Das sagen Borker Einzelhändler über Flüchtlinge

Seit vier Wochen in Zeltstadt

1000 Menschen, die vor Krieg oder Armut geflohen sind, leben nun seit vier Wochen in der Borker Zeltstadt. Ein Blick in den Ort zeigt, wie die Flüchtlinge das Straßenbild mitprägen. Wir haben die Einzelhändler gefragt, welche Erfahrungen sie mit den neuen Mitbürgern gemacht haben.

BORK

, 22.09.2015, 05:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Insgesamt scheinen sich die Einzelhändler im Ort einig zu sein: Die Flüchtlinge in der Zeltstadt sind freundlich und nett. "Ich hatte überhaupt kein Theater", sagt Renald Vocke, Inhaber des Kiosks an der Waltroper Straße, "Auch, wenn es vielen nicht passt, kann ich nur sagen, dass das alles sehr nette Zeitgenossen sind". Die Menschen würden zu Netto, Lidl und Edeka gehen und ihre Einkäufe erledigen.

"Ich weiß, was die Leute sagen, aber in meinen Augen sind das Scheißhausparolen", erklärt Renald Vocke auf Anfrage der Redaktion, als ein Kunde einwirft, es habe in letzter Zeit viele Einbrüche gegeben. Vocke: "Na und? Wenn es nicht bewiesen ist, macht man es sich sehr einfach, die Schuld bei den Flüchtlingen zu suchen."

Keine auffälligen Einbruchszahlen

Gerüchte, dass es nun häufiger Diebstähle und Einbrüche im Ort gäbe, kann die Polizei nicht bestätigen. "Es gibt durch die Bank keine auffälligen Zahlen in Bereichen von Flüchtlingsunterkünften oder Erstaufnahmestellen", sagt Thomas Röwekamp, Pressesprecher der Polizei Kreis Unna, auf Anfrage unserer Redaktion. 

Bei Edeka Tomaszik hat der Zuzug der Flüchtlinge zur Anstellung von vier Aushilfskräften geführt. "Für uns bedeutet die neue Situation einen sehr hohen Aufwand", sagt Inhaber Uwe Tomaszik.

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Nicht nur, dass sie die Lebensmittel nicht kennen würden, auch die Sprachbarriere führe häufig dazu, dass die Flüchtlinge gerade Shampoo- und Duschgelflaschen öffnen würden, um zu sehen, was darin ist. "Wenn wir den Leuten sagen, dass das nicht geht, haben die immer Verständnis und entschuldigen sich sofort", sagt Tomaszik.

Auch Sandra Kiwall, Inhaberin des Kiosks an der Hauptstraße, hat täglichen Kontakt mit den Flüchtlingen. "Ich hatte noch keine Pöbeleien. Die sind sehr freundlich", sagt sie.

"Die sind alle freundlich"

Zwar sei aus ihrer Auslage bisher nichts gestohlen worden, aber jüngst sei jemand über den Wintergarten in den Laden gedrungen und habe die Handtasche der Inhaberin und ihr iPad gestohlen. "Man kann die Person auf dem Überwachungsvideo erkennen – ob das ein Flüchtling ist oder nicht, kann ich aber nicht sagen", so Kiwall.

Auf der anderen Straßenseite bei der Bäckerei Langhammer bedient Verkäuferin Maria Böcker täglich auch Bewohner aus der Zeltstadt. "Die sind alle freundlich", sagt sie. "Wenn uns die Häuser um die Ohren fliegen würden, würden wir auch flüchten", sagt sie, "es mag gute und schlechte Menschen unter den Flüchtlingen geben. Aber wenn wir an ihrer Stelle wären, würden wir uns auch in Gruppen durch die Straßen bewegen. Niemand ist gerne allein in einem fremden Land".

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