Bürger wollen sich in Selm neu engagieren

Hilfe für Asylbewerber

"Überwältigend" nannte Sozialamtsleiter Wolfgang Strickstock die Beteiligung: Am Mittwochabend kamen mehr als 40 Menschen zu einem Zusammentreffen in die Burg Botzlar. Sie alle wollen Asylbewerbern helfen

SELM

, 15.04.2015, 21:51 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bürger wollen sich in Selm neu engagieren

Mehr als 40 Menschen kamen in den großen Saal der Burg Botzlar

Rund zehn Mitarbeiter aus dem Asylkreis Bork brachten ihre Erfahrungen am Abend ein und saßen mit in der Runde. Monika Heitmann, die Leiterin der seit September aktiven Gruppe, berichtete von den Angeboten, die es in Bork gibt, und wie aus ihren eigenen beruflichen Kontakten zu einer Familie im Übergangsheim die Hilfegruppe erwuchs. Sylvia Engemann, Beigeordnete der Stadt Selm, hatte zusammen mit Heitmann das Treffen angesetzt, das auch aus Gesprächen in einem SPD-Arbeitskreis im März und Berichten in den Ruhr Nachrichten hervorging. Auch acht Asylbewerber kamen - darunter Menschen, die schon seit zwei Jahren in Selm leben, aber auch Claude Q., der seit zweieinhalb Monaten erst in Deutschland ist. Zunächst gab es eine Vorstellungsrunde. Wir zitieren ein paar Aussagen und Motive der Teilnehmer:

Monika Heitmann: "Unser Engagement beruht auf dem Hintergrund, dass jeder Flüchtling eine eigene Geschichte hat. Und jeder ist bei uns zunächst willkommen - egal aus welchem Grund er hierher kommt. An erster Stelle stehen die Menschen, die Zeit, das Zuhören - das kann man ehrenamtlich leisten. Man darf keine Scheu haben."Martina Quante, Stadt Selm: "Wir haben zurzeit etwa 140 Asylbewerber in der Stadt. In den Übergangsheimen Bork 40, Cappenberg 50, Selm 25. Und die restlichen in verschiedenen Wohnungen verteilt in der Stadt. Allein dieses Jahr haben wir 50 Neuzuweisungen gehabt."Sylvia Engemann: "Das Engagement des Asylkreises in Bork ist einfach vorbildlich. Ihre Arbeit in Bork ist für Selm noch mal etwas anders, da an der Körnerstraße alleinstehende Männer leben. Und andere in der Stadt verteilt - da gibt es andere Bedürfnisse und Anforderungen. Das was wir städtisch tun können, reicht einfach nicht aus - darum brauchen wir ehrenamtliche Hilfe. Ich bin froh über das Signal dieses Abends."Wolfgang Strickstock, Sozialamtsleiter: "Ich bin absolut überwältigt heute Abend. Das zeigt, wie viel Engagement, Herz und offene Arme es in Selm gibt."Daniela Volle: "Wenn man Krieg schon nicht verhindern kann, dann kann man wenigstens die Folgen dessen hier vor Ort lindern."Jeannine Tembaak: "Ich habe mich für die Piratenpartei politisch, auch auf Bundesebene, mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe etwas Zeit - nun kann ich auch hier vor Ort helfen."Lothar Sonntag: "Ich möchte für die evangelische Gemeinde ausdrücken, dass wir bereit sind, Hilfe zu leisten."Achim Friedrich: "Ich arbeite seit Jahren bei der Tafelausgabe und kenne die Probleme der Asylbewerber daher schon. Dafür möchte ich mich nun zusätzlich engagieren."Manon Pirags: "Ich arbeite als Mitarbeiterin des Fokus schon im Gesprächskreis Deutsch jeden Donnerstag mit. Und hier sehe ich, dass wir auch Aufbaukurse brauchen."Birgit Nowak: "Ich habe vor Ostern einen Zeitungsartikel gelesen, der mich sehr bewegt hat. Nun möchte ich selbst etwas bewegen."Heike Hoppe: "Die Familienbildungsstätte will im Rahmen des Mehrgenerationenhauses Räume oder Kurse anbieten."Hans Hoppe: "Wir vom ADFC wollen, dass jeder Asylbewerber, der interessiert ist, ein Fahrrad bekommt."Manfred Uckat: "Ich arbeite in Bork im Asylkreis mit, wohne aber in Selm und bin froh, dass sich jetzt in Selm etwas bewegt. Dann verlege ich meinen Arbeitsschwerpunkt jetzt nach Selm."Holger Langer, Arbeitskreis Cappenberg: "Wir haben ja schon ein bisschen angefangen - wir wollen mehr Kontakt und die Flüchtlinge in die Mitte des Dorfes bringen."Marion Orlowski: "Ich wüsste einfach gern, wie ich mich einbringen kann."Udo Holz: "Für mich ist das ein Bedürfnis. Ich bin zornig, wenn ich am Fernseher sitze und Bilder zum Beispiel aus Dresden sehe. Ich will damit ein Signal setzen."Mario Löhr, Bürgermeister: "Ich möchte Anregungen für die Verwaltung von diesem Abend mitnehmen."Stefanie Köhn: "Ich bin viel in der Welt herumgereist und finde, dass die Willkommenskultur bei uns am Boden liegt. Ich möchte mitarbeiten daran, dass sich das ändert." Ergebnis des Abends: Es wird ein neues Treffen nach diesem Auftakt geben. Bis dahin soll sich jeder selbst einige Gedanken machen und sich hinterfragen, für welche Art der Hilfe er zur Verfügung steht. Monika Heitmann will beim nächsten Treffen noch mal dabei sein - und sich dann wieder auf die Arbeit in Bork konzentrieren. Die Zusammenarbeit zwischen Selm und Bork solle aber verfestigt werden. Sylvia Engemann schlug einen Runden Tisch vor.

Der nächste Termin ist schon in der nächsten Woche: Möglicherweise schon am 22. April, wieder um 19 Uhr.

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