Schüler und Lehrer sind am Strand oder im Freibad. Doch in den Selmer Schulen wird derzeit trotzdem hart gearbeitet. Ferienzeit ist Sanierungszeit. Überraschungen inklusive.

Selm

, 04.08.2018, 05:33 Uhr / Lesedauer: 4 min

In diesem Jahr stehen die Sanierungsarbeiten an Selmer Schulen zum Teil unter besonderen Vorzeichen. Denn in der Selmer Schullandschaft gibt es Veränderungen.

Selma-Lagerlöf-Sekundarschule/Otto-Hahn-Realschule: In einer fünften Ausbauphase zur Umsetzung der Sekundarschulform werden für das kommende Schuljahr 2018/2019 in einem maßgeblichen Teil Elektroarbeiten umgesetzt, die den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerschaft gerecht werden. Das teilt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage mit.

So werde neben der Erweiterung des Lehrernetzwerks auch das Schülernetzwerk ausgebaut: „Dauerhaft wird der Einsatz digitaler Medien erfolgen, die im Unterricht sukzessive Anwendung finden werden.“

Zudem finden Umzüge, insbesondere in der Verwaltung statt, da die Otto-Hahn-Realschule im letzten Schuljahr vor Auslaufen dieser Schulform Lehrpersonal reduziert – bei gleichzeitiger Aufstockung des Lehrpersonals an der Sekundarschule.

Schönheitsreparaturen in den Klassenräumen

In diesem Rahmen werden Verwaltungsräume und auch Klassenräume nach Auskunft von Stadtsprecher Woesmann erforderlichen Schönheitsreparaturen unterzogen: Streichen von Wänden und Decken, Heizkörpern, Überprüfung der Elektrotechnik.

Woesmann weiter: „Drei Klassenräume auf der Ostseite des Gebäudes werden mit Außenjalousien ausgestattet.“

Neuer Fachraum an der Südkirchener Straße

Weitere Projekte im Schulgebäude an der Südkirchener Straße: Es entsteht ein Fachraum für Kunst, Musik und Darstellen (KuMuDa), in dem ein bestehendes Podest teilweise rückgebaut wird. Das verbleibende Podest wird als Bühne genutzt.

Das Schild vor der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule/Otto-Hahn-Realschule.

Das Schild vor der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule/Otto-Hahn-Realschule. © Foto: Natasa Balas

Ludgerischule: Nur wenige Meter neben dem Gebäude der Sekundarschule und Realschule, nämlich in der Ludgerischule, wird die ehemalige Wohnung des Hausmeisters ausgebaut. „Im Dachgeschoss entstehen multifunktionale Räume, die zukünftig zur Betreuung und Differenzierung genutzt werden. Außerdem entsteht ein erweiterter Verwaltungsbereich“, erklärt Malte Woesmann.

In zwei bestehenden Schulräumen werden akustikverbessernde Maßnahmen durch den Einbau neuer Abhangdecken umgesetzt.

Zudem werden Parkettböden in zwei Räumen durch Schleifen und anschließendes Versiegeln neu aufbereitet.

Overbergschule: Das Konzept der Offenen Ganztagsbetreuung kommt bei den Eltern gut an. Im 2. Obergeschoss entstehen neue Räume für den Offene-Ganztagsschule-Bereich. Hausmeister Markus Riepen hat einiges zu tun: „Es sind neue Möbel angeliefert worden. Ein Raum ist komplett ausgeräumt worden.“ Der Bereich, der jetzt für die Übermittagsbetreuung genutzt wird, wurde vorher als Werkraum genutzt. Neue Möbel stehen auch in einem weiteren Raum im zweiten Obergeschoss. Er sei als „alte Küche“ bezeichnet worden. Schulpflegschaftssitzungen haben hier unter anderem stattgefunden. Plätzchenbacken vor Weihnachten auch.

