Begegnung mit Folgen: Auf der Borker Straße gibt der Klügere besser nach

rnSchmale Straße

Abstand halten. Das schützt nicht nur Menschen vor der Ansteckung mit Corona, sondern auch Autos auf der Borker Straße vor dem Verlust des Außenspiegels. Das soll auch so bleiben.

Cappenberg

, 12.11.2020, 08:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) ist Lesestoff für Spezialisten, für Straßenbauer und Verkehrsrechtler. Darin lässt sich nachlesen, dass Hauptverkehrsstraßen im Regelfall mindestens 5,50 bis 7,50 Meter breit sein sollen. Was die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Köln herausgegeben hat, ist kein Gesetz, sondern nur eine Empfehlung. Und die deckt sich nicht immer mit der Realität. Das wissen nicht nur Spezialisten, sondern alle, die schon einmal die Borker Straße In Cappenberg entlang gefahren sind.

Landschaftlich die Wucht: durch Wald und Geschichte

Landschaftlich ist die Straße die Wucht. Los geht es am Haus Kreutzkamp, wo das berühmte Cappenberger Tröpfchen zum ersten Mal gebrannt wurde. Weiter führt die Verbindung von Cappenberg nach Bork vorbei an den mehr als 100 Jahre alten Villen der Bergbaubosse. Später öffnet sich die Landschaft und gibt links den Blick frei auf den ältesten Hof der ganzen Region: den 1122 erstmals erwähnten Hof Schulze Altcappenberg. Dazwischen: Wald - und die eine oder andere Engstelle, die mitunter nur 5,20 Meter misst.

„Da wird es mitunter eng“, räumt Jürgen Busch ein. Der Sachgebietsleiter Tiefbau und Unterhaltung beim Kreis Unna weiß um die Probleme - insbesondere, wenn sich zwei große Fahrzeuge begegnen.

Zwei Verwarngelder: Bus und LKW berührten sich

So wie am Dienstagmorgen (10.11.). Ein Bus und ein LKW kamen sich zu nahe. Die Folge: Verwarngelder der Polizei, Schäden am Außenspiegel und Verspätungen. Und eine Lehre, die zu beherzigen auch Jürgen Busch empfiehlt: „Dann sollte man mal besser warten.“ Das ist nicht nur ein Erfahrungswert und ein Gebot der Vernunft. Auch die Straßenverkehrsordnung sieht das so vor.

Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert danach „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“. Paragraf 6 macht das am Beispiel des Vorbeifahrens konkret: „Wer an einer Fahrbahnverengung, einem Hindernis auf der Fahrbahn oder einem haltenden Fahrzeug links vorbeifahren will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen.“ Dass die Realität im Berufsverkehr oft anders aussieht, wissen Pendler und Anwohner der Borker Straße. Manche setzen ihre Hoffnung auf die Sanierung der Straße - zu Unrecht.

Verbreiterung würde eine Million Euro mehr kosten

„Wir werden bei der Sanierung die Straße nicht verbreitern“, macht Jürgen Busch klar. Eine Ausweitung von den bisherigen 5,20 bis 5,50 Metern auf 6,50 Meter käme vom Aufwand einem Neubau gleich. „Das würde etwa eine Million Euro zusätzlich kosten.“ Zurzeit geht Busch von rund 500.000 Euro für das 1,7 Kilometer lange Straßenstück aus. Nicht nur die Baumaßnahme würde deutlich umfangreicher ausfallen. Der Kreis müsste auch noch Wald- und Flurflächen kaufen, um dort bauen zu können. „Das ist nicht vorgesehen.“

Dass eine Sanierung nötig ist, können Laien leicht erkennen: Schlaglöcher, Unebenheiten, Rillen Abplatzungen. Busch verlässt sich allerdings nicht auf das bloße Auge. Alle vier Jahre lässt er das gesamte Kreisstraßennetz systematisch erfassen.

Sanierung der Borker Straße erfolgt 2022

Ein Spezialfahrzeug fährt die Straßen ab und misst mit Ultraschall und Radiowellen die Beschaffenheit des Untergrundes. Die Ergebnisse der Befahrung von 2016 hatten dafür gesorgt, dass Busch die Sanierung der Borker Straße für 2022 vorsah. Im März 2020 gab es eine erneute Befahrung. „Die hat aber nichts an Terminierung geändert“, sagt Busch.

Es bleibt bei 2022. Die Straßenbauer würden dann nicht nur eine neue Decke aufziehen. „Wir wollen werthaltig sanieren“, sagt der Straßenbauexperte des Kreises Unna. Sowohl Trag- als auch Deckschicht würden erneuert. Der Radweg wird nicht erneuert. Der sei erst 2010 fertig geworden und noch intakt.

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