Chaos bei Kleiderausgabe an Flüchtlinge in Bork

Erster Öffnungstag

Die neue Kleiderkammer in Selm-Bork hat am Montagmorgen, also gleich am ersten Öffnungstag, einen nicht gewollten Flüchtlingsansturm erlebt. Eigentlich sollte es gar keine Kleidungsausgabe geben. Angesichts der Massen öffneten die Mitarbeiter dann aber doch die Türen. Wir haben die Bilder.

BORK

, 14.09.2015, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Chaos bei Kleiderausgabe an Flüchtlinge in Bork

Dieses Bild wird wohl noch öfter das geschehen an der Kleiderkammer bestimmen. Nicht alle Flüchtlinge haben mitbekommen, dass sie sich keine Kleidung aussuchen können.

Das war so nicht vorgesehen. Statt darauf zu warten, dass das Deutsche Rote Kreuz bedarfsgerecht Tüten mit Kleidung für jeden der rund 1000 Flüchtlinge von der Kleiderkammer abholt und in die Zeltstadt bringt, machten sich am frühen Montagmorgen Hunderte der Asylbewerber von der Zeltstadt auf den Weg in den Borker Ortskern.

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Riesiger Andrang vor der Kleiderkammer für Flüchtlinge in Selm

Die neue Kleiderkammer in Selm-Bork hat am Montagmorgen, also gleich am ersten Öffnungstag, einen nicht gewollten Flüchtlingsansturm erlebt. Es herrschte Ausnahmezustand.
14.09.2015
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Geduldig reihten sich die Flüchtlinge vor der Kleiderkammer auf.© Foto: Arndt Brede
Sie war eine der Bewohnerinnen der Zeltstadt, die die Kleiderkammer mit Kleidung verlassen konnte.© Foto: Arndt Brede
Vor allem die Regale mit Frauenbekleidung sind voll.© Foto: Arndt Brede
Dass sich Flüchtlinger direkt in der Kleiderkammer Kleidung aussuchen, soll die Ausnahme bleiben.© Foto: Arndt Brede
Auch Kuscheltiere warten in der Kleiderkammer darauf, an Kinder in der Zeltstadt verteilt zu werden.© Foto: Arndt Brede
Auch Koffer mit Bekleidung wurden gepackt.© Foto: Arndt Brede
Anpacken ist in diesen Tagen in der Kleiderkammer angesagt.© Foto: Arndt Brede
Während die Regale mit Kleidung für Frauen voll sind (im Hintergrund), fehlt es vor allem an Männerkleidung und -schuhen.© Foto: Arndt Brede
Dieses Bild wird wohl noch öfter das geschehen an der Kleiderkammer bestimmen. Nicht alle Flüchtlinge haben mitbekommen, dass sie sich keine Kleidung aussuchen können.© Foto: Arndt Brede
Während der Andrang in Sachen Kleidung groß war, spielte dieser Junge in aller Seelenruhe.© Foto: Arndt Brede
Ein kurzes gespräch der verantwortlichen - und die Lage entspannte sich zusehends.© Foto: Arndt Brede
Die Kinder hatten zum Teil nur Badelatschen an den Füßen.© Foto: Arndt Brede
Die Ehrenamtlichen hatten mehr zu tun als sie erwartet hatten.© Foto: Arndt Brede
Erwachsene und Kinder hatten sich auf den Weg von der Zeltstadt zur Kleiderkammer gemacht.© Foto: Arndt Brede
Der Andrang am ersten Tag war groß.© Foto: Arndt Brede
Bürgermeister Mario Löhr machte sich vor Ort ein Bild und entschied dann, keine weitere Kleirung an Flüchtlinge auszugeben. Stattdessen soll Kleidung vom DRK in der Zeltstadt ausgegeben werden.© Foto: Arndt Brede
Nicole Reuter (r.) und Beigeordnete Sylvia Engemann versuchten, alles in geordnete Bahnen zu lenken.© Foto: Arndt Brede
Diesem Jungen war der Andrang wohl nicht geheuer.© Foto: Arndt Brede
Die Bereitschaft, zu spenden, ist nach wie vor groß.© Foto: Arndt Brede
Mit diesem ungewollten Ansturm hatte wohl niemand gerechnet.© Foto: Arndt Brede
Schuhanprobe in der Kleiderkammer.© Foto: Arndt Brede
Die Ehrenamtlichen hatten alle Hände voll zu tun, um den Andrang zu meistern.© Foto: Arndt Brede
Schon früh warteten Flüchtlinge vor der Kleiderkammer.© Foto: Arndt Brede
Schlagworte Selm

