Fitnessstudios helfen, Bewegung ins Leben zu bringen. Aber sind die Besucher dort auch gut aufgehoben? Wir machen Probetrainings in Selm, Olfen und Nordkirchen und schauen genau hin.

Selm

, 02.11.2018, 14:24 Uhr / Lesedauer: 6 min

Münsterlandstraße 23 - so lautet die Adresse des Clever Fit Selm. Als ich diese jedoch in mein Handy- und später auch in mein Auto-Navigationsgerät eintippe, zeigen beide dasselbe an: Diese Adresse gibt es nicht. Aber ich habe doch gestern erst ein Probetraining vereinbart, denke ich, so schnell kann kein Studio schließen. Ein Blick auf die Google-Maps-Übersicht verrät, dass sich das Fitnessstudio gegenüber des Hellweg Baumarktes an der Lüdinghauser Straße befindet.

Mit diesem Wissen erreiche ich das Clever Fit Selm problemlos. Problemlos war auch die Terminvereinbarung am Vortag. „Du kannst eigentlich immer vorbeikommen, wann du Bock hast“, hatte der Mitarbeiter am Telefon gesagt. Ich finde diese lockere Art völlig in Ordnung und auch das Duzen beim Sport ist für mich normal. Manche mögen das aber vielleicht anders sehen. Für ein Probetraining mit Trainer benötige ich allerdings doch einen Termin. „Wann ist es dir denn am liebsten?“, fragte der Studio-Mitarbeiter und so bekam ich auch ganz kurzfristig meinen Wunschtermin - Freitagvormittag. Ein Handtuch, Wechselkleidung und meinen Personalausweis soll ich dazu mitbringen. Das erfahre ich allerdings erst auf Nachfrage.

Wie funktioniert der Fitnessstudio-Test? Neben meinem Redaktions-Volontariat gebe ich Zumba-Kurse (lizensierter Instructor) und habe schon in verschiedenen Fitnessstudios und bei verschiedenen Sportvereinen gearbeitet. Ich beschreibe die hier getesteten Studios und das Probetraining so, wie ich es erlebt habe.

Modernes Fitnessstudio mit festem Farbkonzept

Ich betrete das Studio. Ähnlich dem Logo von Clever Fit sind die Räumlichkeiten überwiegend in Rot, Schwarz, Grau und Weiß gestaltet. Einfach so komme ich jedoch nicht in den Trainingsbereich. Denn der ist nur mit einem Chip zugänglich. „Du hast heute bestimmt ein Probetraining“, ruft mir ein Mann zu, den die Aufschrift auf seiner Jacke als Trainer auszeichnet. „Ich bin Felix“, stellt er sich vor und lässt mich per Knopfdruck in den Trainingsbereich.

Normalerweise komme man hier mithilfe eines Gummiarmbandes hinein, in das ein Chip eingearbeitet ist, wie mir Felix erklärt. Im Tausch gegen meinen Personalausweis gibt mir der Trainer ein solches Armband - in Clever-Fit-Rot. „Damit kannst du deinen Schrank abschließen“, sagt er. Wie das geht, erklärt er mir in der Damenumkleide, nachdem ich überprüft habe, dass sich dort gerade niemand umzieht. Dann lässt er mich allein. „Komm einfach zur Theke, wenn du fertig bist“, sagt Felix.

Zu Stoßzeiten zu wenig Platz?

Die Umkleidekabine ist hell, modern und ebenfalls in den Farben des Studios gehalten. In den Spinden kann man problemlos eine große Sporttasche, Schuhe und Alltagskleidung unterbringen. Zwischen den Schrankreihen stehen Ablagen für Taschen und Kleidung, an einer Wand hängt ein großer beleuchteter Spiegel. Zwei Föhne stehen den Fitnessstudio-Besucherinnen hier zur Verfügung. Zu Stoßzeiten, wenn sich zehn Frauen oder mehr hier umziehen oder frisch machen möchten, stelle ich es mir jedoch etwas beengt vor.

Direkt an die Umkleidekabine angeschlossen sind zwei Toiletten und eine Gemeinschaftsdusche. Drei Frauen können hier gleichzeitig duschen - und das nicht nur unter einem festen Duschkopf, sondern auch mit je einer separaten Brause. Das habe ich bisher nur in wenigen anderen Studios gesehen - sehr komfortabel. Sowohl der Nassbereich als auch das WC wirken sauber und gepflegt. Damit sich Felix, dem ich nicht erzählt habe, dass ich für eine Recherche hier bin, nicht wundert, wo ich bleibe, ziehe ich mich schnell um und gehe zur Theke.

