Cappenberger Wald: Wie steht es nach zwei trockenen Sommern um das grüne Gebiet?

rnTrockene Wälder

Trockene Sommer, Hitze, die Ausbreitung des Borkenkäfers und ein starker Pilzbefall: Es gab schon bessere Zeiten für die Forstwirtschaft. So steht es aktuell um den Cappenberger Wald.

von Lena Zschirpe

Selm

, 13.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei trockene Sommer lassen die Bäume in den heimischen Wäldern nicht unberührt. Die Hitze und das Sturmtief Friederike vor rund zwei Jahren sorgten außerdem für beste Bedingungen für Insekten, die ganze Baumbestände vernichten können: Der Borkenkäfer hat die Fichten im letzten Sommer immer stärker unter Druck gesetzt. Wie steht es aktuell um den Wald in Cappenberg?

„Der Zustand ist nicht der Beste, aber auch nicht dramatisch“, so Förster Elmar Berks. Das Problem der Borkenkäfer sei erledigt, der Cappenberger Wald bis auf ein paar wenige Exemplare „fichtenrein“. Der Zustand der Buchen bleibt heikel. "Die Trockenheit setzt alten Bäumen besonders zu, einige müssen gefällt werden", sagt Berks. Bei den Eschen liegt wiederum schon seit einigen Jahren ein gefährlicher Pilzbefall vor.

Zwar hat es zum Winteranfang in Selm vor allem geregnet, die trockenen Sommer können durch zwei feuchte Monate aber nicht ausgeglichen werden. „Man müsste hier eher einen Zeitraum von zwei Jahren ansetzen, in denen sich die Bäume erholen können“, sagt Friedrich Louen, Pressesprecher vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW auf Anfrage. Vor allem die tiefen Bodenschichten bräuchten länger, um das Wasser aufzunehmen.

Cappenberger Wald: Die Fichte ist kein heimischer Baum

Ein Förster habe nur bedingt Möglichkeiten, einzugreifen. „Die befallenen Bäume können zwar wegtransportiert werden“, sagt Louen. „Aber die Wassermengen, um die Trockenheit auszugleichen sind so zu groß.“ Ständiges Bewässern sei außerdem weder wirtschaftlich, noch ökologisch, wie Berks erklärt. Langfristig müssen Wälder daher „fürs Klima fit gemacht werden“, so Louen. Hierbei werden Bäume aufgeforstet, die mit den Nährstoffen im Boden und dem Klima konform sind, heimische Arten werden bevorzugt.

Die Fichte, die vom Baumsterben millionenfach betroffen ist, ist übrigens keine heimische Art: Sie kommt ursprünglich aus dem Bayerischen Wald oder Skandinavien und gehört eigentlich nicht in die Region. Heimische Bäume können von ihr gestört werden. Der Abtritt der Fichte aus den regionalen Wäldern durch den Befall des Borkenkäfers passiere trotzdem zu schnell. „Derzeit entstehen so viele offene Stellen im Wald“, so Louen.

Cappenberger Wald ist zu großen Teilen Naturschutzgebiet

Im Fall des Cappenberger Waldes sei das Verschwinden der Fichte eher positiv. „Denn die gehört hier eigentlich nicht hin“, so Berks. Da der Wald in Selm zu 70 Prozent aus Naturschutz- und FFH-Gebieten besteht, muss der Förster bei der Aufforstung Baumsorten wählen, die auch natürlich in Cappenberg vorkommen. In Randgebieten, die nicht dem Naturschutz unterliegen, wird in Selm die klimaresistente Esskastanie gepflanzt und erprobt. „Wir wollen aber auch gar nicht zu sehr eingreifen, die Natur soll sich natürlich erholen“, so Berks.

Die Rüstung der Wälder für das veränderte Klima, sei seit vielen Jahrzehnten im vollen Gange, würde aber ihre Zeit brauchen. Die Aufforstung ist auch ein finanzielles Problem. „Obwohl es Fördermittel von Land, Bund und der EU gibt“, so Louen. Das Holz von befallenen Bäume bedeutet für die Forstwirtschaft einen hohen Verlust.

Tiere im Cappenberger Wald nicht bedroht

Auch Sturmtief Friederike hat dem Cappenberger Wald vor rund zwei Jahren zugesetzt: Als der Sturm mit 143 Kilometer pro Stunde durchs Land tobte, sind auch in Selm reihenweise Bäume umgeknickt. Die Aufräumarbeiten seien erledigt. „Einige Bäume sind aber liegen geblieben“, sagt Berks. Ein Eindringen würde mehr Waldfläche zerstören als nützen.

Auf die Fauna gehen die Probleme der Bäume in Cappenberg übrigens noch nicht über: Rehe, Schwarzwild, Füchse und Hasen sind wohlauf. „Im Sommer wurden Wasserbehältnisse aufgestellt“, so Berks. Die umgestürzten Bäume von Orkan Friederike seien sogar nützlich für den Lebensraum der Tiere. Auch hier erholt sich die Natur natürlich.

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