Baustellen-Touristen im Auenpark: Hat die Stadt die Baustelle gut genug gesichert?

rnAuenpark Selm

Müsste die Auenparkbaustelle nicht besser abgesichert sein? So, dass Autos, Mopeds und Radfahrer nicht so einfach auf Entdeckungstour gehen können? Die Stadt hat Konsequenzen gezogen.

Selm

, 14.05.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spaziergänger sieht man am Wochenende von der Münsterlandstraße öfter vom Rodelhügel auf die Auenpark-Baustelle hinabschauen. Auch Radfahrer, Mopeds und Autos wurden schon gesichtet: Das werde alles schon gut genutzt, kommentierte im Zuge unserer Berichterstattung vor ein paar Wochen eine Facebook-Nutzerin deutlich ironisch.

Die Stadt als Bauherrin der Baustelle wies, damals von der Redaktion auf die Fälle angesprochen, darauf hin, „dass ein Betreten oder Befahren des Hügels während der laufenden Bauarbeiten in keinster Weise gestattet ist. Vor einem Betreten oder Befahren des Hügels mit motorisierten Fahrzeugen oder auch Fahrrädern wird dringend gewarnt.“ Aber: Reicht ein solcher Hinweis? Ist die Stadt nicht verpflichtet, noch in deutlicherer Form auf das Gebot „Betreten verboten“ hinzuweisen?

Leser: Kein Verbotsschild, keine Absperrung

Unser Leser Ludger Jäger meint: Ja! In einem Leserbrief, den er uns zum dem Artikel zu den Autos auf dem Rodelhügel hat zu kommen lassen, schreibt er: „Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass auch ich schon mit dem Fahrrad durch den Auenpark Selmer Bach gefahren bin, um mir einen Eindruck über den Baufortschritt zu verschaffen. An einem Wochenende bin ich von der Münsterlandstraße aus auf das Gelände gefahren.“ Es gab kein Verbotsschild, beschreibt der Selmer die Lage. Und keine Absperrung.

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„Als Bauherr hat die Stadt im Rahmen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht dafür sorgen, dass von ihrer Baustelle keine Gefahren ausgehen, die andere in Mitleidenschaft ziehen könnten“, erklärt er in dem Leserbrief und verweist auf die Baustellenverordnung.

Selmer mit Entdeckungstrieb und Kinder mit Abenteuerlust

„Eine Baustelle muss so abgesichert sein, dass diese von Kindern in ihrer Abenteuerlust nicht ohne weiteres betreten werden kann. Prinzipiell ist der Bauherr für seine Baustelle verantwortlich. Hat der Bauherr diese Aufgabe an den bauausführenden Betrieb delegiert, hat er im Zweifelsfall immer noch eine Aufsichtspflicht bezüglich der Wahrnehmung dieser Aufgabe. Da reicht es nicht, davor zu warnen mit dem Auto oder dem Fahrrad den Rodelhügel zu befahren. Damit ist die Stadt aufgrund ihrer Aufsichtspflicht im Falle eines Unfalls nicht aus der Verantwortung“, erklärt Ludger Jäger.

Baustellen-Touristen im Auenpark: Hat die Stadt die Baustelle gut genug gesichert?

Der Rodelhügel in Selm ist - trotz der laufenden Baustelle - schon Ziel für einige Spaziergänger, Fahrradfahrer oder sogar Autofahrer gewesen. Die Stadt warnt allerdings vor solchen Aktionen. © Rottmann

Stadt: „Entsprechend der gültigen Vorschriften“

Die Stadt hat derweil auf die Berichte von den Ausflüglern in den Auenpark reagiert. Zwar sei es weiterhin so, dass die Baustelleneinfahrt nicht abgesperrt sei. Aber: „Nachträglich sind ,Durchfahrt verboten Schilder – Baustellenverkehr frei‘ also auch zusätzliche Baustellenschilder angeordnet worden. Die Gefahrenstellen im Kanal- und Brückenbau sind entsprechend den gültigen Vorschriften mit Zäunen abgesichert“, so Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage der Redaktion.

Auf die Frage, ob die Absicherung der Verkehrssicherungspflicht entspricht, erklärt er: „Die Baustellenabsicherung an der Münsterlandstraße ist gemäß der verkehrsrechtlichen Anordnung aufgebaut.“

Fahrzeughalter soll ermittelt werden

Eine komplette Absperrung der Baustelle, die es Autos und Mopeds unmöglich machte, etwa den Rodelhügel zu erklimmen, sei aber nicht möglich - wegen der Größe der Baustelle und der örtlichen Gegebenheiten sei das nicht zu überwachen und vorzuhalten, so der Stadtsprecher.

Aus den Beobachtungen der Autos auf dem Hügel will die Bauherrin aber weitere Konsequenzen ziehen. „Die Stadt versucht, die entsprechenden Fahrzeughalter zu ermitteln und wird gegebenenfalls gegen diese vorgehen, sofern Beschädigungen festgestellt werden.“

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