Betrugsserie bei Autovermietungen: Selmer (30) fürchtete „Säure-Anschlag“auf sein Baby

rnLandgericht Bochum

Im Bochumer Betrugs-Prozess hat ein Familienvater aus Selm am Montag sein Schweigen gebrochen: In seinem Teilgeständnis verblüffte aber vor allem ein angeblich geplanter Rocker-Anschlag.

Selm

, 13.01.2020, 19:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Teilgeständnis ist am Montag am Bochumer Landgericht der Prozess um eine Serie von dreisten Auto-Betrügereien fortgesetzt worden. Der angeklagte Familienvater (30) aus Selm gab über seinen Verteidiger Christian Simonis (Dortmund) zu, mehrmals angemietete Pkw gegen Provision an einen Bekannten weitergegeben zu haben.

Den Vorwurf, auch in einen Brandanschlag in Bergkamen zum Zwecke des Versicherungsbetrugs verstrickt gewesen zu sein, wies der Angeklagte jedoch zurück. Diese Anschuldigung sei „hundertprozentig gelogen“ und einzig eine „Racheaktion“ des Belastungszeugen, hieß es.

Drohte der Belastungszeuge mit einem „Säure-Anschlag“?

Dieser Zeuge, an den der Angeklagte die Miet-Pkw weitergegeben habe, habe letztlich auch dafür gesorgt, dass der Familienvater aus Selm vor Gericht zweimal falsch ausgesagt habe. „Er hat meinem Mandanten mit Gewaltaktionen durch die ‚Bandidos‘ gedroht, wenn er nicht in seinem Sinne aussagt. Unter anderem stand die Drohung im Raum, dass sein kleines Baby mit Säure übergossen werden könnte“, erklärte Verteidiger Christian Simonis.

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Dass der Selmer sich auf die betrügerischen Pkw-Anmietungen inklusive dreister Weitergabe eingelassen habe, sei allein seiner Drogenabhängigkeit geschuldet gewesen. „Durch seine Sucht nach Kokain hatte er ständige Geldprobleme“, sagte der Dortmunder Rechtsanwalt. Die zweimal eingestrichenen Provisionen in Höhe von jeweils 4.500 Euro seien komplett für neue Drogenkäufe draufgegangen.

Sachverständiger soll hinzugezogen werden

Laut Anklage soll der Selmer in den Jahren 2017 und 2018 „Europcar“ und „Sixt“ Autovermietungen in Essen, Dortmund, Bochum, Hamm und Köln immense Verluste eingebracht haben, indem er dort selbst erst hochwertige Pkw anmietete, diese dann an einen Bekannten weitergab und den Rückgabetermin einfach ausfallen ließ. Einmal soll der Selmer einen BMW 1er allein deswegen angemietet haben, um daraus Ersatzteile für seinen eigenen, durch einen Unfall demolierten, BMW 1er auszubauen.

Mit Blick auf die geschilderte Drogenabhängigkeit wollen die Richter nun im Prozess einen psychiatrischen Sachverständigen hinzuziehen, der den Selmer auf seine Schuldfähigkeit und eine mögliche Einweisung in eine geschlossene Entziehungsanstalt begutachten soll.

Durch Kokain-Überdosierungen, so Verteidiger Christian Simonis, sei der Selmer zur fraglichen Tatzeit von drogenbedingten Psychosen mit massiven Wahnvorstellungen befallen gewesen und auch schon mehrmals von seiner Familie in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht worden.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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