Brand im Café Waffelino: Hat Hamza K. kurz vorher wertvolles Inventar beiseite geschafft?

Schwurgericht Dortmund

Mit der Befragung eines Brandsachverständigen ist am Montag der Waffelino-Prozess fortgesetzt worden. Besonders aufhorchen ließen dabei auch Details zu einer „verschwundenen“ Kaffeemaschine.

Selm

, 18.02.2019 / Lesedauer: 3 min
Brand im Café Waffelino: Hat Hamza K. kurz vorher wertvolles Inventar beiseite geschafft?

Der mutmaßliche Waffelino-Brandstifter Hamza K. im Schwurgerichtssaal am Landgericht Dortmund. © Martin von Braunschweig

Der Druck auf den Mann auf der Anklagebank wächst: Im Mordversuch-Prozess um den Brand im Café Waffelino vor dem Dortmunder Schwurgericht hat sich ein Brandsachverständiger (68) anhand der Spurenlage unmissverständlich festgelegt.

„Das Gesamtuntersuchungsergebnis ist eindeutig: Das Feuer in dem Café wurde durch Brandstiftung eingeleitet“, sagte der erfahrene Brand-Experte Ernst Sandmann. Ein möglicher technischer Defekt als Brandursache, möglicherweise ausgelöst durch eine Steckdose, sei „ausgeschlossen“.

„Massiver Gebäudeschaden“

Eine völlig verrußte Außenfassade, dazu überall abgelöster Putz sowie zerstörte Fenster und Türen: Bei dem Feuer, das in der Nacht auf den 5. August 2017 im Café an der Kreisstraße gewütet habe, ist laut Ernst Sandmann ein „massiver Gebäudeschaden“ zurückgeblieben. Das Brandzentrum habe in einer Art Vorbereitungsküche im hinteren Bereich der Räumlichkeiten gelegen.

Der Feuersachverständige hatte das ausgebrannte Waffelino-Café nach dem Brand an drei verschiedenen Tagen inspiziert. Wie gefährlich die Flammen gewütet haben, habe man gleich auf den ersten Blick an der Außenfassade ablesen können. „Die Rauchentwicklung war bis hoch in die zweite Etage erkennbar. Das spricht dafür, dass die Eingangstür während des Feuers geöffnet gewesen ist“, erklärte der Diplom-Ingenieur.

Sollte ein Einbruch vorgetäuscht werden?

Bei der Begutachtung der geöffneten Eingangstür waren dem Brandsachverständigen „markante Aufbruchspuren“ ins Auge gefallen. Auf den ersten Blick will Ernst Sandmann jedoch bereits erkannt haben, dass die angebrachten Aufbruchsspuren wohl eher ein Ablenkungsmanöver sein sollten. Es sei für ihn nämlich ziemlich klar erkennbar gewesen, so der Brandsachverständige weiter, dass die „Aufbruchspuren bei geöffneter Tür angebracht worden sind“. Wollte ein Brandstifter hier also womöglich einen vorherigen Einbruch vortäuschen?

Petroleum an Papiertuch nachgewiesen

Durch den Einsatz von sogenannten Brandspürhunden, die noch Tage nach einem Feuer winzigste Mengen verschiedener Brandbeschleuniger wittern können, seien später auch an zwei Stellen verdächtige Gegenstände entdeckt worden.

An einem angesengten Papiertuch, das wurde am Montag vor dem Schwurgericht bekannt, war bei Laboruntersuchungen beim Landeskriminalamt später festgestellt worden, dass daran Rückstände einer „petroleumartigen Flüssigkeit, ähnlich wie bei Grillanzündern“, nachgewiesen werden konnten.

Hamza K. soll Kaffeemaschine rausgetragen haben

Darüber hinaus erinnerte sich der Brandsachverständige während seiner Expertisen am Brandort auch noch an eine Begegnung mit dem Angeklagten Hamza K., der seinerzeit als Geschädigter in dem ausgebrannten Café erschienen sei.

„Ich meine, er hat damals geklagt, dass eine wertvolle Kaffeemaschine für 1000 Euro weggekommen sei. Die hätte er angeblich geschenkt bekommen von seiner Schwiegermutter“, so der Gutachter. Bei der Inspizierung der Stelle, an der die Maschine gestanden haben soll, seien keine (Verdeckungs-)Spuren zu entdecken gewesen, sodass ausgeschlossen werden könne, dass „zur Brandzeit noch eine Kaffeemaschine dort gestanden hat.“ Sie müsse vor dem Brand entfernt worden sein.

Besonders brisant: Ein Zeuge hatte in diesem Zusammenhang im Prozess ausgesagt, dass er gesehen haben will, wie Hamza K. in der fraglichen Nacht gemeinsam mit anderen Männern noch vor dem Brand Gegenstände aus dem Café getragen hat. Den Angeklagten will der Zeuge eindeutig wiedererkannt haben.

Anklage wegen Mordversuchs

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Hamza K. den Brand in dem Café seiner Lebensgefährtin selbst gelegt hat, um die Feuerversicherung zu betrügen. Die Hausbewohner seien ihm in diesem Moment völlig egal gewesen, heißt es in der Anklage wegen versuchten Mordes.

Hamza K. bestreitet die Vorwürfe. Er hatte zuletzt über seinen Verteidiger Ralf Bleicher erklären lassen: „Wer den Brand gelegt hat, weiß ich nicht. Ich war es jedenfalls nicht.“ Hamza K. könne allenfalls sagen, dass er von verschiedenen Mitgliedern eines libanesischen Großfamilie nach einem Streit bedroht worden sei.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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