Drei Räume im Erdgeschoss haben ebenfalls neue Möbel bekommen, um die Ganztagsbetreuung zu gewährleisten.

Laut Stadtsprecher Woesmann werden außerdem ebenfalls akustikverbessernde Maßnahmen umgesetzt.

Auch in den Ferien hat Markus Riepen, Hausmeister der Overbergschule, genug zu tun.

Auch in den Ferien hat Markus Riepen, Hausmeister der Overbergschule, genug zu tun. © Arndt Brede

Übliche Arbeiten

Ist das alles, wenn es um Sanierungen von Selmer schulen in den Sommerferien geht? „Im Gymnasium und allen anderen Schulen finden übliche Bauunterhaltungsarbeiten (Schönheitsreparaturen) nach Bedarf statt“, heißt es in einer E-Mail des Stadtsprechers Malte Woesmann.

Die Stadt kann als Schulträger autonom über die Sanierung der Schulen entscheiden. Seit Einführung der Bildungspauschale vor acht Jahren macht das Land keine Vorgaben mehr bei Sanierungsarbeiten. Besondere Regelungen für Bauarbeiten im sensiblen Bereich Schule gibt es in Nordrhein-Westfalen ebenfalls nicht.

Für die Sanierung und Modernisierung der Schulen stehen der Stadt Selm laut einer Liste des NRW-Schulministeriums zwischen 2017 und 2020 mehr als 6 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Ein großer Anteil stammt aus dem Förderbudget Schulinfrastruktur des Bundes, insgesamt rund 1,7 Millionen Euro, und aus der jährlichen Bildungspauschale des Landes, die 2018 knapp 600.000 Euro beträgt.

2,8 Millionen Euro für Selmer Schulen

Groß ist auch der Topf des Programms „Gute Schule 2020“ des Landes. Rund 2,8 Millionen Euro, aufgeteilt auf vier Jahre, fließen davon nach Selm. Das sind 695.000 Euro pro Jahr.

Doch abgerufen hat die Stadt davon bisher noch nichts, wie es einer Tabelle des NRW-Finanzministeriums (Stand: 31. Mai 2018) zu entnehmen ist. Nach Auskunft von Selms Bürgermeister Mario Löhr sollen die Fördermittel „zeitlich dann abgerufen werden, wenn der monetäre Bedarf bei der Stadt entsteht“.

Umsetzung in drei Stufen

Die Mittel des Förderprogramms „Gute Schule 2020“ sollen insbesondere für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur der Schulen eingesetzt werden. Ein Ingenieurbüro für Elektroplanung wurde nach Auskunft der Stadtverwaltung mit einer Umsetzung in drei Stufen beauftragt:

Stufe 1: Bestandsaufnahme der Infrastruktur der Schulen (Darstellung Ist-Zustand).

Stufe 2: Konzepterstellung zum Ausbau (Darstellung Soll-Zustand).

Stufe 3: Umsetzungsbegleitung der erforderlichen baulichen Maßnahmen.

Der Sachstand sieht laut Mario Löhr so aus:

Stufe 1: Von den Schulen wurden flankierend Medienkonzepte auf Grundlage des Medienkompetenzrahmens NRW angefordert. Über diese sollen die individuellen Ausstattungsbedarfe der Schulen abgeleitet werden. Ziel ist, Ausstattung und Pädagogik im Hinblick auf die Fragestellung „Wie sollen welche Geräte im Unterricht genutzt werden?“ aufeinander abzustimmen. Sobald diese vorliegen, erfolgt eine Abstimmung über die benötigte Ausstattung.

