Jessica Lohmann hofft immer noch auf einen Sieg von Joe Biden. © Gabriele Protze (Bildnis)
US-Wahlen

Amerikanerin aus Cappenberg hofft auf friedliche Amtsübergabe

Jessica Lohmann wartet gespannt auf den 20. Januar. Wenn Joe Biden als neuer US-Präsident vereidigt wird, sitzt die Amerikanerin vor dem Fernseher und hofft, dass alles friedlich bleibt.

Von friedlicher Nachtruhe konnte am 6. Januar bei Jessica Lohmann keine Rede sein. Die US-Amerikanerin aus Cappenberg verfolgte die Geschehnisse in Washington, als Trump-Anhänger das Kapitol stürmten – und war nicht überrascht.

„Ich hatte meine Arbeit erledigt und dann davon gehört, was in Washington passiert. So etwas habe ich noch nie gesehen“, erzählt die Profi-Sprecherin.

Solche Bilder hatte Jessica Lohmann schon direkt im November befürchtet. „Eigentlich wusste es doch jeder, das so etwas passieren wird, nur eben nicht, wann.“ Die Amerikanerin befürchtet, dass es auch bei der Amtseinführung von Joe Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris, Probleme mit Trump-Anhängern geben wird. Dann aber hofft sie, dass die Sicherheitsbehörden entsprechend vorbereitet sein werden.

Zwei Wochen vor der Amtseinführung von Joe Biden drangen Unterstützer von US-Präsident Trump ins Kapitol in Washington ein. © dpa © dpa

Nicht so, wie am 6. Januar. „Dabei gab es so viele Ankündigungen in den sozialen Medien, man musste damit rechnen, dass etwas passieren wird.“ Sie ist sicher, dass die Rädelsführer, die auch noch Fotos ihres Überfalls auf das Kapitol in den sozialen Medien gepostet haben, dafür ins Gefängnis gehen werden.

Demokratische Senatoren aus Georgia gewählt

Froh ist Jessica Lohmann, dass sich in ihrem Heimatstaat Georgia die beiden demokratischen Bewerber um einen Sitz im Senat durchgesetzt haben. „Ich denke, dass das vor allem an den Stimmen in Atlanta lag, der Großstadt inmitten der sehr ländlichen Umgebung.“ Durch die beiden neuen demokratischen Senatoren werde es einfacher für Biden, seine Entscheidungen durchzusetzen. Denn nun haben die Demokraten eine – wenn auch knappe – Mehrheit im Senat.

Jessica Lohmann hat die beiden neuen demokratischen Senatoren auch gewählt. „Ich musste mich online melden, dann bekam ich die Formulare gemailt, habe sie ausgedruckt, ausgefüllt und per Post nach Georgia geschickt. Online bekam ich Bescheid, dass die Post angekommen ist und auch akzeptiert wurde.“

Die Amerikanerin wäre froh, wenn der 25. Zusatzartikel der US-Verfassung zum Tragen käme und Vize-Präsident Mike Pence noch vor dem 20. Januar Donald Trump im Amt ablöst. „Aber das klappt wahrscheinlich nicht, wäre aber ein Zeichen für die Welt, dass so etwas wie am 6. Januar in den USA nicht erlaubt ist.“

Pence und Cruz müssten sich verantworten

Jessica Lohmann glaubt nicht, dass Pence Trump aus dem Amt drängen wird. Dazu habe er wahrscheinlich zu viel Angst. Auch wenn der amtierende Vize-Präsident sich am 6. Januar gut verhalten habe, müsste er sich, so die Amerikanerin, eigentlich für die vergangenen fünf Jahre rechtlich verantworten. Ebenso wie der republikanische US-Senator Ted Cruz, oft als „Trumps Brandstifter im Senat“ bezeichnet.

„Ich glaube nicht, dass es demnächst zwei republikanische Parteien geben wird. Es gibt zum Glück genug vernünftige Republikaner wie beispielsweise Arnold Schwarzenegger, aber er wird sicher schwierig innerhalb dieser Partei.“ Sie rechnet mit internem Mobbing, hofft aber, dass die Vernünftigen jetzt stärker werden: „Ich denke, dass es auch viele Wähler gibt, die dafür wären.“

Trump wollte nach Schottland

Dass am 20. Januar die Amtseinführung Bidens ohne Trump stattfinden wird, sei wahrscheinlich gut, auch wenn es irgendwie peinlich sei. Eigentlich wollte der noch amtierende Präsident zum Golfspielen nach Schottland, ist dort aber wohl nicht willkommen. „Ich denke, dass das Ganze sicher ein Event werden wird, nur welches das sein wird, werden wir sehen.“ Die Anhänger Trumps werden wohl, so Jessica Lohmann, versuchen, strategisch vorzugehen, um die Amtseinführung zu stören.

Sie wünscht sich, dass die Trump-Wähler, die sich momentan auffällig still in den sozialen Medien verhalten, die Stärke besitzen, mit den Demokraten künftig zusammenzuarbeiten, um die Spaltung ihrer Heimat zu kitten.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt