Cappenberg: Feuchtigkeit treibt Kosten nach oben

Neugestaltung des Schlosses

Rund 600.000 Euro mehr wird sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Neugestaltung der Museumsräume im Schloss Cappenberg kosten lassen müssen. Warum das so ist, wer darüber zu entscheiden hat und wann das Museum endlich wieder öffnet, beantworten wir hier.

CAPPENBERG

, 25.09.2017, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Cappenberg: Feuchtigkeit treibt Kosten nach oben

Handwerker arbeiteten das ganze Jahr über an der Fassade von Schloss Cappenberg.

Von welchen Kosten war der LWL ursprünglich ausgegangen?

400.000 Euro hatte der Landschaftsausschuss, das Entscheidungsgremium des LWL, im Mai 2015 für die museale Neupräsentation und die Ausstellungsgestaltung bewilligt. Damals waren langwierige Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag zwischen dem Eigentümer, Sebastian Graf von Kanitz, und dem LWL als Hauptmieter sowie dem Kreis Unna als Untermieter zum Abschluss gekommen. Eine Klausel des alten Vertrages sah vor, dass sowohl der LWL als auch der Kreis Unna jeweils 600.000 Euro für die Sanierung der Außenfassade zahlen mussten. Diese Arbeiten biegen gerade auf die Zielgerade.

Warum überhaupt ein neuer Mietvertrag?

1985 hatte der Vater des heutigen Grafen das Schloss – laut Kreisdirektor Dr. Thomas Wilk das „bedeutendste Gebäude des Kreises Unna“ – für eine museale Nutzung geöffnet. Der damalige Mietvertrag lief über 30 Jahre. Kreis und LWL verhandelten einen neuen Vertrag – ohne die teure Unterhaltungspflicht für „Dach und Fach“, die Investitionen in fremdes Eigentum bedeute. Im neuen Vertrag ist die Instandhaltung Sache des Eigentümers, die Mietkosten fallen geringer aus (Kreis und LWL zahlen jetzt jeweils 100.000 Euro an den Grafen zuzüglich der Nebenkosten, die Kreisdirektor Wilk mit 30.000 Euro beziffert). Der Nachteil: Auch die Ausstellungsfläche schrumpft von 600 auf 400 Quadratmeter. Die Nutzung des Westflügels wurde aufgegeben.

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Eigentlich sollte das Museum im sanierten Schloss Anfang 2017 wieder öffnen. Im Juni teilte der LWL mit, dass daraus erst 2019 etwas werde. Bleibt es dabei?

Ja, davon geht die Verwaltung des Kommunalverbandes aus. Die Baumaßnahme inklusive barrierefreiem Zugang und Aufzug werde voraussichtlich im Herbst 2018 fertiggestellt. „Anschließend ist die neue Dauerausstellung zu installieren und ein Probebetrieb erforderlich, sodass die Eröffnung Anfang 2019 erfolgen kann“, heißt es im aktuellen Sachstandsbericht.

Nur noch mal zur Erinnerung: Wie war es zu der Verzögerung gekommen?

Kreis-Baudezernent Dr. Detlef Timpe hatte vor einem Jahr von „erheblichen Abstimmungsproblemen“ gesprochen: ein organisatorisches Problem. Ein im März 2017 hinzugezogener Projektsteuerer half, es zu lösen. Die Bündelung und Koordinierung der Arbeiten obliegt dem Eigentümer, Graf von Kanitz. Die Fachleute der Bauverwaltungen von LWL und Kreis unterstützen ihn.

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Wie gut wird das Klima in den Museumsräumen sein? 

Nicht gut. Die Anforderungen an das Raumklima für Museen nach den Standards des Deutschen Museumsbundes lassen sich in dem historischen Gemäuer nicht umsetzen. „Das ist eben anders als bei einem Neubau wie dem Museum für Kunst und Kultur am Domplatz in Münster“, sagte Frank Tafertshofer, Sprecher des LWL. Dort hätten die Architekten neueste Technik nutzen können, „in einem Barockschloss geht das nicht.“ Die gängigen Anforderungen an die Raumtemperatur für Museen im Sommer bleiben Wunschdenken ebenso wie Maßnahmen zur Lüftung und Klimatisierung. Lediglich die geforderte „Einhaltung eines Raumfeuchtekorridors von 45 bis circa 65 Prozent soll sichergestellt werden“, heißt es im Behördendeutsch. Mit anderen Worten: Nur Entfeuchtungsgeräte sind drin, mehr nicht.

Lassen sich unter diesen Bedingungen attraktive Ausstellungen anbieten?

Davon sind LWL und Kreis überzeugt. Sie hätten ihre Anforderungen „auf ein Mindestmaß reduziert, das erforderlich ist, um attraktive Ausstellungen zu ermöglichen“, schreibt die Verwaltung des LWL.

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Wie lässt sich dieses Mindestmaß sicherstellen?

Durch dezentrale Entfeuchtungsgeräte, die an die Gebäudeleittechnik angeschlossen werden. Dafür kommt zum Großteil der LWL auf. Graf von Kanitz wird laut der getroffenen Vereinbarung das Dach über den Ausstellungsräumen dämmen, die Fenster abdichten und mit UV-Schutzfolie versehen.

Wie teuer wird das?

Kreisbaudezernent Timpe geht nicht von Mehrkosten für den Kreis aus. Die Mehrkosten, die der Eigentümer trägt, sind nicht bekannt. Das Gros der Kosten für die Entfeuchtung entfällt auf den LWL: 595.000 Euro. Darin enthalten ist auch eine Beteiligung in Höhe von 65.000 Euro an einer neuen Heizungsanlage für das Schloss. Der LWL hofft dadurch auf eine Senkung der Nebenkosten.

Wer entscheidet, dass der LWL diese Mehrkosten tatsächlich trägt?

Der Landschaftsausschuss, der am 6. Oktober tagt. Drei andere Gremien werden die Angelegenheit vorberaten. Den Auftakt hat bereits der Kulturausschuss gemacht. Laut LWL-Sprecher Tafertshofer ging die Angelegenheit bei einer Gegenstimme von den Linken durch.

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