Franz-Peter Kreutzkamp aus Selm freut sich über den Erfolg seines „Cappenberger Tröpfchens". © Günther Goldstein
Spirituosen in Selm

Cappenberger Tröpfchen: Wie wurde der lokale Likörhersteller Kult?

82 Millionen Liter Spirituosen kamen 2020 aus NRW, so IT.NRW. Ein Teil ist aus Selm: Kreutzkamp’s Spirituosen stellen das Cappenberger Tröpfchen her. Teils führen sie ein „Nischendasein“.

„Gut gefragt“, antwortet Dr. Franz-Peter Kreutzkamp, wenn er auf die Beliebtheit seiner Produkte angesprochen wird. Besonders gilt das für das bekannteste Produkt der Firma Kreutzkamp’s Spirituosen: das Cappenberger Tröpfchen, ein Kräuterlikör mit einem Alkoholgehalt von 38 % vol.

Seine Spirituosen kann Franz-Peter Kreutzkamp regelmäßig verschicken.
Seine Spirituosen kann Franz-Peter Kreutzkamp regelmäßig verschicken. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Jede Menge Spirituosen aus NRW

Generell sind Spirituosen aus NRW gefragt. 2020 stellten zehn Betriebe insgesamt 82 Millionen Liter Spirituosen her (3,1 Millionen Liter, bzw. 3,9 Prozent mehr als 2019), wie IT.NRW mitteilt. Im ersten Quartal 2021 wurden 17,7 Millionen Liter Spirituosen (minus 16,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum) hergestellt. Auch Kreutzkamp’s Spirituosen tragen ihren guten Teil dazu bei. In genauen Zahlen kann Franz-Peter Kreutzkamp das gar nicht fassen: „Wir verkaufen etwa 50.000 bis 60.000 Flaschen pro Jahr.“ Auch durch die Pandemie kam er dank des Hausverkaufs gut.

Franz-Peter Kreutzkamp und seine „Probierflotte
Franz-Peter Kreutzkamp und seine „Probierflotte“ sind auch regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt auf Schloss Cappenberg vertreten. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Das „Cappenberger Tröpfchen“ ist das Flaggschiff des Unternehmens. „Mein Urgroßvater Engelbert Kreutzkamp hat im ausgehenden 19. Jahrhundert das Rezept für Cappenberger Tröpfchen entwickelt. Der Schnaps hieß damals einfach Kreutzkamps Kräuter. Erst mein Vater hat dann den Namen Cappenberger Tröpfchen Mitte der 1950er-Jahre eingeführt“, erzählt Kreutzkamp. Nach dem „Tröpfchen“ fragen die meisten. Wenn auch nicht immer unter dem richtigen Namen. „Manche Kunden fragen nach dem ‚Kreutzkamp‘. Dann sage ich immer scherzhaft: ‚Ich bin nicht in Flaschen erhältlich, aber Sie meinen vermutlich das ‚Cappenberger Tröpfchen‘ “, berichtet Kreutzkamp mit einem Lächeln.

„Tröpfchen“ ist Kult

„Das „Tröpfchen“ ist mittlerweile Kult geworden, bei allen „ab 18 bis ‚solange es schmeckt‘ “, so Kreutkamp scherzhaft. „Es gehört auch für Jugendliche dazu, wenn sie feiern“, erzählt Kreutzkamp. „Bei manchen Kunden lass ich mir sogar manchmal den Ausweis zeigen, wenn ich nicht sicher bin, ob sie schon 18 sind. Wenn sie mit dem Auto vorfahren, kann ich darauf meist natürlich verzichten“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Die meisten Stammkunden kommen aus einem Umkreis von 20, 30 Kilometern. Die „Tröpfchen“ sind lokal gefragt, aber nicht nur. Kreutzkamp hat Kunden quer durch ganz Deutschland. Teilweise wird das Tröpfchen auch genutzt, um etwa Grillsaucen zu verfeinern. Auch Ostfriesland gehört zu seinen Absatzmärkten, „erschlossen“ durch lokale Kunden, die dort danach fragten. „Jetzt rufen dortige Wirte bei uns an und machen Sammelbestellungen“, freut er sich. Auch aus einem Yachthafen in Berlin rufen die Kunden an.

Verschiedene Geschmacksrichtungen

Oft sei es gut, sich eine Nische zu suchen, erklärt Kreutzkamp eines seiner Erfolgsrezepte. Insgesamt rund 20 Marken hat das Unternehmen, von Likören über Kräuterlikören bis hin zu „Klaren“ (Schnäpse). Dabei gibt es verschiedene Geschmacksrichtungen von Schlehbeere bis Cranberry. So machen das auch viele andere lokale Betriebe. „Jeder schaut, wo er mit seinen Sachen bleibt.“

Das alte Brennereigebäude.
Das alte Brennereigebäude. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die Firma gibt es schon seit 1654. Bis 1976 gab es eine eigene Brennerei. „Damals gab es die Spirituosen noch in Fässern aus Steingut oder Holz. Heutzutage sind es ‚unromantische’ Edelstahlfässer.“ Eine Gaststätte wurde bereits eher verkauft. Seitdem wird Weizendestillat bei einem der größten deutschen Alkoholhersteller in Lüdinghausen eingekauft, bei dem Kreutzkamp Miteigentümer ist. Die einzelnen Produkte werden dann vor Ort hergestellt. Franz-Peter Kreutzkamp ist Mitglied der 16. Generation und seit 2006 in der Geschäftsführung. Im Oktober 2009 wurden Produktion und Verkauf wieder in das 1976 errichtete Firmengebäude verlegt.

Früher wurden die Spirituosen noch in Holzfässern gelagert.
Früher wurden die Spirituosen noch in Holzfässern gelagert. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Im Vergleich zu bekannten Marken, die es auch im Supermarkt gibt, stehe sein kleiner Laden ganz gut da, erklärt Kreutzkamp. Diese hätten oft eine „rot-schwarze Null“, während kleinere Betriebe wie er ein gutes Plus einführen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Seit über zehn Jahren als freier Journalist tätig und seit einigen Jahren auch für die Ruhr Nachrichten. Ich schreibe gerne über Menschen und ihre Geschichten.
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Tobias Weskamp

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