Bandidos-Prozess: Anwälte-Antrag gegen Richter

Nach Ablehnung eines Zeugen

Showdown zur Mittagszeit im Bandidos-Prozess am Landgericht Münster: Die Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern und der 3. Großen Strafkammer hat am Freitag ihren Höhepunkt erreicht. Die Verteidiger stellten Anträge gegen die Richter. Weil sie sich nicht mehr fair behandelt fühlen.

SELM/MÜNSTER

10.06.2016, 16:33 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Rechtsanwälte kündigten Ablehnungsanträge gegen die Richter an, weil sie keine faire Verhandlungsführung mehr gewährleistet sehen. Die Entscheidung darüber wird voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag in einer Woche bekannt gegeben.

Zu dem Eklat war es gekommen, als die Kammer zuvor alle Beweisanträge der Rechtsanwälte abgelehnt hatte. Insbesondere hatte es das Gericht nicht für geboten gehalten, einen neuen Zeugen vorzuladen. Dieser ehemalige enge Freund des Kronzeugen soll dessen Glaubwürdigkeit  erschüttern. Er soll aussagen, dass der Kronzeuge die den Bandidos vorgeworfenen Straftaten aus eigenem Antrieb und ohne deren Wissen verübt habe.

Dazu gehören Drogen-Importe aus Holland und Amphetamin-Schmuggel nach Finnland, die die Anklage dem Selmer Bandido anlastet. Auch soll der Kronzeuge die Geschichte vom M16-Maschinengewehr beim Selmer Rocker frei erfunden haben.

Ex-Freund des Kronzeugen hätte nicht aussagen wollen

All dies soll der Kronzeuge seinem Ex-Freund erzählt haben. Doch das reichte der Kammer nicht aus. Der neue Zeuge habe keine eigenen Kenntnisse über die Straftaten, sondern kenne sie nur vom Hörensagen. Außerdem habe er über seinen Rechtsanwalt erklären lassen, dass er vor Gericht nicht aussagen wolle, um sich nicht selbst zu belasten.

Unabhängig davon wurde bekannt, dass der Kronzeuge nach seiner Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm weitere Straftaten in Bayern begangen habe und zudem sich und seine Verlobte in einschlägigen Internetforen zur Prostitution angeboten haben soll.

Aber selbst das reichte der Strafkammer nicht aus, um den Argumenten der Verteidiger zu folgen und das  Zeugenschutzverfahren als rechtswidrig einzustufen. Auch einen Antrag der Anwälte auf Einsicht in die Zeugenschutz-Akten verwarf das Gericht, zumal das Polizeipräsidium Münster die Akten als geheim einstuft und nicht freigibt.

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