Darum sind zwei Borker Politiker zurückgetreten

Querelen in den Parteien

Die Schließung der letzten Gaststätte im Borker Zentrum beschäftigt auch die Politik. Eine nichtöffentliche Versammlung aller interessierter Borker Mitte Dezember – Ratsmitglieder aus anderen Ortsteilen waren nicht eingeladen – schlägt über die Parteigrenzen hinweg hohe Wellen. Jetzt gab es zwei Rücktritte.

SELM/BORK

, 09.01.2017, 19:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christian Dieckmann (CDU), Ratsmitglied aus Bork, tritt nicht nur von seinem Ratsmandat, sondern von sämtlichen Ämtern in der CDU zurück. „Unterschiedliche Ansichten und Reaktionen des Stadtverbandsvorsitzenden ließen für mich auf Dauer leider keinen anderen Schritt zu“, sagte Rechtsanwalt Diekmann. Angesprochen sei der Politiker Michael Zolda.

Diekmann räumte ein, dass die Versammlung in Bork eine Ursache für das Zerwürfnis gewesen sei: „Dass sich Anwohner aus dem Stadtteil Bork für ihren Dorfkern einsetzen – und ich zähle mich auch dazu – halte ich für absolut legitim. Einige Reaktionen waren aus meiner Sicht überzogen und deplatziert.“

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Diekmann geht davon aus, dass ein CDU-Mitglied aus Bork in den Rat nachrücken werde. Der Name stand am Freitag noch nicht abschließend fest. Dadurch bleibe „die entsprechende Einflussmöglichkeit gewahrt, um insbesondere auch die Interessen für den Stadtteil Bork weiterhin zu vertreten“.

Querelen auch im Stadtverband der SPD

Im Stadtverband der SPD gibt es zuvor ebenfalls Querelen. Der Vorsitzende des Stadtverbands, Stefan Kühnhenrich, ist bereits zurückgetreten. Auch er wirft dem Stadtverband mangelnde Solidarität und wenig Interesse für Borker Ideen vor. Seine Stellvertreter im Stadtverband reagierten ziemlich überrascht auf den Rücktritt.

„Es hängt auch an beruflichen Dingen“, sagte Kühnhenrich auf Anfrage der Redaktion zu den Gründen, warum er sein Amt niedergelegt hat. Doch auch Unstimmigkeiten hätten eine Rolle gespielt, so Kühnhenrich. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, sagte er. Ideen aus dem Borker Ortsverein der SPD, dessen Vorsitzender Kühnhenrich ebenfalls ist und bleibt, hätten im Stadtverband nicht genügend Gehör gefunden.

Dabei geht es ihm wohl ebenfalls um die Versammlung bei der die Borker über die Folgen der Schließung von Alt Bork diskutierten und eine Arbeitsgemeinschaft gründeten, um ihre Ideen weiter auszuarbeiten. Von zwei Tagen nach der Veranstaltung datiert das Schreiben, mit dem Kühnhenrich der SPD seinen Rücktritt als Stadtverbandsvorsitzender mitteilt. Einen Zusammenhang möchte Stefan Kühnhenrich auf Nachfrage aber nicht bestätigen.

Vorsitzender überrascht und irritiert

Überrascht und irritiert reagierte Thorsten Hoppe, stellvertretender Vorsitzender im Stadtverband der SPD. Er kenne nur das kurze Schreiben Kühnhenrichs. „Was für Hintergründe das hat, weiß ich nicht“, sagt Hoppe auf Anfrage. „Die Zusammenarbeit war immer gut“, sagt er über die Verständigung zwischen dem Borker Ortsverein und dem Stadtverband.

Deutlicher wird Jutta Steiner, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende im Stadtverband. Wenn die Ideen des Borker Ortsvereins im Stadtverband nicht genug beachtet worden wären, hätte Kühnhenrich als Vorsitzender des Stadtverbands es doch in den Händen gehabt, das zu ändern, sagt Jutta Steiner. Auch sie will nichts von Problemen zwischen Ortsverein und Stadtverband mitbekommen haben.

Am 16. Januar trifft sich der SPD-Stadtverband nun zu einer außerordentlichen Sitzung, um über den Rücktritt zu sprechen. Die nächste Wahl eines Vorsitzenden hätte im Herbst angestanden.

 

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