Bürgermeisterkandidat Robin Zimmermann (FDP): Die Stimme der Jugend

rnKommunalwahl in Selm

Unter den Selmer Bürgermeisterkandidaten ist Robin Zimmermann (25) der Jüngste. Das sieht der FDP-Kandidat aber nicht als Nachteil. Er setzt auf Generationengerechtigkeit und digitalen Umbruch.

Selm

, 21.08.2020, 12:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit seinen 25 Jahren ist Robin Zimmermann mit Abstand der jüngste Kandidat im Rennen um das Amt des Bürgermeisters in Selm. Dass er „erst 25 Jahre alt“ sei und die vermeintlich fehlende Lebenserfahrung ist auch das, was in sozialen Medien immer wieder als größte Kritik an dem Borker angeführt wird. Zimmermann selbst lässt sich davon allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Er sieht seine Jugend im Gegenteil als großen Vorteil.

Für das Treffen mit der Redaktion hat sich Zimmermann, der für die FDP antritt, passenderweise einen Ort ausgesucht, der von den Verantwortlichen als „Projekt für die Zukunft“ betitelt wurde und schon in der Entstehungsphase einiges an Kritik einstecken musste: der Selmer Auenpark mit seinem „Rodelhügel“, wie er im Volksmund genannt wird.

„Wir sind die Generation, die mit den Entscheidungen von heute leben muss.“
Robin Zimmermann

„Wirklich schön hier“, sagt Robin Zimmermann unter der Glaskuppel beim Blick auf Selm. Nicht alle neuen Projekte in Selm seien schlecht, findet Zimmermann. Manche Kritik der Selmer - auch an der Aktiven Mitte - sei aber auch gerechtfertigt. An den Entscheidungen, die Selms Zukunft betreffen, will der 25-Jährige mitwirken. Mitgestalten. „Wir sind die Generation, die mit den Entscheidungen von heute leben muss“, sagt er. Und nicht immer seien diese Entscheidungen in der Vergangenheit im Sinne der jüngeren Generation getroffen worden, argumentiert Zimmermann weiter.

Politik und Verwaltung müssten wieder mehr auf alle Generationen zugehen, findet Zimmermann.

Einsatz für flächendeckenden Breitbandausbau in Selm

Viele der Themen, denen sich Robin Zimmermann in seinem Wahlkampf widmet, sind Zukunftsthemen. Oder solche, die schon vor Jahren als solche angekündigt wurden und deren Umsetzung stockt. Zum Beispiel der Breitbandausbau. „Schnelles Internet fehlt“, sagt Zimmermann. Er weiß das aus eigener Erfahrung. „Ich habe in Bork offiziell eine 60-Mbit-Leitung. Es kommen aber nur 25 Mbit an“, erklärt er. Als digital unterversorgt würde offiziell gelten, wer mit weniger als einer 50-Mbit-Verbindung ins Internet gehe, zitiert Zimmermann die Definition der Bundesregierung. Das Problem aus Sicht des 25-Jährigen: Es gebe in Selm zu wenige Glasfaserleitungen.

„Wir müssen aktiv auf die Telekom, Innogy und andere Anbieter zugehen“, macht Zimmermann deutlich. Dasselbe gelte für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Schnelles Internet gehöre im privaten Bereich, aber auch in der Wirtschaft zur Grundversorgung. Letzteres zeige sich seit Beginn der Corona-Pandemie: Viele Arbeitnehmer würden derzeit im Home-Office arbeiten, führt der 25-Jährige an.

Mehr Behördengänge sollten Bürger digital erledigen können

Digitales Denken hört für den Borker nicht beim Netzausbau auf. Auch die Verwaltung in Selm könne noch viel digitaler werden, ist er überzeugt. Viel mehr Behördengänge müssten online möglich sein, damit Berufstätige nicht an die Öffnungszeiten des Amtshauses gebunden sind. Ganz wegfallen dürfe der analoge Behördengang aber nicht. Generationengerechtigkeit bedeutet für Zimmermann auf der anderen Seite auch, ältere, weniger digital vernetzte Bürger nicht auszuschließen.

Sein zweites großes Wahlkampfthema ist der Umweltschutz. Nach seinem Abitur 2014 hatte Robin Zimmermann zwei Vorstellungen, was er als nächstes machen wollte: Als großer Filmenthusiast hätte ihn ein Film-Studium und die Arbeit als Regisseur interessiert. Er entschied sich dann allerdings für den noch neuen Studiengang „Energietechnik und Ressourcenoptimierung“ an der Hochschule in Hamm. Mittlerweile steht er kurz vor dem Bachelor-Abschluss. „Diese Expertise bringt sehr viel in der Politik“, sagt Zimmermann.

Energiewende mit einer „New-Energy-Gesellschaft“ nach vorne bringen

Die Energiewende müsse endlich nach vorn gebracht werden, fordert er. Die Stadt Selm könnte dabei ihren Beitrag leisten, indem sich das Denken von vielen Einzelprojekten löse, argumentiert der 25-Jährige. Sein Ziel: die Gründung einer „New-Energy-Gesellschaft“. Hier soll die Expertise der Stadt, von Gelsenwasser, Selmer Fachbetrieben, wie Elektrikern, und anderen Energie-Spezialisten gebündelt werden. Eine Koordinierungsstelle, die aus dem Fachwissen vieler schöpfen könne und die Energiewende aktiv nach vorne bringe. Als ein „Kompetenzzentrum für nachhaltige Energie“, beschreibt es der Bürgermeisterkandidat. Von dem Wissen könnten aus Zimmermanns Sicht alle Selmer profitieren - bis zum einzelnen Bürger, der sich über Fördermöglichkeiten für eine Solarenergie- oder Geothermieanlage informieren möchte.

Selmer Schuldenlast abbauen

Und dann ist da noch das dritte Thema, das Robin Zimmermann antreibt: die Selmer Schuldenlast. „Die Kredite laufen über Jahrzehnte“, sagt der FDP-Kandidat, „und die jungen Leute müssen sie zurückzahlen“. Ein Blick in die Nachbarschaft könnte einen Weg zeigen, wie es geht. Die Olfen habe auch unter hohen Schulden gelitten und sei aus eigener Kraft hinausgekommen. Dazu müsse man sich aber „Prestigeprojekte“ sparen, wie Zimmermann sagt. Ein Beispiel seien die Pläne für die alte Dreifachturnhalle am Schulzentrum an der Kreisstraße. Laut Plänen der Verwaltung könnte hier eine Multifunktionshalle entstehen mit der Möglichkeit für Konzerte, Tagungen und einer Gastronomie.

Viel wichtiger wären aus Zimmermanns Sicht Investitionen ins Kanalnetz, oder in den Fußgängerüberweg an der Haus-Berge-Straße, auf den die Anwohner schon so lange warteten.

Egal, wie die Bürgermeisterwahl am 13. September ausgeht. Eins ist Robin Zimmermann wichtig: dass die Menschen „überhaupt wählen gehen und ihre Stimme nutzen“, sagt der 25-Jährige.

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Wir stellen die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Stadt Selm vor. Außerdem sind wir mit dem Bewerber zu einem weiteren Interview verabredet - für das Sie uns per E-Mail Fragen schicken können, an selm@ruhrnachrichten.de. Die Fragen werden wir im Gespräch stellen. Die Antworten können Sie anschließend im Videomitschnitt sehen.
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