Bandidos: Finnisches Urteil unterschiedlich bewertet

Prozess in Münster

Die Übersetzung des finnischen Bandidos-Urteils liegt jetzt vor. Für den Selmer Angeklagten im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster ist es wichtig, weil der Kronzeuge auch ihn bei seinen Aussagen in Finnland belastet hat. Wie genau das Urteil jedoch zu sehen ist - darüber gehen die Meinungen auseinander.

SELM/MÜNSTER

29.03.2016, 06:42 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Amphetamin-Öl – getarnt in Schnapsflaschen – sollen sie über verschiedene deutsche Flughäfen nach Tampere gebracht haben. Der frühere Präsident der Steinfurter Bandidos und der 46-jährige Selmer Rocker sollen den Schmuggel organisiert haben.

Die in Tampere angeklagten finnischen Bandidos sind in diesen Bereichen allerdings freigesprochen worden. Wegen anderer Anklagepunkte erhielten sie Strafen. Bei der Auswertung des Urteils kommen der Staatsanwalt und die Verteidiger in Münster nun zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen.

Aussagen des Kronzeugen nach finnischem Recht gewertet

Die Rechtsanwälte in Münster sehen die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen erschüttert. Der Staatsanwalt dagegen sieht sich sogar bestätigt. Denn die Richter in Tampere hätten die Aussagen des Kronzeugen nach finnischem Recht nur deshalb nicht zur Grundlage von Schuldsprüchen machen können, weil der Zeuge selbst viel zu stark belastet sei.

Seine Aussagen, so Staatsanwalt Andreas Wigger, hätten die finnischen Richter in ihrem Urteil aber als absolut glaubwürdig bezeichnet. Sie seien in Tampere auch durch Fakten bestätigt worden.

Möglicherweise sagen in Tampere verurteile Bandidos in Münster aus

So habe der Kronzeuge unter anderem von einer Zollkontrolle mit einem Drogenspürhund in Tampere berichtet. Diese Kontrolle sei im finnischen Prozess nachgewiesen worden. Dabei habe der Zollbeamte aber das Amphetamin-Öl nicht entdeckt, weil er den Inhalt der professionell verschlossenen Dreiliter-Flasche für Wodka gehalten habe.

Möglicherweise sollen einige der in Tampere verurteilten Bandidos nun als Zeugen vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts aussagen. Sollten sie tatsächlich nach Münster kommen, dürfte es spannend werden. 

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