Das Publikum im Studio ist gemischt

„Hast du schon einmal in einem Fitnessstudio trainiert?“, fragt Felix. „Nein“, flunkere ich, denn ich möchte ein Probetraining auf Anfänger-Niveau. Gerade dann sollte die Einweisung nämlich besonders detailliert sein. Nach gesundheitlichen Einschränkungen fragt Felix nicht. Stattdessen führt er mich direkt zu einem der Crosstrainer, die in Reih und Glied nebeneinander aufgestellt sind. Ich stelle meine Füße auf die Pedale und halte mich an den daran befestigten Griffen fest. „Hier kannst du dich zehn Minuten warm machen“, sagt Felix und stellt mir das Gerät ein. Dann „laufe“ ich los, bewege Arme und Beine auf den hin- und herschwingenden Pedalen vor und zurück. Weil das nicht viel Konzentration erfordert, lasse ich meinen Blick durchs Studio schweifen.

Im Clever Fit Selm sind die Trainingsfläche und die Anmeldung in einer großen Halle untergebracht. Auf meiner Seite sind Geräte zum Ausdauertraining wie Crosstrainer, Stairmaster, Laufbänder und Fitness-Fahrräder aufgereiht. Gegenüber befindet sich ein Freihantelbereich mit Spiegeln, zwischen den beiden Bereichen sind verschiedene Geräte zum Krafttraining aufgebaut. In einer Ecke können Fitnessstudio-Besucher Vibrationstraining machen, in einer anderen ist Platz für freie Übungen und TRX-Training, ein Ganzkörpertraining, das mit Bändern arbeitet, die an einer Aufhängung befestigt sind. Felix und eine weitere Trainerin unterhalten sich mit Kunden, gehen rum und geben Hinweise zum Training. Während ich mich aufwärme und sich langsam ein leichter Schweißfilm auf meiner Stirn bildet, beobachte ich, dass sich die Altersspanne der Kunden, die zeitgleich mit mir trainieren, schätzungsweise von 20 bis 70 Jahre erstreckt.

Zirkeltraining eignet sich für Anfänger

Nach dem Aufwärmen führt Felix mich jedoch nicht zu den Geräten in der Mitte des Studios, sondern zum Gerätezirkel zwischen Theke und Kabinen. Von der Decke hängt ein leuchtender Ball. „In der grünen und gelben Phase führst du die Übungen aus, das dauert circa eine Minute“, erklärt Felix. „In der roten Phase kannst du Pause machen und das Gerät wechseln.“ Das Zirkeltraining eigne sich für Anfänger und moderates Training. Mithilfe von Metallstiften, die sich reindrücken und rausziehen lassen, lässt sich das Gewicht einstellen. Viel mehr ist nicht nötig, um mit dem Training zu beginnen.

Clever Fit in Selm: Umfangreiches Krafttraining, aber nur begrenztes Kursangebot

Kniebeugen mit Gewicht gehören zum Zirkeltraining. Hierbei ist auf einen geraden Rücken, die korrekte Fußstellung und Kniehaltung zu achten, wie Clever-Fit-Trainer Felix Quester (r.) erklärt. © Günther Goldstein

Felix nimmt sich Zeit, um mir alle Übungen und Geräte zu erklären. Zwei Zirkelrunden seien für den Anfang gut, von Training zu Training könne ich dann auch das Gewicht steigern. „Den Rücken gerade halten, die Beine etwa schulterbreit öffnen, die Füße leicht nach außen drehen“, sagt Felix. Dann soll ich in die Kniebeuge gehen, in den Händen halte ich zwei Griffe mithilfe derer ich das Gewicht hochziehe. „Aber nur aus den Beinen, die Arme bleiben gerade“, mahnt Felix. Bei manchen Übungen mache ich meinen Rücken absichtlich rund, strecke die Arme oder Beine zu sehr durch. Felix korrigiert mich geduldig und erklärt alles ganz genau.

Trainer zeigen sich auf einer Fotowand

„Machst du das hauptberuflich?“, frage ich. „Ich mache ein duales Studium“, sagt Felix. Am Ende sei er dann Sport- und Fitnessbetriebswirt. Das steht auch an einer Fotowand im Gang zu den Kabinen, wo alle Trainer des Studios mit Foto, Name und Qualifikation aufgeführt sind. „Wir haben auch einen Physiotherapeuten und eine Osteopathin im Team“, erklärt Felix, der, wie ich nun weiß, Quester mit Nachnamen heißt. Sollte ich mich im Studio anmelden, könnte ich bei Bedarf einen Termin bei dem Physiotherapeuten oder der Osteopathin machen, erklärt Felix weiter. Und das Studio biete noch mehr: Ein Solarium, ein Collagen-Solarium und Massagesessel stehen den Kunden zur Verfügung. Diese befinden sich jedoch in abgetrennten Räumen.

