Ärgern bringt nichts: 48-jähriger Cappenberger ruft auf, Ideen für den Ort zu sammeln

rnOrtsteilentwicklung

Michael Nolte (48) hat sich geärgert. Die Vorschläge des Planungsbüros zur Ortsteilentwicklung Cappenbergs gefallen ihm gar nicht. Beim Ärgern belässt es der Cappenberger aber nicht.

Cappenberg

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Nolte engagiert sich für seinen Ortsteil. „Nicht als Politiker oder Anhänger einer Partei, sondern als betroffener Bürger“, wie er betont. „Hier geht es um unsere Zukunft und die unserer Kinder“, sagt der Vater eines 17-jährigen Sohns. Dass die Stadt Selm Ideen sammle für diese Cappenberger Zukunft, findet er richtig. Die Vorschläge aber nicht.

„Leider herrschte bei vielen Teilnehmern der Bürgerversammlung im Haus Kreutzkamp zum Schluss das Gefühl, nach mittlerweile zehn Jahren Diskussion wieder einmal lediglich gut gemeinte Absichtserklärungen und wenig Greifbares und Konkretes erfahren zu haben“, sagt Nolte. Mehr noch: Er habe den „faden Eindruck“ mitgenommen, dass es eher darum gegangen sei, die Bevölkerung für kritische Bauvorhaben Einzelner zu gewinnen - etwa den Bau von Mehrfamilienhäusern im Waldstück gegenüber von Kreutzkamp - als wirklich eine spürbare Verbesserung des Ortsteils herbeizuführen. Genau das liegt Nolte aber am Herzen - nicht zum ersten Mal.

Widerstand gegen Automatenschließung war der Anfang

Der Polizeibeamte hatte sich bereits im August 2014 öffentlich zu Wort gemeldet. Damals hatte die Sparkasse angekündigt, ihre SB-Filiale in Cappenberg schließen zu wollen. „Ein Unding“, wie Nolte noch heute findet. Auch zahlreiche Nachbarinnen und Nachbarn schlossen sich seinem Protest an - am Ende erfolglos. Was bleibt ist aber das Gefühl, „dass wir uns selbst einsetzen müssen und nicht darauf warten sollten, bis andere über unseren Kopf hinweg entscheiden“.

Nolte ist aktiv geworden. Er hat Briefe an Politiker geschrieben, Gespräche geführt, eine Ortsbegehung an diesem Mittwoch organisiert und eine E-Mail-Adresse eingerichtet: 59379.cappenberg@web.de. „Jeder, der möchte, kann da seine Ideen und Vorschläge hinschicken“, sagt er. Er selbst ist bereits in Vorleistung gegangen und hat Politik und Verwaltung ein ganzes Bündel Vorschläge geschickt. Hier nur eine Auswahl.

Die ersten Vorschläge für Cappenberg

Der passionierte Fahrradfahrer wünscht sich einen Ausbau des Fahrradwegenetzes - sowohl für Touristen als auch für Cappenberger. „Hier“, Nolte steht bei der Ortsbegehung auf der Ecke Freiherr-vom-Stein-Straße/Brauereiknapp, „ist es nicht nur wenig attraktiv, sondern auch einfach gefährlich“. Er deutet auf tiefe Spurrillen und Löcher in der Fahrbahn.

Für Elektrobikes schlägt er vier kostenlose Ladestationen vor im Bereich Borker Straße und am Schlosseingang.

Den Wald gegenüber von Haus Kreutzkamp möchte er nicht für Wohnzwecke genutzt sehen. Nolte kann sich aber durchaus dort eine Nutzung vorstellen. „Ein Hochseilklettergarten wäre was“, sagt er: eine Attraktion für junge Leute. An die müsse ohnehin mehr gedacht werden, meint er. Daher könne er sich auf dem Platz unter dem Maibaum neben der Busbucht eine Skateanlage und einen Spielplatz vorstellen „oder einen Kletterparcours“.

Was Nolte ganz wichtig ist: eine Querungshilfe für den Cappenbeger Damm auf Höhe der Zufahrt zum Sportplatz. „Die würde eine sichere Querung ermöglichen und zudem das Tempo drosseln“ - und sie sei wesentlich günstiger als die diskutierten Kreisverkehrsplätze.

Wohnformen auch für ältere Leute

Den Getreideacker gegenüber der Feuerwehr kann sich auch Nolte - genauso wie die von der Stadt beauftragten Planer - gut vorstellen als Bauland. „Ich wünschte mir, dass wir dort Wohnformen für Seniorinnen und Senioren ermöglichen, sagt er. Älteren Leuten solle es möglich werden, ihr zu groß gewordenes Haus mit Garten zu verkaufen und sich an ihrem angestammten Wohnort kleiner zu setzen.

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Ortsteilentwicklung

Ideen für Cappenberg stoßen nicht auf Verständnis, sondern teilweise auf Ablehnung

38 Häuser auf dem Acker gegenüber der Feuerwehr und Bebauung, wo heute Wald steht: Solche Ideen für Cappenberg fielen bei der Bürgerversammlung am Montag durch. Eine Frage blieb offen. Von Sylvia vom Hofe

Lesen Sie jetzt