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Kann man bei Suer gut essen? Ja, kann man. Im Restaurant-Check haben wir das Selmer Gasthaus getestet. Und waren von der Speisekarte positiv überrascht.

Selm

, 30.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Wir quatschen munter, als wir an einem Dienstagabend Gasthaus Suer betreten. Meine Begleitung Jenni Uhlenbruch, eine Kollegin und Freundin von der Dorstener Zeitung, und ich haben uns lange nicht gesehen, und jeweils gerade einen relativ vollen Arbeitstag hinter uns. Heißt: Wir haben erstens sehr viel zu besprechen. Und zweitens einen Riesen-Hunger. Im Gasthaus Suer sind wir - so viel schon mal vorweg - für beides genau zum richtigen Ort gekommen.

Das Gasthaus ist noch eine richtig gemütliche Kneipe mit Theke und Barhockern. Und vor allem mit jeder Menge Besuchern, die diese Hocker auch an einem Dienstagabend ganz selbstverständlich besetzen. Man kennt sich offensichtlich hier - und trotzdem haben alle ein Lächeln für uns „Fremde“ übrig, als wir mit einem kleinen Fragezeichen im Gesicht nach einem Tisch Ausschau halten.

Wirtin Mary Suer, eine gebürtige Irin, wie wir später noch erfragen werden (Journalistinnen sind halt neugierig), lächelt uns zu und schickt uns in den Veranstaltungsraum. Ich wundere mich zwar kurz, gehe dann aber in die Richtung. Als ich die Musikinstrumente und die offensichtlich geschlossene Gesellschaft sehe, die sich da gerade versammelt, drehe ich mich wieder um. „Wir wollten eigentlich nur etwas essen“, sage ich zu Mary Suer, die uns fälschlicherweise der Kulturveranstaltung zugeordnet hatte. Sie lacht - und so tut es auch die ganze Theke. Das Eis - wäre jemals welches da gewesen - wäre spätestens in diesem Moment gebrochen.

In dem gemütlichen Schankraum mit den erhöhen Bänken und Tischen finden Jenni und ich dann einen Tisch in der Ecke. Die freundliche Bedienung ist schnell bei uns, wir bestellen ein Bierchen und eine Apfelschorle. Der Abend zum Quatschen und zum Schlemmen kann losgehen.

Die Auswahl:

Ehrlich gesagt hatte ich - obwohl ich Selmerin (genau Borkerin) bin - anfangs meine Zweifel, ob es bei Suer überhaupt einen Restaurant-Betrieb gibt. Klar weiß ich, dass dort viele Veranstaltungen wie Klassentreffen, Hochzeiten oder Geburtstage stattfinden und dass es da auch immer etwas zu essen gibt. Aber ob es abends neben dem Kneipengeschäft auch eine Spiesekarte gibt, da war ich im Vorfeld unsicher. Entsprechend überrascht bin ich, als eine umfangreiche Karte auf dem Tisch liegt.

Hausgemachte Suppen stehen darauf, Baguettes, die frisch aus dem Ofen kommen, Gartensalate mit Pizzabrötchen und Appetizer wie gebackener Camembert oder Fetakäse. Jenni und ich können uns schon bei der Vorspeise schwer entscheiden und beschließen, uns Feta und Camembert schwesterllich zu teilen.

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

© Marie Rademacher

Auch für die Hauptspeise gibt es viele Optionen: Es gibt Hähnchenfilet vom Grill in verschiedenen Variationen, es gibt Deftiges aus der Altstadtküche, aber auch Nudelgerichte, verschiedene Schnitzel, Flammkuchen, Fischgerichte und sogar Pizza aus dem Steinofen. Jenni nimmt das Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. Und ich hadere. Einerseits gibt es eine gute Auswahl an Gerichten ohne Fleisch - ich bin Vegetarierin. Andererseits ist mir inmitten dieser gemütlichen Atmosphäre irgendwie auch nach urigem, deftigen Essen. Kein Problem im Gasthaus Suer: Die deftigen Bratkartoffeln kann ich „selbstverständlich“, so die Kellnerin, auch ohne Speck bekommen. Dazu gehören zwei Spiegeleier und Salat. Den Münsterländer Bauernschinken bitte ich einfach wegzulassen. „Kein Problem.“

