Benzingeruch aus der Kanalisation in Beifang: Wie gefährlich war der Gestank in Selm?

rnFeuerwehr Selm

Nach Glühwein und Tannennadeln duftet es seit Donnerstag in der Altstadt. In Beifang hat sich dagegen am Freitag der Geruch von Benzin breit gemacht: Anlass für einen Feuerwehreinsatz.

Selm

, 23.11.2019, 21:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anwohner der Langen Straße hat die Nase voll, als er am Freitag die Feuerwehr anruft. Und das, was er riecht, macht ihm Sorgen: Benzingestank - aus der Kanalisation.

Keine Sinnestäuschung, wie die Feuerwehrleute wenig später vor Ort bestätigen. Tatsächlich riecht es auf der Wohnstraße wie auf einer Tankstelle. Eine langwierige Suche beginnt - immer der Nase nach: die Lange Straße hinab bis zur Einmündung Schulstraße. Und von dort weiter die Schulstraße hinab.

Die Spur zog sich bis zur Schulstraße

„Dort“, sagt Einsatzleiter Markus Groppe einen Tag später, sei der Geruch intensiver gewesen als an der Langen Straße. Tatsächlich zeigen Messungen in den freigelegten Kanalschächten auch einen erhöhten Benzolgehalt. Die Konzentration entscheidet über das weitere vorgehen. Denn Benzol im Abwasserkanal ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wie die Einsatzkräfte wissen.

Brennbare Flüssigkeiten wie Benzin oder Diesel können in der Kanalisation eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen. Dass das nicht nur eine theoretische Gefahr ist, zeigte sich vor fast genau einem Jahr in Wiesbaden.

Vor einem Jahr explodierte es in der Wiesbadener Kanalisation

Nach einem Pkw-Brand lief Kraftstoff in die Kanalisation. Dort entstand ein Benzin-Luft-Gemisch, das nach Polizeiangaben schlagartig explodierte. Die Druckwelle war so enorm, dass sie 50 Kilogramm schwere Gullydeckel rund 20 Meter in die Luft schleuderten. Scheiben zerbrachen und Asphaltteile flogen durch die Luft: Sechs Feuerwehrleute und ein Polizei verletzten sich dabei.

Nicht nur Kraftstoffe sind gefährlich

Nicht nur aus Autotanks droht Gefahr. Wie die Unfallversicherung BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse) schreibt, zählen auch Lösungs- oder Reinigungsmittel aus Haushalten zu brennbaren Stoffen, „die auch schon in geringen Mengen in Teilen des Kanalnetzes eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen können“.

Dass die Benzol-Konzentration nicht hoch genug ist, um eine Explosion unter der Straße auszulösen, stellen Markus Groppe und seine 16 Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr schnell fest - die Ursache für den Gestank allerdings nicht. Als die Einsatzkräfte am Freitagabend von der Schulstraße wieder zurückkehren zur Langen Straße, ist der Gestank verschwunden.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke Selm, die für das städtische Kanalnetz zuständig sind, sind beim Einsatz ebenfalls vor Ort. Die Quelle des Gestanks entdecken weder sie noch die Kollegen der Feuerwehr.

Flensburger hat falsch getankt und dann abgelassen

Mitte August in Flensburg war das einfacher. Damals hatte ein Mann sein Auto statt mit Diesel mit zehn Litern Benzin betankt - ein fataler Fehler, der ihm wenige Meter von der Tankstelle entfernt auffiel. Er hielt über einem Gully an und ließ den falschen Kraftstoff hinein laufen, wie die Flensburger Polizei berichtet. Die Folge: ein Strafverfahren.

Die Freiwillige Feuerwehr hatte sich in Beifang nicht zum ersten Mal auf die Suche nach einer gefährlichen Geruchsquelle gemacht. Gasgeruch hatte die Einsatzkräfte im April 2019 alarmiert.

Im April roch es in Beifang nach Gas - Explosionsgefahr

Das Ziel: etwa genau da, wo sie auch im November unterwegs waren: Schulstraße/Lutherweg. Anders als dieses Mal, fanden sie im Frühjahr die Quelle: einen Flüssiggastank. Damals war so viel in die Kanalisation eingedrungen, dass die untere Explosionsgrenze überschritten war. Das Lüften des Kanals brachte Abhilfe. So lange mussten einige Anlieger vorsichtshalber ihre Häuser verlassen.

Thomas Isermann, der Chef der Selmer Feuerwehr, lobt die Anwohner - im April genauso wie jetzt: Ihrer Aufmerksamkeit sei es zu verdanken, dass die Feuerwehr Maßnahmen ergreifen konnte.

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