Bankkunden nach Pin-Eingabe weggeschubst: Masche funktioniert nicht überall

rnKriminalität

In Kamen schubste ein Räuber Bankkunden weg, nachdem sie ihre Pin eingegeben hatten und hob dann einen hohen Geldbetrag ab. In Selm hätte die Masche nicht bei allen Banken den gleichen Erfolg.

Selm

, 18.11.2020, 20:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Masche des Räubers ist ziemlich dreist: Er stellt sich in die Nähe einer Person, die gerade Geld abheben möchte, wartet bis diese ihren Pin eingegeben hat und schubst die Person dann brutal zur Seite.

Anschließend gibt er schnell einen hohen Geldbetrag ein, hebt diesen ab und verschwindet mit seiner Beute. So geschehen ist es in der vergangenen Woche in einer Volksbank-Filiale in Kamen. Einer Seniorin wurden so 1000 Euro geraubt, in einem weiteren Fall hob der Täter sogar zweimal Geld mit der Karte eines Kunden ab und erbeutete so 2000 Euro. Ob es sich um den selben Täter handelt, ist allerdings noch unklar.

„Wir haben immer wieder im Kreis vereinzelte Fälle“, erklärt Christian Stein, Pressesprecher bei der Polizei im Kreis Unna. Zum Beispiel habe es erst im Oktober so einen Fall in Werne gegeben. Die Masche sei „aber kein großes und kein neues Phänomen im Kreis Unna“, sagt Stein.

Diebstahl oder Raub?

„Es ist aber nicht immer so drastisch wie bei dem Fall in Kamen, sondern es passiert gerne auch durch Ablenkung“, so der Polizeisprecher. So würde eine oder würden mehrere Personen den Bankkunden oder die Bankkundin in ein Gespräch verwickeln und dann unbemerkt Geld an sich nehmen. Manchmal sogar so geschickt, dass der Kunde es im ersten Moment nicht mal merke.

Zahlen dazu gebe es allerdings nicht, da nicht die Art der Gelderbeutung, also zum Beispiel das Wegschubsen von Bankkunden am Automaten, gezählt wird, sondern nur, ob es sich um einen Raub oder einen Diebstahl handele. Das Schubsen falle da durchaus in den Bereich des Raubes, da dabei Geld durch Gewalteinwirkung erbeutet würde, so Stein, während das Ablenken als Betrugsmasche in den Bereich Diebstahl zählt.

Kein Fall in jüngerer Vergangenheit in Selm

Gab es vergleichbare Fälle auch schon in Selm und gibt es spezielle Sicherheitsvorkehrungen, die die Banken für solche Fälle getroffen haben? „Die Betrugsmasche ist uns bekannt. Vergleichbare Fälle hat es aber in der jüngsten Vergangenheit in Selm nicht gegeben“, erklärt Nils Klausen, Sprecher bei der Sparkasse Altlünen. Hier hatte die Masche auch bereits Folgen: „Aufgrund der bekannten Vorgehensweise wurde bereits vor einiger Zeit der Ablauf der Bargeldauszahlung an unseren Geldautomaten angepasst“, erklärt Klausen, „der Kunde wählt erst einen Betrag aus und bestätigt die Auszahlung dann durch die Eingabe der PIN.“

Das heißt: Es wäre nach wie vor möglich, einen Bankkunden zu bestehlen, aber eben nur um den Betrag, den er oder sie selbst abgehoben hat - und das sind wohl selten 1000 Euro.

Sich nicht ansprechen lassen

Martin Potschadel aus dem Vorstand der Volksbank Selm-Bork bittet um Verständnis, dass er diese Fragen nicht beantworten werde, „zum Schutz unserer Kunden und zur Vermeidung von Nachahmertaten“.

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, hat Polizeisprecher Christian Stein einen einfachen Tipp: „Man sollte sich an zwei Orten nicht in ein Gespräch verwickeln lassen: am Herren-Pissoir und am Bank-Automaten“, sagt Stein. Wenn jemand am Bankautomaten plötzlich übers Wetter plauschen will, dann sollten immer die Alarm-Glocken angehen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt