Corona-Krise in Selm: Rot angeleuchtete Gebäude sollen ein Warnsignal sein

rnNight of light

Die Veranstaltungswirtschaft steht seit Ausbruch des Coronavirus mit dem Rücken an der Wand und kämpft ums Überleben. Ganz aktuell mit einer bemerkenswerten Aktion - auch in Selm.

Selm

, 20.06.2020, 15:28 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der COVID-19-Krise getroffen wurde und er wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein.

Diese Einschätzung teilt auch Dennis Neßler, Geschäftsführer der Szenenwerk GmbH & Co.KG mit Sitz in Bork. In einer Pressemitteilung erklärt er weiter: „Faktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagentur, Catering, Bühnenbau, Eventlocation, Messegesellschaft Kongresscenter, Tagungshotel, Konzertveranstalter, Künstler und Einzelunternehmer haben durch die erfolgten Veranstaltungsverbote seit dem 10. März innerhalb weniger Werktage ihre gesamten Auftragsbestände verloren. Sie gerieten als erste in die Krise (first in) und werden als letzte wieder aus der Krise herauskommen (last out).“

Szenenwerk-Gebäude und Selmer Hof werden rot angestrahlt

Um diesen Missstand aufzuzeigen, findet am Montag, 22. Juni, die Night of Light statt. „Neben deutschlandweit über 2000 weiteren Unternehmen werden wir uns als Selmer Unternehmen ebenfalls an dieser Aktion beteiligen und sowohl unser Firmengebäude, als auch den Selmer Hof ab circa 21 Uhr in rot anstrahlen“, teilt Neßler mit.

Wobei die Farbe Rot laut Dennis Neßler mehrere durchaus auch provokante Signale setzen soll:

  • Die Veranstaltungswirtschaft befindet sich auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Branchen
  • Alarmstufe Rot - ein Milliardenmarkt und hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr!
  • Wir sind eine Gemeinschaft und haben das gemeinsame Ziel eines Branchendialogs mit der Politik
  • Wir richten einen flammenden Appell an die Öffentlichkeit.
  • Die Farbe Rot steht für die Leidenschaft für unseren Beruf / unsere Profession. „Wir brennen für das, was wir tun“!

Aussterbende Branche, Gefahr: starke Worte. Wie gefährdet ist denn die Firma Szenenwerk? Wie hoch ist der Einnahmeverlust bisher seit dem Lockdown?

„Die Umsatzverluste betragen seit dem 10. März nahezu 100 Prozent. Für uns bedeutet das jetzt schon eine hohe sechsstellige Summe, die sich je nach weiterem Verlauf in Richtung siebenstellig bewegen könnte“, sagt Geschäftsführer Neßler, ohne konkrete Summen zu nennen.

Alle Mitarbeiter in Kurzarbeit

Hat die Krise schon Auswirkungen auf Mitarbeiter gehabt (Kurzarbeit, Kündigungen)? „Wir mussten bisher keinem Mitarbeiter kündigen, jedoch befinden sich leider alle Mitarbeiter in Kurzarbeit. Jeder unserer tollen Mitarbeiter hat die Situation mit Verständnis aufgenommen und ich hoffe, dass wir die Kurzarbeit bald wieder deutlich reduzieren können.“

Die Firma Szenenwerk aus Bork beteiligt sich an der Night of light, um auf die kritische Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen.

Die Firma Szenenwerk aus Bork beteiligt sich an der Night of light, um auf die kritische Lage der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen. © Arndt Brede

Welche Veranstaltungen sind ausgefallen oder fallen aus, an denen Szenenwerk mitgewirkt hätte? Neßlers Antwort: „Für uns sind viele Dutzend Projekte ausgefallen. Jubiläen, Sommerfeste, Kongresse, Messen und vieles mehr. Dazu gehören beispielsweise Kongresse für Edeka, Vertreterversammlungen für verschiedene Banken.“ Auch Veranstaltungen im Maritim Hotel in Düsseldorf, Firmenveranstaltungen jeglicher Art beispielsweise für die Firma Remondis seien ausgefallen. „Besonders trifft uns die Absage aller Messeveranstaltungen. Beispielsweise betreue Szenenwerk auf der Fitnessmesse Fibo in Köln einige Aussteller. Aber auch von der Absage beispielsweise der Intermodellbau sei die Firma betroffen.

Das Verbot für Großveranstaltungen ist vom 31. August auf Ende Oktober verlängert worden. Wie genau trifft das die Firma Szenenwerk? Dennis Neßler dazu: „Die Definition von ,Großveranstaltungen‘ ist noch nicht genau festgelegt worden. Da wir als Full-Service-Dienstleister im Bereich Beschallungs-, Beleuchtungs-, Video- und LED-Technik sowie Bühnen-, Set- und Messebau in erster Linie auf Industrie- und Unternehmensveranstaltungen bis etwa 2000 Personen spezialisiert sind, hoffen wir, dass die Definition so ausgelegt wird, dass wir trotzdem einige Veranstaltungen wieder durchführen können.“

Die ganz großen Veranstaltungen wie große Festivals oder Konzerte mit zehntausenden Besuchern etc. gehören ohnehin nicht zum Szenenwerk-Hauptportfolio. Darüber hinaus sei die Durchführung von Messen unter gewissen Auflagen wieder erlaubt. „Große Hoffnungen setzen wir in die Monate November und Dezember, in die viele unserer Kunden Ausweichtermine für Veranstaltungen und Messen gelegt haben.“

„Es ist ein Wahnsinn was da passiert.“
Dennis Neßler, Geschäftsführer der Szenenwerk GmbH & Co.KG

Welche Effekte konkret erhoffen sich Neßler und seine Mannschaft von der Aktion Night of light? „Nach derzeitigem Stand machen bei der Night of Light über 4000 Veranstaltungstechnikunternehmen in Deutschland mit, die etwa 5000 bis 8000 Gebäude beleuchten werden. Unser Ziel ist es, mit der Politik im Rahmen eines Branchendialogs ins Gespräch darüber zu kommen, wie die milliardenschwere, extrem heterogene Branche der Veranstaltungswirtschaft vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von bundesweit mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen gesichert werden kann.“

Darüber hinaus hoffe das Unternehmen, „uns lokal und regional auch bei unseren Kunden wieder zurückzumelden, um zu signalisieren, dass wir bereit stehen und uns auf die ersten Veranstaltungen freuen“.

Wie lange kann das Unternehmen durchhalten? „Wir sind derzeit noch so gut ausgestattet, dass wir bis Ende des Jahres klarkommen. Spätestens dann müssen Veranstaltungen und Messen aber wieder durchführbar sein, ansonsten sehe ich für die Branche schwarz. Viele Mitbewerber werden wahrscheinlich noch nicht einmal bis dahin kommen. Es ist ein Wahnsinn, was da passiert.“