Apotheken in Selm bieten neuen Service für Patienten im Kampf gegen gefährliche Resistenzen

rnAntibiotika-Pass

Sie können Leben retten. Doch viele Patienten entwickeln auch Resistenzen gegen sie. Werden zu viele Antibiotika eingenommen? Eine Maßnahme soll Licht ins Dunkel für Patienten bringen.

Selm

, 28.11.2019, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist die Erkrankung bakteriell bedingt? Oder viral? „Manchmal wird vorsichtshalber ein Antibiotikum verordnet“, berichtet Volker Brüning, Selmer Apotheker und Sprecher der Apothekerschaft im Nordkreis Unna. „Das führt dazu, dass viel zu viele Antibiotika genommen werden.“ Dann bestehe die Gefahr, dass der Körper Antibiotika-Resistenzen bilde. Sprich: „Es entwickeln sich Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.“ ´

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe habe nun einen so genannten Antibiotika-Pass entwickelt. Was das ist und wie er wirken kann, klären wir hier.

? Was genau ist der Antibiotika-Pass? „Das handliche Dokument passt in jedes Portemonnaie, aber hat es in sich“, so Brüning. „Wer ein Antibiotikum verordnet bekommen hat, trägt gemeinsam mit dem Apotheker die Bezeichnung, Dosierung und wichtige Hinweise zur Einnahme in den Pass ein. So hilft er, die potenziell lebenswichtigen Medikamente korrekt einzunehmen und den Überblick über die Verordnungen zu behalten.“

? Was wird genau eingetragen? Das Datum der Verordnung, den Verordnungszeitraum (drei, fünf, sieben oder mehr Tage), wann das Antibiotikum eingenommen wird (morgens, tagsüber, abends), ob es zu den Mahlzeiten eingenommen wird oder mit Wasser, welcher Wirkstoff beziehungsweise welches Medikament verordnet wurde, welche Erkrankung vorliegt, welcher Arzt es verordnet hat und ob es Unverträglichkeiten und Allergien gibt. Wer diesen Pass pflegt, kann so auch Fachärzte darüber informieren, welche Antibiotika zu welchen Gelegenheiten er bekommen hat und wie sie gewirkt haben.

Apotheken in Selm bieten neuen Service für Patienten im Kampf gegen gefährliche Resistenzen

Der Antibiotika enthält alle wichtigen Angaben zur Verordnung eines Antibiotikums. © Arndt Brede

? Wo bekomme ich den Antibiotika-Pass? Wie wichtig ist es, zu wissen, was es mit Antibiotika auf sich hat? „Gerade jetzt in der Erkältungszeit ist es wichtig darauf hinzuweisen: Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei viralen Infektionen, zum Beispiel Erkältung oder Grippe, helfen sie weder schneller gesund zu werden, noch lindern sie die Symptome“, so Brüning. Dann könnees stattdessen sinnvoll sein, andere Medikamente einzunehmen, zum Beispiel schmerz- und fiebersenkende Mittel oder Nasensprays.

? Kann ich mich dann quasi selbst behandeln? „In den Apotheken erfahren die Patientinnen und Patienten, ob sie ihre Beschwerden mit frei verkäuflichen Medikamenten selbst behandeln können“, erklärt Apotheker Brüning. Andernfalls werde der Apotheker oder die Apothekerin zu einem Arztbesuch raten. Ganz wichtig sei: „Antibiotika sollten ausschließlich nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden, und zwar so lange und in der Dosierung, wie vom Arzt vorgesehen. Dies hängt sowohl von der Art der Erkrankung als auch vom eingesetzten Antibiotikum ab.“

Apotheken in Selm bieten neuen Service für Patienten im Kampf gegen gefährliche Resistenzen

So sieht der Antibiotika-Pass für Jugendliche und Erwachsene aus. Für Kinder gibt es eine Extra-Version. © Arndt Brede

? Was ist, wenn ich noch Antibiotika von der letzten Erkrankung habe? Kann ich die wieder einnehmen? „Reste von Antibiotika sollten nicht aufgehoben oder von Patienten bei der nächsten Infektion auf eigene Faust eingenommen werden. Ebenso sollte niemals ein Antibiotikum genommen werden, das einer anderen Person verordnet wurde – auch nicht, wenn die Symptome ähnlich erscheinen“, betont Brüning.

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