Stufe 2: Zur Durchführung der Stufe 2 soll das beauftragte Ingenieurbüro in den Sommerferien die Medienkonzepte der Schulen mit der Bestandsaufnahme abgleichen. Eine Abstimmung mit den Schulen ist zu Beginn des kommenden Schuljahres geplant. Die vorbereitenden Maßnahmen (Ausschreibungen/Vergabe) zur Umsetzung der Stufe 3 beginnen voraussichtlich im Spätherbst. Eine Umsetzung (Ausbau) zum Jahresende. Die Medienkonzepte der Schulen und die Bestandsaufnahme sowie die Konzepte zum Ausbau des Ingenieurbüros sollen als Grundlage für die Medienentwicklungsplanung des Schulträgers (insbesondere mit Blick auf die Ausstattung der Schulen) dienen. Zur Erstellung einer zukunftsfähigen Planung soll ein Beratungsbüro hinzugezogen werden.

Stufe 3: Hinsichtlich der Anbindung der Selmer Schulen an das Glasfasernetz/Breitband liegt den Stadtwerken seit dem 24. Mai dieses Jahres ein Bescheid des Bundes zur Erhöhung der ursprünglichen Fördersumme um rund 137.000 Euro vor. Der Bescheid des Landes zur Erhöhung um den gleichen Betrag wird erwartet. Mit dem Gesamtbetrag von rund 274.000 Euro sollen die Schulen sukzessive an das Glasfasernetz angebunden werden.

Breitbandanbindung an Bedingungen geknüpft

Die Breitbandanbindung der Schulen kann allerdings nur dann in diesem Kostenrahmen erfolgen, wenn ein Anbieter – zurzeit gibt es vier Interessenten – die geförderte gesamtstädtische Maßnahme zur Anbindung an das Glasfasernetz umsetzt. Die Anbindung der Schulen als Einzelmaßnahme(n) wäre ungleich teurer; hier würde allein die Anbindung im Campus-Bereich rund 300.000 Euro kosten. Wenn die gesamtstädtische Maßnahme wie geplant umgesetzt werden kann, würde für den Campus-Bereich ein vorgezogener Maßnahme-Beginn im Herbst in Betracht kommen.

In Sachen Schulrenovierungen braucht die Stadt Selm übrigens eine Hürde, für viele Städte gilt, nicht zu überwinden: Angesichts der starken Nachfrage nach Handwerkerleistungen sei es jetzt oft sehr schwierig, Unternehmen zu finden, die Leistungen in dem vorgesehenen Zeitraum und zu einem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis erbringen wollten, sagt Philipp Stempel, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW. In Selm übernehmen die Stadtwerke Selm das für die Stadt, berichtet Michael Gawehn von der Baunterhaltung der Stadtwerke. „Lediglich wenn krankheitsbedingt Engpässe sind, können externe Betriebe beauftragt werden.“

Flexibel reagieren

Gawehn und seine Mitarbeiter haben an den Selmer Schulen mit den geplanten Renovierungen gut zu tun. Wenn dann Überraschungen kommen, müssen sie flexibel reagieren: „In der Overbergschule hat sich in einem Klassenraum das Linoleum gehoben. Wir haben die Bahn rausgerissen.“ Das Problem: „Solch einen Linoleumboden in der Farbe gibt es nicht mehr.“ Folge: „Wir werden in den Ferien in diesem Raum den kompletten Linoleumboden rausreißen und durch Vinylplatten ersetzen.“

Michael Gawehn von der Bauunterhaltung der Stadtwerke zeigt, wo Parkett einfach mit Teppichboden beklebt wurde. Das Parkett ist nicht mehr aufzuarbeiten.

Michael Gawehn von der Bauunterhaltung der Stadtwerke zeigt, wo Parkett einfach mit Teppichboden beklebt wurde. Das Parkett ist nicht mehr aufzuarbeiten. © Arndt Brede

Nicht die einzige Grenze, auf die der Trupp manchmal stößt. Im Konrektorenzimmer der Overbergschule lag mal Parkett. Darauf sei irgendwann einmal Teppichboden aufgeklebt worden. „Das Parkett können wir nun nicht mehr aufarbeiten“, so Gawehn. Nun kommt wieder Teppichboden drauf.

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