„Wenn du dich anmeldest, können wir auch einen Trainingsplan erstellen und eine Ernährungsberatung machen“, sagt Felix. Wie ich auf Nachfrage erfahre, kostet das All-In-Angebot des Studios, mit dem ich alle Leistungen in Anspruch nehmen kann, bei einem Jahr Vertragslaufzeit 29,90 Euro im Monat. Das Basic-Angebot ohne Solarium und Massagesessel kostet 24,90 Euro im Monat. „Zusätzlich haben wir eine einmalige Karten- und Verwaltungspauschale über 39.80 Euro“, sagt Felix. „Das kostet in einigen anderen Studios sehr viel mehr.“ Tatsächlich kenne ich Fitnessstudios, in denen die Gebühren teurer sind. Aber auch welche, in denen sie ähnlich oder sogar günstiger sind. Alle Preisinformationen und Sonderangebote des Clever Fit Selm sind auch im Internet einsehbar.

Wunschübungen werden berücksichtigt

„Möchtest du irgendetwas Spezielles trainieren?“, fragt Felix und zeigt mir auf Wunsch verschiedene Übungen für Bauch, Beine und Po. Dazu gehen wir auf die große Trainingsfläche. Hier kann ich das Gewicht an den Geräten in Kilogramm einstellen und meine Wiederholungen und Pausenzeiten werden digital angezeigt. „So kannst du sichergehen, dass du zum Beispiel mit beiden Beinen gleich viele Wiederholungen gemacht hast“, sagt Felix.

Neben dem schweren Gerät zeigt er mir auch freie Übungen auf einer Matte im TRX-Trainingsbereich. Hier finden auch die Kurse statt, wie Felix mir erzählt. „Wir haben keinen abgeschlossenen Kursraum. Hier werden die Leute, die sich sonst vielleicht nicht in einen Kurs trauen würden, eher darauf aufmerksam und lassen sich dann doch animieren.“

Am Wochenende finden keine Kurse statt

Ich verstehe zwar das Konzept, fühle mich persönlich aber sowohl als Kursleiterin als auch als Teilnehmerin immer wohler, wenn der Kurs in einem abgeschlossenen Raum oder einer Halle stattfindet. Im Clever Fit Selm könnten zusätzlich die Aufhängungen für die TRX-Bänder beim Kurstraining stören - es sei denn, sie werden mit eingebunden oder für den Kurs abgenommen. Ein Blick auf den Kursplan, der nur im Studio und nicht online einsehbar ist, verrät außerdem, dass Klassiker wie Aerobic oder Spinning hier fehlen. Auch Kurse wie Zumba, Step Aerobic, Pilates und Yoga werden nicht angeboten.

Auf dem Plan stehen dennoch insgesamt neun verschiedene Kurse: TRX-Training, Bauch-Intensiv, Full Body, Bauchkiller, Mobility, Rücken-Fit, Faszientraining, Zirkel-Workout und Bauch-Beine-Po. Ob man beim Kursangebot des Clever Fit Selm fündig wird, kommt also auf die persönlichen Interessen und Wünsche an. Der früheste Kurs beginnt um 9 Uhr, der späteste um 19 Uhr. Am Wochenende finden keine Kurse statt.

Probetraining dauert eine Stunde

Nach einer guten Stunde ist das Probetraining mit Felix vorbei. Er war freundlich und locker, hat nach meiner sportlichen Vorerfahrung gefragt, ist auf meine Trainingswünsche eingegangen und hat all meine Fragen beantwortet. Bei den einzelnen Übungen hat er meine Fehler korrigiert und mir Tipps für die Ausführung gegeben. Das Probetraining hat mir Spaß gemacht. Einzig die Frage nach gesundheitlichen Einschränkungen fehlte mir, denn die sollte vor einer Einweisung ins Training geklärt werden.

Mein Fazit: Wer Krafttraining machen, fit bleiben oder werden möchte, wird sich im Clever Fit Selm wohlfühlen. Zumindest bei meinem Test war die Betreuung durch den Trainer gut und schon beim Probetraining an meine Wünsche angepasst. Die Geräteausstattung des Studios deckt alle wichtigen Bereiche ab, um ein umfangreiches Krafttraining zu machen. Für Kurs-Liebhaber könnte das Angebot jedoch etwas zu klein sein. Die Qualität der Kurse kann ich allerdings nicht beurteilen.

Clever Fit Selm
Das Clever Fit Selm befindet sich an der Münsterlandstraße 23. Kunden können ihr Auto oder Fahrrad direkt vor dem Studio abstellen (Parkplatz Hellweg Baumarkt, Lüdinghauser Straße 22). Einen Termin für ein Probetraining kann man persönlich, telefonisch unter Tel. (02592) 9 77 74 22 oder online vereinbaren. Das Studio gehört zu der Franchise-Fitnesskette Clever Fit. Clever Fit hat Studios in Deutschland (370), Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Weitere Informationen zum Clever Fit Selm, wie Ausstattung, Öffnungszeiten und Preise, gibt es auf der Homepage des Studios und bei Facebook.
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