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

Gebackener Camembert mit Salat und kleinen Brötchen schmeckt uns richtig gut. © Marie Rademacher

Das Essen:

Wie gesagt: Wir haben einen Tag voll Arbeit hinter uns. Und auch wenn die am Schreibtisch und nicht auf der Baustelle stattfand, haben wir richtigen Feierabend-Hunger. Die beiden gebackenen Käsesorten sind da genau das richtige. Herzhaft, außen knusprig, innen schön heiß und weich - beides ist richtig lecker. Und ziemlich sättigend. Die Portionen sind üppig, vielleicht auch nicht unbedingt als Vorspeise, sondern eher als Alternative für Gäste gedacht, die nur kleinen Hunger mitgebracht haben. Wir essen dennoch alles auf.

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

Die vegetarische - oder besser vegetarisierte - Vorspeise. Bratkartoffeln mit Spiegelei. © Marie Rademacher

Das ist auch der Grund, warum wir beim Hauptgang nicht alles schaffen. Bratkartoffeln und Spiegelei bei mir sind eine ordentliche Portion und es ist genau das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Lecker.

Jennis Statement zu ihrem Hauptgericht: „Die Schnitzel könnten dünner sein, sind aber schmackhaft angebraten. Die Bratkartoffeln waren gut gewürzt und kross gebraten.“ Außerdem resümiert sie: „Im Gasthaus Suer gibt es genau das Essen, das man erwartet. Deftig, bodenständig, keine Sperenzkes. Dennoch werden die Speisen liebevoll angerichtet mit fein geschnittenen Radieschen-Scheiben auf dem Salat, die Bedienung ist herzlich und umsorgend, der Gastraum urig.“

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

Jennis Wahl: Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. © Marie Rademacher

Kleiner Kritikpunkt für uns beide: Es gibt kein Dessert. Zumindest steht keins auf der Karte. Auf Nachfrage aber bekommt Jenni ein Eis. Das ist „lecker frisch und nicht kristallisiert“, sagt Jenni.

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

Desserts stehen zwar eigentlich nicht auf der Speisekarte - auf Nachfrage gibt es mit einem Eis für uns aber doch noch einen süßen Abschluss des Abends. © Marie Rademacher

Die Preise:

Die Preise sind im Gasthaus Suer absolut in Ordnung. Mein Hauptgericht kostet 8,50 Euro, das Wiener Schnitzel 10,50 Euro. Die üppigen Vorspeisen kosten je 6,90 Euro - auch da kann man nicht meckern. Insgesamt zahlen wir mit Getränken am Ende für alles zusammen 45,40 Euro. Ein guter Preis, finden wir.

Der Service:

Ein absoluter Pluspunkt im Gasthaus Suer ist der gute, freundliche Service. Und die Herzlichkeit, die gerade Mary Suer ausstrahlt. Weil uns ihr Akzent auffällt, fragen Jenni und ich nach, wo sie denn wohl herkommt. Und freimütig erzählt uns die gebürtige Irin von ihrer Heimat. Vor rund 30 Jahren hat sie sie - der Liebe wegen - verlassen und danach zusammen mit ihrem Mann Stefan Suer das Gasthaus übernommen, das schon viele, viele Jahre im Besitz der Suers ist. Kleine Details in der Kneipe und auch auf der Speisekarte (es gibt Chips an Fisch „the irish way“) erinnern aber an die Heimat der Wirtin.

Das Gasthaus Suer in Selm: Gesellige Kneipen-Atmosphäre und gutes, deftiges Essen

Mary und Stefan Suer führen das Gasthaus in der Selmer Altstadt. © Marie Rademacher

Die Atmosphäre:

Die Stimmung im Gasthaus Suer ist urgesellig. Typisch Kneipe. Selbst an einem Dienstagabend ist viel los. Im Sommer gibt es zusätzlich einen Biergarten.

Das sagt das Netz:

Auch bei Bewertungen im Internet kommt das Gasthaus Suer gut weg: Die nette Bedienung wird gelobt, ebenso das Essen. 4,7 Sterne von 5 möglichen bekommt die Kneipe von den Facebook-Usern.

Restaurant-Infos:

Das Gasthaus Suer ist an der Ludgeristraße 90. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 17 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag bis 1 Uhr. Sonntag und Montag sind Ruhetage.

Tel. (02592) 1067

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freuden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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