Ärztlicher Notfalldienst enttäuscht kranke Borkerin

Patientenberatung per Telefon

Es ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember. Vielerorts weckt der Weihnachtsbaum schon die Freude auf das bevorstehende Fest. Nicht so bei Angelika Röttger in Bork. Die Rentnerin plagt übles Erbrechen. Hilfe vom ärztlichen Notfalldienst? Fehlanzeige.

BORK

, 03.01.2017, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Angelika Röttger ist enttäuscht vom ärztlichen Notdienst.

Angelika Röttger ist enttäuscht vom ärztlichen Notdienst.

Die Situation ist denkbar schlecht. Angelika Röttger geht es elend. Sie muss in dieser Nacht so stark und häufig erbrechen, dass sie auf Versorgung angewiesen ist. Der Einzige der helfen kann, ist Ehemann Berthold. „Ich habe noch nie einen Menschen so viel erbrechen sehen“, sagt er. Problem nur: Berthold Röttger ist als Dialysepatient selbst pflegebedürftig und mit der Situation genauso überfordert wie seine Frau.

Sanitäter raten zum Arztbesuch

Die Quittung folgt gleich am nächsten Morgen: Der 86-Jährige muss umgehend ins Krankenhaus, sein Dialysezugang ist durch die nächtliche Hilfsaktion gerissen und er verliert Blut. Als die Sanitäter Ehefrau Angelika sehen, raten sie ihr dringend dazu, einen Arzt aufzusuchen. „Mir ging es immer noch hundsmiserabel. Doch ich konnte nicht ins Krankenhaus, weil mein Mann schon nach ein paar Stunden zurückkam und ich ihn pflegen musste“, erinnert sie sich.

Gezwungenermaßen harrt sie bis zum nächsten Morgen aus. Mittlerweile schreibt der Kalender den 24. Dezember, es ist Heiligabend. Der Zustand der an Diabetes erkrankten Frau hat sich nicht verbessert.

Jetzt klagt sie zusätzlich über niedrige Zuckerwerte und fallenden Blutdruck. „Ich wusste überhaupt nicht, ob ich spritzen sollte oder nicht, weil der Blutzucker ja eh schon im Keller war“, schildert sie die verzweifelte Situation. Ihre Tochter handelt und ruft beim ärztlichen Notfalldienst unter der Rufnummer 116 117 an. Einer Mitarbeiterin schildert sie die Beschwerden und Symptome ihrer Mutter, die den Röttgers den Rückruf eines Arztes versichert.

Nach einer Stunde klingelt schließlich das Telefon. „Der Arzt stellte sich nicht namentlich vor und seine einzige Hilfestellung war: 'Nichts spritzen, keine Blutdrucksenker nehmen, nur viel trinken'“, ärgert sich die Rentnerin, über die schlechte Beratung.

Borkerin ist enttäuscht, fühlt sich hilflos

Ihre Erwartung, dass sich jemand ihrer Situation annimmt und vor Ort nach ihr sieht, hat sich damit zerschlagen: „Es gibt nichts Schlimmeres, als sich so allein gelassen zu fühlen. Man ist hilflos. Ein paar beruhigende Worte vom Arzt hätten doch schon etwas bewirkt.“ Und sie weiß, wovon sie spricht, immerhin ist die 72-Jährige im Vorstand des Sozialverband VdK Bork. Dort steht sie selbst Menschen beratend zur Seite, gibt Tipps und hilft zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen im Bereich Behinderung.

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Auf Anfrage erklärt Vanessa Pudlo, Mitarbeiterin der Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), wie die Vermittlung über die Anrufzentrale der 116 117 abläuft: Demnach suchen die Mitarbeiter der Telefonzentrale anhand der Anrufer-Adresse Ärzte in der Umgebung. Je nachdem, ob der Patient einen Hausbesuch wünscht oder nicht, werde diese Suche eingegrenzt.

Anschließend nehme der Mitarbeiter Kontakt zum zuständigen Arzt auf. „Der Arzt ruft dann immer zuerst den Patienten an, um sich selbst ein Bild zu verschaffen“, sagt Vanessa Pudlo. So liege es auch im Ermessen des Arztes, ob ein Hausbesuch erforderlich ist, oder nicht. Den Fall von Angelika Röttger kann die Mitarbeiterin der Pressestelle nicht kommentieren, sie gibt aber zu bedenken, dass gerade an Feiertagen, wie Heiligabend und Neujahr Hochbetrieb beim ärztlichen Bereitschaftsdienst herrsche. „Der zuständige Arzt wird die Fälle abgewogen und nach Priorität entschieden haben“, vermutet Vanessa Pudlo.

Ärzte müssen sich namentlich vorstellen, Patienten sollen nachfragen

Pflicht sei es für die Bereitschaftsärzte, sich namentlich vorzustellen. Patienten sollten immer – auch, wenn der Name unverständlich war – nachfragen, wie der Arzt heißt, mit dem sie sprechen, rät die KVWL-Sprecherin.

Angelika Röttger setzt Heiligabend auf Selbsthilfe. Ihr Rezept: Banane und Cola. „Damit habe ich meinen Zucker hoch gepegelt.“ Mittlerweile geht es ihr besser. Eines bleibt trotzdem: Enttäuschung. 

Richtige Beratung bei Beschwerden
Unzufriedene Patienten können sich mit ihrem Anliegen an die Patientenberatung der Ärztekammer Westfalen-Lippe wenden.
Die Beratung kann nur individuell erfolgen.
Mitarbeiter informieren Interessierte zum Beispiel über gesetzliche Regelungen, individuelle Gesundheitsleistungen und Leistungen der Krankenkassen.
Erreichbar ist die Patientenberatung montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 11 Uhr, unter Tel. (0251) 9299000 oder im Internet unter

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