Wahlarena

Bundestagskandidaten zum Wohnen der Zukunft: Schneller, höher, bezahlbarer

Bauen, Bauland, Mieten - alles wird teurer. Haben die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Unna II (Selm, Lünen, Werne, Hamm) Rezepte, wie Wohnen künftig attraktiv und bezahlbar sein könnte?

In Selm sind in den letzten Jahren große Neubaugebiete entstanden. Weitere werden folgen. In Lünen zum Beispiel sieht das anders aus. Wie sieht Bauen in der Zukunft aus? Setzt man verstärkt auf Ein- und Mehrfamilienhäuser? Wird es vermehrt geförderten Wohnraum geben, der bezahlbar ist? Wie steht es um den Flächenverbrauch? Ist Bauen in die Höhe das Mittel der Wahl? In der Wahlarena dieser Zeitung am Donnerstagabend, 26. August, im Selmer Bürgerhaus standen die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Unna II, Michael Thews (SPD), Arnd Hilwig (CDU), Lucas Slunjski (FDP), Rebekka Kämpfe (Linke) und Martin Kesztyüs (Grüne), Rede und Antwort. Eben auch zum Thema Wohnen.

„Jeder von uns braucht ein Dach über dem Kopf.“ Dieser Satz der Moderatorin, Redaktionsleiterin Sylvia vom Hofe, mag wie eine Binsenweisheit klingen. Aber in Zeiten steigender Mieten und teuren Bauens wird aus jenem Satz schnell mal ein großer Wunsch. Von denen, die sich hohe Mieten eben nicht leisten können. Von denen, deren Traum des Eigenheims an hohen Kosten zu scheitern droht. Und schnell wird der Eingangssatz zu einer Forderung an die Politik, dafür zu sorgen, dass der Satz weder Wunsch, noch Forderung bleiben muss.

Mehrere Instrumente müssen zusammenlaufen

Also ließ die Moderatorin die Bauexperten in den Bundestagskandidaten von der Leine. Die kamen dem gern nach. Arnd Hilwig (CDU): „Wir werden den Wohnungsmarkt nur im Griff behalten, wenn neue Wohnungen errichtet werden. Da muss es mehrere Instrumente geben, die zusammenlaufen.“ Dazu gehöre, Bauland zu aktivieren. Er sei dafür, Innenentwicklung vor Außenentwicklung zu betreiben. Es müssten Brachflächen entwickelt werden.

Zudem sei es notwendig, Bauvorschriften zu liberalisieren und zu beschleunigen, die bisher in vielen Fällen Bauen verhinderten, etwa auf alten Hofflächen im ländlichen Bereich. Außerdem sei zu überlegen, ob nicht höher zu bauen und Leerstände zu ersetzen, Mittel der Wahl sein könnten.

Obdachlosenzahl gestiegen

„Was machen wir mit zwei Millionen leer stehenden Wohnungen?“, fragte Rebekka Kämpfe (Linke). Sie kritisierte, dass einige Immobilien vor sich hindümpeln, weil Investoren nur auf Mietpreissteigerungen warten, um Geld aus den Immobilien ziehen zu können. Aber es gehe gerade darum, „dass wir bezahlbare Mieten brauchen“. Die Zahl der Obdachlosen sei in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.

Martin Kesztyüs (Grüne) meinte: „Wir sollten nicht noch mehr bauen, sondern etwas gegen die Leerstände tun.“ Und es müsse Anreize geben, dass Immobilien nicht mehr Spekulationsobjekte sind. Wichtig sei jedoch auch, flächensparendes Wohnen zu ermöglichen. Zu Einfamilienhäusern sagt Kesztyüs ja, aber nur, wenn die Investoren dort auch wohnen. Er hätte jedoch am liebsten, wenn in die Höhe gebaut würde.

Im SPD-Wahlprogramm steht, dass ein Vorkaufsrecht des Bundes, der Länder und der Kommunen zu fairen Preisen gefordert wird. Schrottimmobilien vom Markt zu nehmen, indem sie gekauft werden, sei eine der Möglichkeiten, die allerdings in unserer Region nicht immer zutreffe, sagt Michael Thews (SPD). Er kritisierte die CDU, also den Partner in der Großen Koalition, dafür, dass die Christdemokraten immer nur bauen wollten, egal, was es koste. Thews nannte das, Luxusbauen fördern. Das mache die SPD nicht mit. Die Alternative, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: Die öffentlichen Wohnungsbaugenossenschaften und die Wohnungsbauunternehmen seien ganz wichtige Stellschrauben, um öffentlich geförderten Wohnraum zu schaffen. Und: Nachhaltiges Bauen sei in Zeiten, in denen Material fürs Bauen schwer zu bekommen sei, wichtig.

Für Bürokratieabbau plädierte Lucas Slunjski (FDP): „Es gibt mehr als 10.000 Regulierungen im Baubereich. Wir als FDP fordern, wenn eine dazu kommt, müssen zwei gehen.“

Über den Autor
Redaktion Selm
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Arndt Brede

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