Corona-Krise in Selm: Im Selmer Zentrum haben fast alle Geschäfte geschlossen

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Am späten Dienstagabend (17.3.) kam der Erlass: Außer Geschäften, die für die Grundversorgung unerlässlich sind, haben alle Geschäfte in Selm zu schließen. Die Frage ist: Machen alle mit?

Selm

, 18.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Selmer Zentrum am Mittwochvormittag, 18. März: Der Einzelhandel ist fast zum Erliegen gekommen. Nur fast? Ja. Und das hat einen einzigen Grund: Verunsicherung.

„Wir wussten bis vorhin noch nichts von einem Erlass der Landesregierung“, heißt es von einer Mitarbeiterin eines Bekleidungsgeschäfts an der Kreisstraße. Ihr Chef sei von einem Kollegen in Werne auf den Erlass der Schließung von Geschäften aufmerksam gemacht worden. „Gleich machen auch wir zu.“

Silvia Reimann hatte am Mittwoch zwar noch ihr Blumengeschäft geöffnet. Jedoch rechnet sie damit schließen zu müssen.

Silvia Reimann hatte am Mittwoch zwar noch ihr Blumengeschäft geöffnet. Jedoch rechnet sie damit schließen zu müssen. © Arndt Brede

Auf der Kreisstraße überwiegen die geschlossenen Geschäftstüren. In Silvis Blumeneck jedoch ist die Tür weit offen. An der Tür steht der Hinweis, eineinhalb Meter Abstand zu wahren und keine Schlange zu bilden. Muss das Geschäft denn nicht schließen? „Ich hatte mit der Stadt Selm gesprochen, und da hat man mir gesagt, dass ich das Schild anbringen soll“, sagt Inhaberin Silvia Reimann. „Ich gebe 50 Prozent auf alles“, berichtet sie. Die jetzige Situation werde für sie ein Verlustgeschäft bringen, das „in die Tausende“ gehen werde. „Ich gehe davon aus, dass wir abverkaufen und dann den Laden erstmal schließen müssen.“

Etwas weiter nördlich steht Gabriele Redemann in ihrem Geschäft Pe-Ga Moden. Bei geöffneter Tür. Allerdings hat sie keine Kleiderständer draußen. Was ist da los? „Ich lasse frische Luft rein“, sagt sie. Offiziell habe sie geschlossen. „Ich habe Ware bekommen und die zeichne ich aus und räume sie ein."

Im Action-Markt sind alle Bereiche, in denen Waren lagern, die nicht der Grundversorgung dienen, abgesperrt.

Im Action-Markt sind alle Bereiche, in denen Waren lagern, die nicht der Grundversorgung dienen, abgesperrt. © Marie Rademacher

Die anderen Geschäfte, für die es keine Ausnahmeregelung gibt, haben geschlossen. Versicherungsagenturen, Modegeschäfte, Schuhgeschäft, Uhrengeschäft, das Kaufhaus Berken, die meisten der großen Filialisten, kleinere, größere Geschäfte: Sie halten sich an den NRW-Erlass. Der Action-Markt hat zwar geöffnet, hat aber die Bereiche mit Waren abgesperrt, die nicht der Grundversorgung dienen.

Auch Selms Kaufhaus, Berken, hat geschlossen.

Auch Selms Kaufhaus, Berken, hat geschlossen. © Arndt Brede

Was nahezu alle geschlossenen Geschäfte eint, dürfte die Kunden in dieser Situation freuen: Sie sind telefonisch, per E-Mail oder über ihre Homepages erreichbar. Und sie haben sich teilweise besondere Services überlegt. „Wenn Kunden es wünschen, kann ich ihnen auch eine kleine Auswahl an Kleidungsstücken liefern“, erklärt Pe-Ga-Moden-Chefin Gabriele Redemann.

In der Marktbuchhandlung, in der das persönliche Kundengespräch auch nicht mehr möglich ist, denken Christian Kokesch und Birgit Schemmel auch über den Lieferservice nach. Zwar können Kunden direkt in der Buchhandlung anrufen oder eine Bestellung per E-Mail aufgeben und erhalten die Lieferung dann per Post, oder sie bestellen über den Onlineshop der Buchhandlung. „Aber je nachdem, wie groß die Menge der Bestellungen ist, werden wir vielleicht auch vor Ort ausliefern“, sagt Christian Kokesch.

Bei allem Verständnis für die Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, Infektionsketten zu unterbrechen, bleibt doch vor Ort auch eine Menge Kopfschütteln. „Wir haben ja nun nicht die große Ansammlung von Publikum und hatten gehofft, dass wir um die Schließung drumrum kommen würden“, so Kokesch.

Optiker Thomas Kaim hat geöffnet. Andere Geschäfte dürfen das nicht. Die Werbegemeinschaft möchte sich deswegen noch besser untereinander vernetzen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Optiker Thomas Kaim hat geöffnet. Andere Geschäfte dürfen das nicht. Die Werbegemeinschaft möchte sich deswegen noch besser untereinander vernetzen, um sich gegenseitig zu unterstützen. © Arndt Brede

Was vor Ort auch zu spüren ist: Sorge um die Existenz. Doch gerade in diesen schweren Zeiten scheint die Solidarität zu steigen. Nach Auskunft von Thomas Kaim, Sprecher der Werbegemeinschaft für das Selmer Zentrum, sollen sich die Kaufleute, und nicht nur Mitglieder der Werbegemeinschaft, zu einer WhatsApp-Gruppe zusammenschließen. Warum genau? „Es geht um den Austausch untereinander, damit keine Informationen, die von der Stadt oder der Landesregierung kommen, verloren gehen.“ Es gehe auch darum, gemeinsam zu überlegen, wie die Geschäfte ihre Kunden weiter bedienen, ihren Service aufrechterhalten können - und darum, ein Zeichen zu setzen: „Dass keiner sich alleingelassen fühlt.“

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