Bandidos-Prozess: Ist der Kronzeuge glaubwürdig?

Prozess am Landgericht

Wie glaubwürdig ist der Kronzeuge im Bandidos-Prozess? Das ist die wesentliche Frage gewesen am aktuellen Verhandlungstag am Landgericht in Münster. Und es ist auch der Grund gewesen, warum ein Dutzend Rechtsanwälte am Richtertisch stand und auf Google Earth starrte.

MÜNSTER/SELM

22.03.2016, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos", hier auf einem Archivbild in Bottrop.

Mitglieder des Motorradclubs "Bandidos", hier auf einem Archivbild in Bottrop.

Die Rechtsanwälte standen vor einem Laptop und versuchten, per Google Earth einen von über 100 Schießständen bei Albuquerque in New Mexico zu lokalisieren. Mit dieser Aktion sollte die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen im Bandidos-Prozess erschüttert werden.

Denn der Kronzeuge will bei einem USA-Urlaub mit einem M16-Maschinengewehr auf einer Shooting Range geschossen und genau so ein MG später bei dem Selmer Rocker an der Lüdinghauser Straße gesehen haben.

Er kann sich aber weder an das Jahr noch an die Dauer oder die Kosten des Urlaubs erinnern. Das ist den Verteidigern alles viel zu vage. Sie glauben, dass der Zeuge die Geschichte erfunden habe und eine solche Kriegswaffe gar nicht erkennen könne.

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Ist Amphetamin-Öl klar wie Wodka oder nicht?

Ähnlich verhält es sich mit den Aussagen des Kronzeugen zum Amphetamin-Schmuggel. Zweimal habe er von dem Selmer Bandido den Auftrag bekommen, Amphetamin-Öl in Enschede abzuholen. Die erste Tour habe er verschlafen, über die zweite wisse er nicht mehr genau Bescheid.

Konkreter sind seine Angaben über seine Flüge nach Finnland. Im Auftrag des Selmer Rockers und des Steinfurter Bandidos-Präsidenten habe er mehrfach Amphetamin-Öl in Drei-Liter-Wodkaflaschen ins finnische Tampere gebracht.

Der Inhalt der Flaschen sei klar wie Wodka oder Wasser gewesen. Deshalb sei er sauer gewesen, als er das Öl einmal in einer großen Weinbrand-Flasche bekommen habe. Weil das wegen der Farbe eine erhebliche Entdeckungsgefahr beim Zoll in Tampere bedeutete.

Um diese Aussagen in Zweifel zu ziehen, verwies einer der Rechtsanwälte auf eine Mitteilung des Landeskriminalamtes. Demnach sei Amphetamin-Öl zähflüssig und leicht gelblich.

Verlobte: Mann kam mit viel Geld aus Finnland zurück

Die Verlobte des Kronzeugen bestätigte in der Verhandlung dessen Flüge nach Finnland. Die junge Frau lebte eine Weile in der Bandidos-Szene und arbeitete als Prostituierte in einem Bordell, das einem der niederländischen Mitangeklagten gehörte. Sie ist jetzt auch im Zeugenschutzprogramm.

Immer wenn ihr Freund aus Finnland zurückkehrte, so die Frau, habe er eine Menge Geld dabei gehabt, das er zum Teil beim Präsidenten der Bandidos abgeliefert habe.

Der Prozess wird nach den Osterferien am 5. April fortgesetzt. 

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