Das Borker Schützenkönigspaar im Interview

In vertauschten Rollen

Das ist mal ein anderes Interview mit dem Borker Schützenkönigspaar: Wir stellen die Fragen und die Hoheiten Christoph Cortner und Julia Welej antworten. Was daran besonders ist? König und Königin versuchen jeweils im Sinne des anderen zu antworten. Ob das klappt und vor allem, ob dabei alles so stimmt?

Bork

, 25.08.2015, 14:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Borker Schützenkönigspaar im Interview

Christoph Cortner und Julia Welej sind seit einem Jahr das Schützenkönigspaar von Bork.

Los geht es: Frau Welej, warum hat ein junger Mensch wie Ihr Freund Christoph eigentlich den Wunsch, Schützenkönig zu werden?

Julia Welej: Wenn man in einer Familie groß wird, in der jeder im Schützenverein ist oder war, ist der Gedanke, dass man auch mal da oben stehen könnte, den Vogel runterholen könnte, schon ein ganz tolles Gefühl. Aber grundsätzlich haben die Jungs von der Throngemeinschaft das, glaube ich, gemacht, um zehn Jahre lang zu sparen – wir können mal eine Radtour machen, wir können mal knobeln, wir können mal kegeln und wir haben eigentlich immer einen Grund, um einen zu trinken und sind in der Gemeinschaft zusammen. Ich glaube das ist immer noch der Gedanke, oder?

Gibt es da etwas hinzuzufügen, Herr Cortner?

Christoph Cortner: Eigentlich ist das schon richtig – passt schon. Vielleicht noch: Mich hat damals als Kind auch schon immer das Bild der Schützen mit Kette und Uniform sehr beeindruckt. Das war immer ein tolles Bild. Das war auch ein Beweggrund, warum ich bei uns in der Throngemeinschaft mitgemacht habe.

Apropos Throngemeinschaft: Sie, Herr Cortner, haben sich vor zehn Jahren gemeinsam mit acht anderen Borker Jungs in einer Throngemeinschaft zusammengetan und seitdem für die Königswürde 2014 gespart. Eine Frage an die Königin mit Antwort vom König: Wie war es denn, als Frau zu so einer Gemeinschaft zu stoßen?

Christoph Cortner: Als wir uns kennengelernt haben, habe ich sofort gesagt, Julia, pass auf, es gibt da so einen Masterplan 2014. Da sagte sie, wenn du das machen willst, dann werde ich dich dabei sicherlich auch unterstützen.

Julia Welej: Du kannst aber auch gerne von dem Familientag erzählen, bei dem wir Mädels uns alle kennenlernen durften.

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Christoph Cortner: Ja, wir hatten uns die ganze Zeit nie mit den Frauen getroffen – es war immer eine reine Männerrunde. Als das Schützenfest dann näher rückte, dachten wir: Scheibenkleister, jetzt müssen sich die Frauen ja auch langsam mal kennenlernen. Ende vom Lied war, dass wir ein Familienfest gemacht haben. Dazu gehörte auch ein Throngemeinschaftsschießen – bei dem die Frauen auch mitgemacht haben. Und Julchen hat dabei den Vogel abgeschossen.

Julia Welej: Ich hab‘ die Weichen gestellt...

Wenn nächstes Wochenende Biwak ist, sind Sie genau bei der Halbzeit Ihrer Amtszeit angekommen. Was von dem Traum, König zu sein, ist denn wahr geworden, was war vielleicht nicht so positiv? Das war jetzt wieder eine Frage an den König, also antwortet die Königin...

Julia Welej: Ich glaube, für den König hat sich der Traum erfüllt. Aber er merkt auch so langsam, dass da auch schon ganz schön viel Verantwortung dazukommt – auch in Richtung Vorbildfunktion. Er ist stolz, weil auch viele Jungschützen kommen und fragen, wie wir das denn so machen. Sie sehen durch uns, dass es möglich ist, auch in jungen Jahren Schützenkönig zu sein. Und Schützenkönig zu sein, ist glaube ich schon etwas Besonderes. So erlebe ich das zumindest gerade hier in Bork.

Wie hat Julia Welej denn wohl den Moment erlebt, als der Vogel runterkam und klar war, dass sie Königin wird?

Christoph Cortner: Im ersten Moment, glaube ich, wusste sie gar nicht so richtig, was sie erwartet. Vor dem Schießen hatten wir noch telefoniert und ich hatte ihr gesagt, ich mach ernst, ich schieß da mit. Also das wusste sie. Aber sonst waren die Frauen nicht so vorbereitet. Jede hatte ein schickes Kleid rausgehängt, das schon. Für den Fall der Fälle hatten wir Jungs alles vorbereitet. Die Frauen mussten einfach nur da sein und...

Julia Welej: ... gut aussehen. Es stimmt: So ganz wusste ich in dem Moment noch nicht, was da auf mich zukommt. Nach einem Jahr Regentschaft ist es ja noch zu früh für einen Rückblick. Mit dem Biwak soll der Höhepunkt Ihrer Regentschaft ja eigentlich noch kommen.

Wie laufen die Vorbereitungen für die Großveranstaltung, die Sie beide ja planen?

Christoph Cortner: Nein, die ganze Throngemeinschaft plant das! Wir alle zusammen. Deshalb ist das Motto auch „Wir sind König“. Die 18 Leute, die zum Thron gehören, sind alle König.

Julia Welej: Vor allem natürlich die Jungs, die zehn Jahre lang dafür gespart haben. Deshalb auch das Motto: Vor zehn Jahren wollten alle König werden und jetzt hat ihn Christoph zwar runtergeholt, aber im Herzen sind alle König.

Was gibt es bei einem Biwak eigentlich alles zu organisieren? Ist das nicht jedes Jahr das gleiche?

Christoph Cortner: Nein. Eigentlich ist zwar immer klar, dass das Biwak am Feuerwehrgerätehaus stattfindet. Aber es ist nicht selbstverständlich. Das heißt, man muss schon die Feuerwehr, den Bürgermeister, den Verein und so weiter fragen. Und man muss das ganze Drumherum organisieren – die Verpflegung, den DJ, den Bierwagen, Toilettenwagen, Kühlwagen und Werbung und so weiter und so weiter. Und das macht alles die Throngemeinschaft. Unterstützung bekommen wir aber auch viel vom Verein, der uns zum Beispiel viele Formalien abnimmt.

Zurück zu unserem Vorhaben: Aus Sicht der Königin, warum können Frauen beim Biwak eine gute Zeit haben?

Christoph Cortner: Es gibt zum Beispiel Cocktails oder Reibekuchen mit Lachs...

Julia Welej: ... und viele schöne Männer in Uniform.

Christoph Cortner: Nein, Julchen, du musst die Männersicht sagen.

Julia Welej: Ja, für Männer gibt es natürlich auch viel flüssiges Glück.

Christoph Cortner: Und davon mal ab, Letzenendes wird es wie immer wahrscheinlich eine super harmonische Veranstaltung. Wichtig ist, dass am Abend die Stimmung gut ist und dass wir unsere Halbzeit gut feiern können.

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