Das ist dran an Gerüchten über Flüchtlinge in Bork

Was ist wirklich wahr?

Die Flüchtlingssituation verändert die Arbeit in unserer Redaktion. Es ist das Mega-Thema und beschäftigt uns jeden Tag. Seit es die Notunterkunft in Selm-Bork gibt, sind es auch Gerüchte, die an uns herangetragen werden. Wir haben die bekanntesten gesammelt - und sagen, was dran ist.

Selm-Bork

, 23.09.2015, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das ist dran an Gerüchten über Flüchtlinge in Bork

In den Wohnzelten der Einrichtung in Selm-Bork können derzeit bis zu 1000 Asylbewerber untergebracht werden. Auch wenn es andere Gerüchte gibt: Diese Obergenze wurde bislang noch lange nicht erreicht.

Gerücht 1: Die Flüchtlinge bringen Krankheiten mit - immerhin stand die Zeltstadt kurz nach der Eröffnung unter Quarantäne.  Fakt ist: Am 2. September sind bei einem Kind Windpocken diagnostiziert worden. Daraufhin reagierte das Rote Kreuz, schottete das Wohnzelt des Kindes zunächst ab und versorgte es mit den nötigen Medikamenten. Bei einer weiteren Person gab es einen Verdacht auf Windpocken. Daraufhin war das Gesundheitsamt vor Ort und sagte, die Infektion sei grundsätzlich eher unbedenklich. Gemeinsam hob man die Abschottung des Zeltes auf, nahm das erkrankte Kind und die Person mit Windpocken-Verdacht in Quarantäne und impfte dann alle Bewohner binnen zwei Tagen gegen Windpocken. Der Kreis Unna stoppte auch den Ein- und Ausgang in die Zeltstadt für zwei Wochen. Das Ausgehverbot der Bewohner wurde dann nach vier Tagen wieder beendet.

 

Gerücht 2: In der Altstadtschänke soll es Probleme mit Borker Flüchtlingen bei einer Abendveranstaltung an einem der vergangenen Wochenenden gegeben haben. Es hieß, Türsteher und die Polizei hätten einen Vorfall mit zwei Asylbewerbern klären müssen. Anschließend habe die Polizei die Täter nach Bork zur Notunterkunft gebracht. Und die Ruhr Nachrichten hätten gesagt, darüber würde nicht berichtet. Unsinn! Wir haben nachgehört bei Betreiber Jörg Hausner: In der Tat habe es etwas Ärger gegeben, es habe sich dabei allerdings um Auswärtige aus Lüdinghausen und Dresden gehandelt, sagte er uns. Die beiden Herren haben nun Hausverbot, damit ist das Thema durch. 

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Gerücht 3: Flüchtlinge machen sich in Geschäften die Taschen voll und gehen dann, ohne zu bezahlen. Faktisch also: Diebstahl. Wir haben mehrere Kaufleute in Bork mit diesen unkonkreten Vorwürfen konfrontiert. Alles gut - so lautete die Antwort .

 

Gerücht 4: Vergangenes Wochenende hat es am LAFP einen großen Rettungseinsatz gegeben - machen die Flüchtlinge dort Randale? Der wirkliche Grund für den Einsatz: Es rauchte aus einer Verteilerdose in der LAFP-Kantine – und das hat wahrlich mit der umzäunten und hinter dem Hallenbad gelegenen Zeltstadt nichts zu tun.

 

Gerücht 5: Flüchtlinge belästigen Mädchen und Frauen aus Bork. Ein Belästigungsvorwurf wurde geäußert – wir wissen gar nicht genau, von wem und wann das war. Aber er wurde an uns herangetragen. Eine Facebook-Nutzerin habe geschrieben, sie sei von einem Asylbewerber belästigt worden, hieß es. Wir ließen uns ihren Namen und ihre Telefonnummer geben, sprachen mit ihr. Sie sagte, sie sei angesprochen worden, allerdings nicht belästigt. Und sie könne nicht sagen, ob das ein Bewohner der Zeltstadt gewesen sei.

Gerücht 6: In der Zeltstadt leben viel mehr Flüchtlinge als die angegebenen 1000! Es seien zurzeit ja viel mehr als die eigentlich maximalen 1000 Menschen in der Zeltstadt in Bork untergebracht – von 3000 war sogar an einer Stelle die Rede. Dauernd werde gelogen - die Behörden, die Polizei, die Presse. Was wirklich stimmt: Es waren Ende vergangener Woche laut Aussage der Bezirksregierung 830 Personen, mehr als 1050 Plätze gibt es in Bork auch (bisher) nicht. Wir ahnen, was Grund für dieses Gerüchte sein könnte: Es gibt Busbewegungen in Bork. Am Dienstag (22. September) zum Beispiel sind in aller Frühe drei Busse an der Notunterkunft vorgefahren. Es handelte sich aber keineswegs um einen Zuzug von Asylsuchenden in der Unterkunft, sondern um einen Transfer nach Greven. Dort, am Flughafen Münster/Osnabrück, ist seit Dienstag die zentrale Registrierungsstelle für Flüchtlinge, die das Münsterland erreichen. 150 Menschen aus der Zeltstadt am LAFP kamen am Morgen um 8 Uhr in Greven an und fuhren nach einem Frühstück dort mittags nach erledigter Registrierung zurück nach Bork. Die "Westfälischen Nachrichten" berichten hier, was in Greven passiert.  

 

Übrigens und abschließend: Die Kreispolizei in Unna sagt, bis dato gebe es keinerlei Auffälligkeiten über Häufungen von Straftaten im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften. 

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