Bandidos-Prozess: Selmer hat vier Verteidiger

Landgericht Münster

Das erste Urteil im großen Bandidos-Prozess am Landgericht Münster steht kurz bevor. Am Dienstag trennte die 3. Große Strafkammer das Verfahren gegen einen der Beschuldigten ab - einen 45-Jährigen. Unterdessen hatte sich die Staatsanwaltschaft darüber beschwert, dass der Selmer Angeklagte vier Verteidiger hat.

SELM / MÜNSTER

26.01.2016, 17:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das abgetrennte Verfahren betrifft aber einen 45-Jährigen. Er ist nicht Mitglied des Rockerclubs und sitzt als einziger der sieben Angeklagten nicht in U-Haft. Er hatte Marihuana in größeren Mengen und Amphetamin-Öl von den Bandidos erworben. Außerdem fand die Polizei bei ihm rund 100 Gramm Kokain, das zum Eigenbedarf bestimmt war.

Das Marihuana hatte er in verschiedenen Lieferungen im Frühjahr 2015 von einem mitangeklagten holländischen Bandido erworben und an einen Kunden in Porta Westfalica weiter verkauft. Insgesamt waren es rund zehn Kilogramm, die der Niederländer immer von Landsleuten besorgte. Ein 51-jähriger Mitangeklagter aus Rheine fungierte als Kurier für die Drogen und das Geld.

Aus Versehen "weiße Schmiere" hergestellt

Auf dem gleichen Vertriebsweg erhielt der 45-Jährige auch 150 Milliliter Amphetamin-Öl. Das kam allerdings nicht aus Holland, sondern von dem Bandido aus Selm. Das Öl wollte der 45-Jährige nach Tipps des Holländers mit Batteriesäure aus dem Baumarkt zu fertigem Amphetamin verarbeiten. Das misslang aber gründlich. Die dabei gewonnene „weiße Schmiere“, so der Angeklagte, sei ungenießbar gewesen. 

All diese Drogengeschäfte räumte der 45-Jährige ein. Das wertete der Staatsanwalt in seinem Plädoyer zu Gunsten des Beschuldigten. Gegen ihn sprachen allerdings einschlägige Vorstrafen wegen Rauschgifthandels. Am Ende forderte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren.

Damit war der Verteidiger nicht einverstanden. Zwei Jahre und zehn Monate sollten das Maximum sein. „Mein Mandant war nur der Taxifahrer“, sagte der Anwalt und meinte damit, er habe die Drogen nur hin und her gebracht. Dieser Version hatte der Staatsanwalt schon vorher widersprochen. Der 45-Jährige habe aktiv in einem Bordell eines Bandidos nach Rauschgiftlieferanten gesucht und dort den Holländer kennen gelernt. Das Urteil soll am kommenden Freitag verkündet werden.   

Selmer Bandido behält seine vier Verteidiger

Der 51-jährige Drogenkurier aus Rheine hatte vor einer Woche einen Herzanfall erlitten, weshalb das Gericht die Verhandlung unterbrechen musste. Ähnlich wäre es, wenn ein Angeklagter plötzlich ohne Verteidiger dastehen sollte. Vor dem Landgericht ist ein Rechtsbeistand vorgeschrieben. Aus diesem Grund haben die sieben Beschuldigten im laufenden Verfahren  alle mindestens zwei Rechtsanwälte.

Der 46-jährige Selmer Bandido ist sogar mit vier Anwälten, zwei Pflicht- und zwei Wahlverteidigern, in den Prozess gestartet. Das hielt der Staatsanwalt für übertrieben und  beantragte deshalb zunächst die Entpflichtung einer Pflichtverteidigerin. Dann stellte sich aber heraus, dass zwei der Anwälte kaum oder gar nicht an den Verhandlungen teilnehmen werden. Deshalb blieb die Pflichtverteidigerin dabei.

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