Vor der Kleiderkammer im ehemaligen Supermarkt am Borker Marktplatz bildeten sich Schlangen. Die Menschen warteten darauf, eingelassen zu werden, um sich Bekleidung auszusuchen. Eigentlich sollte die Kleiderkammer aber nur für Menschen öffnen, die Kleidung spenden wollen. Doch angesichts der Massen vor der Tür öffneten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kleiderkammer die Tür und ließen nach und nach Flüchtlinge ein. Statt ihrem Kerngeschäft, dem Sortieren gespendeter Kleidung nachzukommen, mussten sie nun also Kleidung ausgeben.

"Die sind dann einfach gekommen"

„Irgendwie müssen die Flüchtlinge in der Zeltstadt erfahren haben, dass es hier Kleidung gibt, und sind dann einfach gekommen“, sagte Nicole Reuter, die sich mit Jeannine Tembaak um die Organisation der Kleiderkammer kümmert, im Gespräch mit der Redaktion. Dass die Ehrenamtlichen Kleidung ausgeben, sei der aktuellen Ausnahmesituation geschuldet.

Immer mehr Flüchtlinge reihten sich unterdessen in die Warteschlange ein. Unermüdlich versuchten Figan Ucar-Macit vom Asylkreis Selm, Jeannine Tembaak und weitere Helfer, die Asylbewerber zu überzeugen, wieder in die Zeltstadt zurückzukehren und darauf zu warten, dass sie Kleidung geliefert bekommen. Bei manchen fruchtete der Appell. Andere blieben vor der Kleiderkammer.

Manche Flüchtlinge hatten nur Badelatschen

Und drinnen? Da bedienten die Ehrenamtlichen Flüchtling um Flüchtling. Manche der Asylbewerber, darunter Kinder, hatten nur Badelatschen oder Flipflops an den Füßen. „Wir lassen die doch nicht draußen in der Kälte stehen“, sagte eine der Helferinnen angesichts der Not der Menschen.

Im Laufe des Vormittags kamen dann auch Bürgermeister Mario Löhr, Beigeordnete Sylvia Engemann und Sozialamtsleiter Wolfgang Strickstrock zur Kleiderkammer, um sich ein Bild zu machen.

Auf die Reporterfrage, ob Stadt Selm angesichts dieser unerwarteten Situation einen „Plan B“ habe, antwortete Löhr: „Wir brauchen keinen Plan B. Es war klar mit dem Deutschen Roten Kreuz abgesprochen, dass der Bekleidungsbedarf eines jeden Flüchtlings in der Zeltstadt ermittelt wird, diese Bedarfslisten zur Kleiderkammer kommen, die Kleidung bedarfsgerecht zusammengestellt und dann vom Roten Kreuz abgeholt und in der Zeltstadt verteilt wird.“ 

Spendenbereitschaft ist groß

Der Bürgermeister entschied dann knapp eine Stunde nach Öffnung der Kleiderkammer, dass dort keine Kleidung mehr ausgegeben werden soll und die Flüchtlinge gebeten werden, in die Zeltstadt zurückzukehren.

Die meisten kamen dann dieser Bitte auch nach. So geduldig sie vorher gewartet hatten, so ruhig zogen sie auch wieder ab. Die Polizisten, die für die Zeltstadt abgestellt sind und die an diesem Vormittag vor Ort waren, brauchten nicht einzugreifen.

Unterdessen reißt der Strom der Spenden nicht ab. Kiste um Kiste, Tüte um Tüte brachten auch am Montag viele Menschen Kleiderspenden nach Bork. Doch so groß, die Bereitschaft zu helfen ist:  Es gibt auch einen Wermutstropfen. „Wir müssen ganz viel gespendete Kleidung aussortieren, weil sie entweder aufgetragen oder dreckig ist“, sagte Andrea Preuß vom Arbeitskreis Asyl Bork.

Besonders benötigt wird Männerkleidung

Auch Nicole Reuter appelliert an die Spender: „Bitte bringen Sie nur gut erhaltene Kleidung.“ Und eine besondere Bitte hat sie auch: „Wir benötigen zurzeit vor allem Bekleidung für Männer in den Größen S und M. Männerschuhe brauchen wir auch.“

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