Die Wassermassen schütteten am Sonntag, 9. August, nur so nieder. Viele Keller liefen in Selm voll. In einer Siedlung haben Betroffene ausgemacht, woran das Ausmaß gelegen haben könnte.

Selm

, 23.08.2020, 20:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Starkregen vom 9. August hat viele Selmer Keller voll laufen lassen. Auch in der Siedlung direkt gegenüber der neuen Bebauung mit Burger King, HEM-Tankstelle und Co an der Kreisstraße. Gibt es zwischen der Versiegelung durch die Bebauung auf der ehemaligen Feuchtwiese und den voll gelaufenen Kellern einen Zusammenhang? Eine Familie, Anwohner des Waldweges, einer Straße mitten im betroffenen Wohngebiet, vermutet genau den.

Den Sonntag, 9. August, wird die Familie nie vergessen. „Wir waren an dem Tag in Bochum, da war wenig von Starkregen zu spüren“, sagt die Selmerin, die ihren Namen und den ihres Mannes nicht öffentlich nennen möchte. Als sie und ihr Mann jedoch abends zurück nach Selm gekommen seien, hätten sie, zuhause angekommen, ihren Augen nicht getraut. Das Wasser habe im Keller gestanden. „Wir haben einen Schaden in fünfstelliger Höhe erlitten“, ergänzt ihr Ehemann.

Bei den Hauseigentümern im Waldweg ist während des Starkregens am 9. August der Keller vollgelaufen.

Bei den Hauseigentümern im Waldweg ist während des Starkregens am 9. August der Keller vollgelaufen. © privat

Die Versicherung werde den Schaden wohl übernehmen, so lassen es die Eheleute durchblicken. „Aber im Keller sind zum Beispiel die Holzvertäfelungen feucht, hoffentlich werden die wieder trocken“, berichtet seine Frau. „Seit Tagen entfeuchten Geräte die Räume. Das ist alles nicht schön.“

Anwohner: Riesige Fläche verdichtet

Das Ehepaar ist nach eigenen Angaben vor drei Jahren in das Haus im Waldweg gezogen. Damals sei die jetzige bebaute Fläche am vierten Arm des Kreisverkehrs B 235/Zeche-Hermann-Wall „reines Sumpfgebiet“ gewesen, welches das Regenwasser an der Stelle habe versickern lassen. „Jetzt ist diese riesige Fläche verdichtet und führt über Kanäle auch in das Abwassersystem ab, an dem wir angeschlossen sind, sprich: die Menge kommt jetzt noch dazu“, erklärt der Selmer. „Ist das alles nur Zufall?“, fragt er. „Kaum ist die Fläche am Kreisel Kreisstraße gegenüber der Straße Im Grünen Winkel bautechnisch verdichtet, da saufen beim ersten Starkregen zig Keller allein bei uns im Waldweg ab.“ Er und seine Frau fragen sich: Bedeutet das für die Zukunft, dass sie bei Starkregen jetzt immer mit derlei Auswirkungen rechnen müssen?

Wir haben die Stadt Selm um Stellungnahme gebeten. Stadtsprecher Malte Woesmann antwortet auf die Frage der Redaktion „Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bebauung auf der Fläche mit HEM, Burger King etc. und dem Volllaufen der Kanäle in der Siedlung gegenüber (Waldweg etc.)?“ so: „Nein. Das Niederschlagswasser des neuen Gewerbegebietes wird über das Regenrückhaltebecken direkt in Gewässer geleitet. Die Kanalisation des Grünen Winkels ist nicht betroffen.“

Wie war eigentlich die Situation in den jetzt betroffenen Straßen nach Starkregen, als am Kreisel noch Feuchtwiese war? Malte Woesmann dazu: „Anfang der 2000er Jahre gab es ein ähnliches Starkregenereignis mit dem gleichen Ergebnis.“

Heißt im Umkehrschluss: Es hat sich auch durch die Bebauung des neuen Gewerbegebietes nichts geändert. Gibt es denn eine Pumpe, die Wasser vom Kreisverkehr wegführt? Wenn ja, ist sie ausreichend konzipiert? Die Antwort des Stadtsprechers liest sich so: „Am Kreisverkehr existiert nur eine Pumpe für Schmutzwasser und nicht für angefallenes Niederschlagswasser. Eine andere Pumpe sitzt am Ende der Erschließung und entwässert direkt in das Regenrückhaltebecken und ist somit von der Siedlung entkoppelt.“

Stellt sich die Frage, ob die Anwohner jetzt bei Starkregen immer mit den vom Selmer Ehepaar geschilderten Folgen leben müssen. „Nein“, sagt Woesmann. „Wenn die Rückschlagsklappen und die sonstigen Regeneinläufe korrekt eingebaut und gewartet sind, ist ein Rückstau grundsätzlich ausgeschlossen.“ Der Selmer Hauseigentümer hat, was diesen Punkt betrifft, seine eigene Meinung. Eine ganz andere: „Die Stadt kann es sich einfach machen und auf Rücklauf-Sperren verweisen. Aber selbst diese haben beim ersten Starkregen am Sonntag, 9. August, bei einigen Nachbarn nichts gebracht. Ist ja auch klar - ist der Kanal voll, wo soll denn auch das Wasser von den Dächern aus den Regenrinnen hin?“

Stadt: Gewerbegebiet hat keine Auswirkungen

Zusätzliche Maßnahmen der Stadt im Bereich der neuen Bebauung, um bei Starkregen vollgelaufene Keller in der Siedlung gegenüber zu verhindern beziehungsweise deren Gefahr zu minimieren, seien nicht notwendig gewesen, erklärt Malte Woesmann auf Nachfrage der Redaktion, „da das Regenrückhaltebecken vorhanden ist“. Das neue Gewerbegebiet habe keine Auswirkungen auf die Entwässerung der gegenüberliegenden Straßen.

„Wir sind vor drei Jahren mit viel Freude hier her gezogen aber mit solchen Zukunftsaussichten haben wir natürlich Angst um den Wert unserer Immobilie“, sagt der Selmer Hauseigentümer. Er und seine Frau ziehen in Betracht, das Haus zu verkaufen.

Die Wolkenbilder am 9. August über Selm ließen erahnen, welches Unwetter niederprasseln würde.

Die Wolkenbilder am 9. August über Selm ließen erahnen, welches Unwetter niederprasseln würde. © Arndt Brede

Das Unwetter am 9. August hatte die Selmer Feuerwehr in Atem gehalten. Allein in Selm gab es 110 Einsätze wegen des Unwetters. Die Selmer Kräfte bekamen Unterstützung von Feuerwehren aus den Nachbarorten.

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