Darum hat die Getreideernte 2019 deutlich früher begonnen

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Die Wintergerste ist weitestgehend abgeerntet, der Ertrag sei „überraschenderweise“ noch recht gut, sagt der Sprecher des landwirtschaftlichen Ortsverbands. Beim Mais droht die Katastrophe.

Olfen, Selm, Nordkirchen

, 06.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die erste Frucht des Jahres, die geerntet wird, ist die Wintergerste. „Die ist schon so gut wie weg“, sagt Bernhard Brüse. „Wir ernten seit Dienstag vergangener Woche“, sagt der Ortsverbandsvorsitzende der Olfener Landwirte. Damit hat die Ernte deutlich früher begonnen als sonst. „Aber eigentlich genauso wie im Jahr 2018“, erklärt Brüse. „Das liegt an der Trockenheit.“

Auch in Selm wird jetzt am Wochenende wohl die letzte Gerste gedroschen, schätzt Friedhelm May, Sprecher des landwirtschaftlichen Ortsvereins Selm. Mit Blick auf seinen eigenen Ertrag erklärt er erstaunt: „Die Wintergerste ist mit der Trockenheit gut zurecht gekommen.“ Auch Brüse ist mit den „sehr guten Erträgen“ sehr zufrieden, und auch die Erntebedingungen sind durch die Trockenheit ausgesprochen gut.

Gerste konnte gut abreifen

Zwar haben die Gerstenpflanzen nach der Trockenheit im vergangenen Jahr zu wenig Wasser bekommen, doch die relativ bedeckten und kühlen Tage des Frühjahrs halfen der Gerste dabei, noch einigermaßen zurecht zu kommen.

Als nächstes müssen Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, sowie

der klassische Weizen vom Feld geholt werden.

„Und irgendwo dazwischen siedelt sich dann auch der Roggen noch an“, sagt May. Alle drei Getreidesorten sind deutlich stärker vom Wassermangel betroffen, und sie waren in der vergangenen Woche auch noch den Hitzetagen ausgesetzt. „Durch diese Hitze sind die Pflanzen mächtig zusammengebrochen“, sagt Brüse.

Ertrag wird einbrechen

May ist sich sicher, dass die Erträge, die die Landwirte in diesem Jahr bei den drei Getreidesorten haben werden, deutlich niedriger ausfallen werden als in den Vorjahren. „Die Erträge werden einbrechen“, sagt May. „Triticale geht so gerade noch, aber der Weizen ist viel zu schnell abgereift.“ Auch Brüse spricht von „Trocken-“ und Hitzeschäden“ in den Feldern.

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Der Hintergedanken bei der Kreuzung Triticale war aber auch der, dass man die Anspruchslosigkeit des Roggens mit der Qualität des Weizens verbinden wollte. Durch den Wassermangel jetzt bleiben die Körner des klassischen Weizens kleiner, und kleinere Körner bringen weniger Gewicht auf die Waage und somit weniger Ertrag. „Eigentlich bräuchten wir Regen, aber für das Korn ist es eigentlich zu spät“, sagt Brüse.

Mais wird in der Region zum Problem

Wenn es nicht innerhalb der nächsten Woche einen kräftigen Landregen geben wird, sehen er und May vor allem für den Mais besonders schwarz. „Das wird eine Katastrophe“, sagt May - und meint es genau so. Denn wenn die Pflanzen nicht bald Wasser bekommen, bilden sie keine Kolben und damit keinen Mais - und dann ist die Pflanze selbst nicht mehr viel wert. „Die Maisernte war im vergangenen Jahr schon sehr schlecht“, erklärt May. „Und das ist ein riesiges Problem hier in der Region mit den ganzen Biogas-Anlagen. Letztes Jahr konnten wir noch untereinander tauschen, aber dass wird dieses Jahr nicht noch einmal gehen.

Regen ist dringend nötig

Benötigt wird daher ein richtiger Landregen. „20 bis 30 Liter pro Quadratmeter“, sagt May. Und das am besten nicht am Stück, sondern nach und nach immer wieder, sagt Brüse. „Beim Getreide kommen wir noch mit einem blauen Auge davon“, sagt May, „aber beim Mais wird es sonst echt schwierig.“

Auf künstlichem Weg zu bewässern ist schlicht und einfach nicht leistbar. „Man bräuchte beträchtliche Mengen an Grundwasser, das hat hier in der Region niemand“, weiß der Sprecher der Selmer Landwirte.

Und wollte man aus Flüssen oder dem Kanal Wasser zur Bewässerung ziehen, bräuchte man dafür eine Genehmigung. „Das ist alles nicht praktikabel“, sagt May daher. Er selbst ernährt mit dem Getreideanbau seine Schweine. Der Ackerbau auf seinem Hof ist Futterproduktion. „Bislang ging das auch aus.“

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