Bräuche und Rituale rund ums Weihnachtsfest

Hintergrundcheck

Jeden Morgen das Türchen am Adventskalender öffnen. Den perfekten Baum aussuchen und schmücken. Und natürlich: Geschenke auspacken. Das alles gehört zur Weihnachtszeit dazu. Doch warum feiern wir Weihnachten so? Wir haben mal eine evangelische Pfarrerin gefragt.

SELM/BORK

, 11.12.2015, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was bedeutet eigentlich die Adventszeit?

Advent bedeutet Ankunft.  Der Advent sei sozusagen die Vorbereitungszeit auf die Geburt Christi, erklärt Antje Wischmeyer, evangelische Pfarrerin in Bork und Selm. Was wenige wissen: „Die Adventszeit ist ursprünglich eine Fastenzeit“, klärt Antje Wischmeyer auf. „Ähnlich, wie wir das heute noch aus der Osterzeit kennen“, ergänzt sie. Verzicht wie dieser hat keinen Selbstzweck im christlichen Glauben – das Fasten soll vielmehr die Wirkung der Rückbesinnung haben, die innere Einkehr fördern.

Woher kommt der Adventskranz?

„Der geht zurück auf Johann Wichern“, sagt Antje Wischmeyer. Der sozial engagiert evangelische Theologe und Erzieher stellte ihn in einem Kinderheim – dem so genannten Rauhen Haus – auf, um ihnen die Adventszeit und damit die Dauer des Fastens ein bisschen anschaulicher zu machen. Damals – genau gesagt 1839 – waren auf dem Kranz 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen angebracht.

Und der Adventskalender?

Auch der entstand erst im 19. Jahrhundert. Ursprünglich verbargen sich hinter den Türchen keine Süßigkeiten oder Geschenke, sondern eher Bilder oder Texte. Die Spannung auf Weihnachten zu steigern – und damit auch die Freude aufs Fest ist es auch, so vermutet Antje Wischmeyer, was hinter dem Brauch des Adventskalenders steckt. 

Warum schenken sich die Menschen etwas zu Weihnachten?

Das Schenken hat einen biblischen Hintergrund. Schließlich hatten die Waisen aus dem Morgenland auch Geschenke dabei. Als eine Art der Menschen „ihre Freude weiterzugeben“, so Antje Wischmeyer, sei die Tradition der Weihnachtsgeschenke zu verstehen.

Aber wer bringt die Geschenke?

„Der Weihnachtsmann“, so sagt die Theologin lächelnd, „ist ja eine Figur aus der Coca-Cola-Werbung.“ Warum das Christkind vor der Bescherung heimlich kommt und den Kindern Geschenke unter den Baum legt, erklärt sich Antje Wischmeyer mit dem Anliegen von Menschen, an Weihnachten unerwartet und vielleicht auch unerkannt etwas Gutes zu tun und Freude zu schenken.

Und warum wird zu Weihnachten alles geschmückt?

Immergrüne Pflanzen wie Tannen oder andere Nadelbäume stehen symbolisch für Leben und für Lebenskraft – das passt natürlich zur Geschichte von der Geburt Jesu. Früher, so Wischmeyer, wurden Tannen oft mit roten Äpfeln geschmückt. „Ich könnte mir vorstellen, dass daran die heutigen Christbaumkugeln angelehnt sind“, schätzt die Theologin. Die Lichter sollen dabei das Licht darstellen, dass Jesus in die Welt brachte. 

Was hat das Weihnachtsfest eigentlich noch mit der ursprünglichen Geschichte zu tun? 

Antje Wischmeyer überlegt kurz und sagt dann: „Das Weihnachtsfest verändert sich sehr. Aber der Ursprung ist und bleibt natürlich die Weihnachtsgeschichte.“ Diese Geschichte habe ja auch eine Friedensbotschaft. "Und ich glaube, das ist eine sehr aktuelle Botschaft, die für viele Menschen wichtig ist und die sie Jahr für Jahr wieder gerne hören und in ihre Herzen aufnehmen möchten.“

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