Waffelino-Prozess: Nahm Hamza K. den Tod von 19 Menschen aus Habgier in Kauf?

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Drei Jahre nach dem Brand im Café Waffelino muss sich der Selmer Hamza K. noch einmal vor Gericht verantworten. Im Zentrum steht die Frage: Nahm er in Kauf, dass 19 Menschen hätten sterben können?

Selm

, 02.08.2020, 13:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Nacht auf den 5. August 2017 war es, als das Café Waffelino in Selm lichterloh brannte. Die Zerstörung war groß. Fast vollständig brannte das Café in dieser Nacht aus. Die erste Reaktion: Mitleid für den Café-Besitzer Hamza K., der vor dem Nichts stand. Bei Facebook warb er damals für Spenden.

Am 5. August 2020 - auf den Tag genau drei Jahre nachdem das Café Waffelino brannte - wird Hamza K. sich in Dortmund vor Gericht verantworten müssen. Erneut. Der Selmer war 2019 am Landgericht zu zehn Jahren und neun Monaten Haft wegen Mordversuchs, Betruges und schwerer Brandstiftung verurteilt worden. Hamza K. und sein Anwalt hatten gegen das Urteil aber Revision eingelegt - so befasste sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Anfang des Jahres mit dem Fall. Dort wurde das Urteil aufgehoben und der Fall zurück an eine andere Kammer des Landgerichts verwiesen.

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Tod der Hausbewohner in Kauf genommen?

Verantworten muss sich Hamza K. wegen schwerer Brandstiftung und Mordes. Der 4. Strafsenat des BGH hatte in seinem Beschluss geschrieben, dass sich die neuen Richter „genauer als bisher“ mit der Frage des Tötungsvorsatzes befassen müssten. Für eine Verurteilung wegen versuchten Mordes müsse man als Gericht sicher feststellen, dass Hamza K. beim Legen des Feuers wusste, dass er damit unter Umständen die übrigen Bewohner des Mehrparteienhauses töten konnte.

Die Frage ist: Gab es einen Vorsatz, nahm der Brandstifter bei seinem Tun den Tod der übrigen Hausbewohner „billigend in Kauf“? In der Nacht schliefen in den Wohnungen über dem Café 19 Menschen, darunter auch ein Baby.

„Aus Habgier, heimtückisch, mit gemeingefährlichen Mitteln“

Das jedenfalls wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten auch weiterhin vor, wie es der Ankündigung des Gerichts zu entnehmen ist: Hamza K. soll demnach versucht haben, „aus Habgier, heimtückisch, mit gemeingefährlichen Mitteln und um eine andere Straftat zu ermöglichen, Menschen zu töten. Dazu soll er in dem von seiner Lebensgefährtin betriebenen Café Waffelino in der Kreisstraße 50 einen Brand gelegt haben und dabei den Tod der Bewohner des Tatobjektes zumindest billigend in Kauf genommen haben“, heißt es.

„Hätten nicht Zeugen an der Tür geklingelt und dadurch gewarnt, wären die Leute in den oberen Etagen gefangen gewesen und möglicherweise verbrannt“, hatte Staatsanwalt Christoph Köster 2019 im Prozess gegen Hamza K. gesagt.

Den Grund für die Tat sieht die Staatsanwaltschaft in Habgier. Hamza K. soll „in der Absicht gehandelt haben finanzielle Mittel von einer Versicherung zu erhalten, wobei er gewusst haben soll, dass er hierauf keine Ansprüche gehabt habe“, heißt es weiter. Konkret ging es dabei um eine Summe von 25.000 Euro, auf die Hamza K. spekuliert haben soll, weil das Café Waffelino nicht mehr gut lief.

Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert

Hamza K. selbst hatte die Tat stets bestritten. „Ich war auf der Flucht im Ausland und bin freiwillig nach Deutschland zurückgekommen, weil ich mir sicher war und bin, dass ich hundertprozentig nichts mit der Sache zu tun habe“, hatte er in den letzten Worten vor der Beratung zum Urteil gesagt.

Sein Verteidiger Ralf Bleicher hatte gemäß des Grundsatzes „im Zweifel für den Angeklagten“ auf Freispruch plädiert, obwohl es - wie er selbst damals einräumte, „gewichtige Indizien“ gegen seinen Mandaten gab. Ein Freispruch Hamza K.s gilt allerdings als unwahrscheinlich. Der Bundesgerichtshof hatte in seinem Beschluss bereits deutlich gemacht, dass es darum gehe, die Motive Hamza K.s unter die Lupe zu nehmen, aber: „die getroffenen Feststellungen zum äußeren Tatgeschehen können bestehen bleiben“, hieß es. Das bedeutet, auch der 4. Strafsenat ist überzeugt davon, dass Hamza K. den Brand gelegt hat.

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