Bandidos: Kronzeuge und Polizist waren per Du

Gerichtsprozess

Warum bietet ein Kriminalpolizist einem verurteilten Straftäter, der sich und andere schwerer Verbrechen bezichtigt, das Du an? Das wollten die Verteidiger am Dienstag im Bandidos-Prozess, bei dem auch ein Selmer angeklagt ist, von dem Beamten wissen. Er hatte den Kronzeugen etliche Male intensiv vernommen.

SELM

26.04.2016, 18:35 Uhr / Lesedauer: 1 min

Nachdem es angeblich Ärger mit den ehemaligen Rockerfreunden gegeben hatte, war der Kronzeuge mit seiner Freundin nach eigenen Angaben im Sommer 2014 nach Spanien geflohen. Von dort nahm er Kontakt zum Landeskriminalamt NRW auf, bekam 500 Euro für die Reise und kehrte nach Deutschland zurück. Am 15. Juli 2014 wurde er zum ersten Mal in Münster vernommen und dann gleich wegen eines vorliegenden Haftbefehls eingesperrt.

Von Anfang an, so der Kripobeamte, habe der Kronzeuge von umfangreichen Drogengeschäften und von den Waffen der Bandidos berichtet. Gleich am ersten Tag sei dabei von einem Selmer die Rede gewesen, der „ständig Amphetamin zu günstigen Preisen selbst herstellt“. Viel später, am 9. Oktober 2014, habe er über den Raubüberfall auf einen Südkirchener Dealer berichtet.

Keine kritische Distanz

Die Vermutung der Anwälte: Im Zuge der über Monate gehenden Vernehmungen muss es dann zu einem solch engen Vertrauensverhältnis gekommen sein, dass der Beamte keine kritische Distanz mehr zu dem Kronzeugen wahren konnte und ihm schlichtweg alles abnahm. Vor allem bezweifeln sie, dass dem Kronzeugen keine Versprechungen für weitere Aussagen gemacht worden seien, was der Polizist mehrfach ausdrücklich verneinte.

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Auch teilte er mit, dass seine Ermittlungskommission mit dem Namen „EK Stein“ schon vor dem Auftauchen des Kronzeugen Informationen über mögliche Drogengeschäfte der Bandidos gehabt hätte.

Hinweis der dänischen Polizei

So habe es einen Hinweis der dänischen Polizei über einen Drogenschmuggel der Rocker Richtung Nordeuropa gegeben. Schon dabei sei der Vorname des Selmers gefallen, der jetzt in Münster mit auf der Anklagebank sitzt. Am nächsten Freitag geht es weiter.

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