebundene Decke ist deutlich mit einem Rinnstein gegen die Fahrbahn abgegrenzt, so dass ein - wenn auch sehr schmaler - Gehweg vorhanden ist. Unkraut ist daher vom Anlieger zu entfernen. Nach der allgemeinen Verkehrsauffassung müssen Gehwege und Straßen durch Anlieger gereinigt werden. Ausnahmsweise wurde hier einmalig durch die Stadtwerke Selm das Unkraut entfernt. In Zukunft obliegt diese Pflicht jedoch den Anliegern, worüber sie auch schriftlich durch die Stadt Selm informiert werden.
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