18.000 Postsendungen hat die Kirchengemeinde St. Ludger fertig gemacht und wird sie in den nächsten Tagen verschicken. © Kirchengemeinde St. Ludger
Briefe

Darum bekommen tausende Selmer bald Post von der Kirche

Die Pfarrgemeinde St. Ludger in Selm hatte in den vergangenen Tagen einiges zu tun. Tausende Briefe mussten eingetütet und verschickt werden. Mit der Aktion will die Gemeinde etwas Neues probieren.

Die Stapel mit den Briefen messen einige Meter. Kein Wunder. Schließlich sind es über 18.000 Briefsendungen, die freiwillige Helfer der katholischen Pfarrgemeinde St. Ludger am Sonntag und Montag eingetütet und bereit für den Versand gemacht haben. Einige Stunden hat das gedauert, erklärt Pfarrer Claus Themann.

Viel Mühe. Allerdings möchte die Gemeinde zur Kirchenvorstands- und Pfarreiratswahl am 6. und 7. November einen neuen Weg gehen. Sie setzt komplett auf Briefwahl. „Grundsätzlich gab es die Briefwahl auch vorher schon, man musste sich aber vorher dafür anmelden“, erklärt Claus Themann. Alle anderen mussten sich auf den Weg zur Wahlurne machen.

Manche Gemeindemitglieder erhalten einen Brief – die meisten zwei

Nun verschickt die Gemeinde eigenverantwortlich Sendungen an die 9.000 bis 9.5000 Wahlberechtigten. Die Zahl schwankt deshalb, weil es eine Sendung für den Pfarreirat und eine weitere für den Kirchenvorstand gibt. Für den Pfarreirat dürfen bereits Gemeindemitglieder ab 14 Jahren wählen, für den Kirchenvorstand Gemeindemitglieder ab 18. Wer also zur Gemeinde gehört und über 18 Jahre alt ist, wird in den kommenden Tagen zwei Briefumschläge der Gemeinde im DinA4-Format erhalten. „Wir haben uns überlegt, wie wir alle Gemeindemitglieder erreichen können“, sagt Themann. Und so sei die Wahl auf die Briefwahl gefallen.

Die Stapel mit den Briefsendungen sind lang.

Bis Mitte nächster Woche sollen die Briefsendungen eingetroffen sein, sagt Claus Themann. Der Pfarrer geht auch deshalb an die Presse, weil er sichergehen möchte, dass die Briefe wahrgenommen werden und nicht im Papierkorb landen, weil die Gemeindemitglieder nicht damit rechnen, Post der Kirche zu erhalten.

Gemeinde hofft auf höhere Wahlbeteiligung

Von dem großen Aufwand verspricht sich die Gemeinde vor allen Dingen eine höhere Wahlbeteiligung. Bei den letzten Kirchenvorstandswahlen vor drei Jahren hatten lediglich 5,3 Prozent der Stimmberechtigten tatsächlich ihre Stimme abgegeben, erklärt Themann. Durch die Pandemie sei es in den Kirchen etwas leerer geworden. Durch die Briefwahl hofft die Gemeinde, das wieder auffangen zu können. „Es ist aber auch ein Test“, sagt Themann. Die Gemeinde möchte herausfinden, ob sie auf diesem Weg generell mehr Menschen für die Wahlen mobilisieren kann.

Den Wahlunterlagen ist auch Infomaterial beigelegt. © Themann © Themann

Mit einer astronomisch hohen Beteiligung von 50 Prozent rechnet der Pfarrer nicht, „aber 20 Prozent wären schon gut“, sagt er. Ob die Gemeinde aber auch bei der nächsten Wahl diesen Weg gehen wird, das weiß Themann noch nicht. Das hänge davon ab, wie hoch die Beteiligung am Ende ausfalle. Schließlich sei der Aufwand enorm. 30 Helferinnen und Helfer hatten dabei geholfen, die Wahlbriefe für den Versand fertig zu machen, etwa 40 werden es wohl am Ende sein, die beim Auszählen der Stimmen helfen.

Unterlagen per Post verschicken oder im Briefkasten des Gemeindebüros einwerfen

Wer seinen Brief erhalten und abgestimmt hat, kann diesen dann ganz normal – und rechtzeitig – in den Briefkasten der Post werfen. Eine andere Möglichkeit ist, den Brief bis zum 7. November bis morgens um 9 Uhr in den Briefkasten bei einem der drei Gemeindebüros der Gemeinde einzuwerfen.

Der Kirchenvorstand ist das Leitungsgremium einer Gemeinde, gemeinsam mit dem Pfarrer und anderen Hauptamtlichen und entscheidet zum Beispiel über Anschaffungen für die Kirche. Der Pfarreirat soll helfen, das Gemeindeleben so mitzugestalten, damit die Kirche im Leben der Gemeindemitglieder präsent ist.

Die beiden Wahlen sind übrigens nur selten gleichzeitig. Die Wahlen zum Kirchenvorstand finden alle 3 Jahre statt, die zum Pfarreirat alle vier Jahre. Alle 12 Jahre finden sie also zeitgleich statt.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder