Coronavirus: Was passiert eigentlich, wenn man sich im Restaurant ansteckt?

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Wer im Restaurant essen geht, gibt aktuell seine Daten ein. Zum Schutz gegen die Verbreitung des Coronavirus. Doch was passiert eigentlich, wenn sich jemand wirklich angesteckt hat?

Selm

, 10.07.2020, 20:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Ausbruch des Coronavirus gibt es inzwischen wieder mehr Lockerungen. Seit einigen Wochen dürfen zusätzlich zu den Restaurants auch die Kneipen wieder öffnen. Doch was passiert eigentlich, wenn sich ein Gast mit Corona angesteckt hat? Wie wird verfahren?

Astrid Vogt, Inhaberin des Restaurants Zum Alten Feld in Selm, weiß es nicht genau. „Wir müssen dann unsere Listen weitergeben. Und die betreffenden Personen werden eben vom Gesundheitsamt kontaktiert“, vermutet sie. Sie sei angehalten, die Listen, auf denen die Kontaktdaten jedes Gastes registriert sind, jederzeit bereit zu stellen. Fragt keiner danach, werden sie geschreddert und von einer Entsorgungsfirma abgeholt.

„Bis jetzt ist uns nichts bekannt“

„Aber wie man erfährt, dass sich einer ihrer Gäste mit dem Virus angesteckt hat, weiß ich nicht genau“, sagt sie. Seit der Wiedereröffnung des Restaurants sei das auch noch nicht vorgekommen.


Wilhelm Heitmann, Inhaber des Jakobsbrunnen, hat sein Lokal erst seit wenigen Tagen wieder geöffnet. Den Abschluss der Bauarbeiten an der Südkirchener Straße hatte er noch abwarten wollen und auch die Senkung der Mehrwertsteuer. „Die Gäste kommen wieder, damit sind wir gut zufrieden“, sagt er. Nur die großen Gesellschaften für die Jakobs Hütte, die auch zur Gaststätte gehört, blieben noch aus. Die Frage, wie verfahren wird, wenn sich einer seiner Gäste mit dem Virus infiziert hat, kann aber auch er nicht beantworten. „Wir wurden darüber nicht informiert, bis jetzt ist uns da nichts bekannt.“

Nachverfolgung ist Sache des Kreis-Gesundheitsamtes

Und auch Miriam Skroblies, Pressesprecherin des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales schreibt auf Anfrage: „Das kann von hier pauschal nicht beantwortet werden, da dies von den Gegebenheiten vor Ort abhängt.“ Man solle sich an die örtliche Gesundheitsbehörde wenden.

Dort nachgehakt bringt Constanze Rauert, Pressesprecherin des Kreises Unna Licht ins Dunkel: „Wird eine Person positiv auf Corona getestet, muss das auswertende Labor das Ergebnis der Gesundheitsbehörde melden“, erklärt sie. „Die Mitarbeiter ordnen dann zum einen Quarantäne an, die von den zuständigen Ordnungsämter kontrolliert wird, zum anderen beginnen sie mit der Ermittlung von Kontaktpersonen.“ In der vom Land NRW ausgegebenen Corona-Schutzverordnung ist nicht genau geregelt, wer bei der Rückverfolgung kontaktiert werden muss.

Ermittlung des Infektionsrisikos
Corona in Kneipen und Restaurants

Ordnungsamt kontrolliert Einhaltung der Schutzvorschriften

  • Die Kneipen und Restaurants werden stichprobenartig durch das Ordnungsamt kontrolliert. Es wird überprüft, ob die geforderten Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Auch Astrid Vogt hatte im Zum Alten Feld schon einige Besuch durch die Ordnungshüter, die beispielsweise den Abstand der Tische nachgemessen haben.
  • Dabei wurden Verstöße kleinerer Art festgestellt, wie Stadtsprecher Malte Woesmann angibt, zum Beispiel falsches Tragen des Mund-Nasen-Schutzes. Auf ein Ordnungsgeld konnte aber in jedem Fall verzichtet werden.
  • Die fristgerechte Vernichtung der Anwesenheitsliste wird laut Woesmann nicht kontrolliert. Die obliege den Gastronomen.

„Wir schauen uns grundsätzlich den Einzelfall an. Dabei ist es wichtig, dass sich der Infizierte möglichst genau erinnert, wo er gewesen ist, wen er getroffen oder an welchem Tisch er in einem Restaurant saß“, sagt sie.

War die infizierte Person Gast in einem Restaurant, einer Kneipe oder auch einem Friseur, fordert die Kreisbehörde die Listen an, in die sich jeder hatte eintragen müssen. In Kategorie I bei den Kontaktpersonen fällt, wer 15 Minuten lang Face-to-Face-Kontakt mit der infizierten Person hatte, zum Beispiel mit ihr an einem Tisch saß.

Diese Personen werden umgehend von den Behörden kontaktiert, müssen sich auf das Coronavirus testen lassen und bei positivem Ergebnis in Quarantäne.

Kontaktpersonen der Kategorie II, also Menschen, die am Tisch dahinter saßen oder denen man auf dem Weg zur Toilette begegnete, werden ebenfalls von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes angerufen.

Sind sie ohne Symptome, müssen sie sich nicht einmal testen lassen. Constanze Rauert sind jedoch bislang keine Fälle aus dem Kreis Unna bekannt, bei denen die Kontaktlisten schon zum Einsatz kamen.

Astrid Vogt jedenfalls hofft, dass die Maskenpflicht abseits der Tische noch eine Weile bestehen bleibt. „Das schützt uns glaube ich sehr gut“, sagt sie.

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